Nach Tausenden Jahren: Ägypten schlägt zurück – NPD fleht Franzosen um Hilfe an

Hat nur knuspernde Vergeltung im Sinn: Heuschrecke - Foto: Jürgen Meuter

Hat nur knuspernde Vergeltung im Sinn: Heuschrecke – Foto: Jürgen Meuter

Geschichte ist wie ein Pendel: Irgendwann schlägt es immer zurück. Heute gleich zwei Mal:

Israel wird von einer Heuschreckenplage heimgesucht. Sie sind etwa neun Zentimeter groß, sehr gefräßig, es sind sehr sehr viele – und sie kommen aus Ägypten. Alle. Mehrere Schwärme tun sich schon auf den Feldern Südisraels gütlich. Blätter, Blumen und Früchte werden genüsslich verspeist. Eine israelische Zeitung hat schon mal ein Rezept für gebackene Heuschrecke in Kokosmilch veröffentlicht – nur für alle Fälle. Knusprig ist es, und koscher auch. Und irgendwoher kommt uns das Ganze doch bekannt vor…

Die NPD bittet die Franzosen um Hilfe. Wimmernd kriechen die braunen Intelligenzbestien über den Rhein – bei weitem nicht so stolz marschierend wie ihr Ahnherrrrr. Die Rechten sind, wie könnte es anders sein, auf der Jagd nach der endgültigen Bestätigung: Ihre heimelige Partei muss doch, zumindest irgendwo, ein klein bisschen verfassungsgemäß sein?! Wenn schon nicht die Richter am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, dann müssen sich doch die Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg irgendwie davon überzeugen lassen. Ganz bestimmt.

Unwort des Tages: Geschichte.

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Lecker Pferdegulasch

Man nehme:

  • 750 Gramm Oberschale vom Pferd (das ist die Innenseite des Oberschenkels)
  • 3 Esslöffel Öl
  • 4 Zwiebeln
  • 2 Esslöffel Mehl
  • 15 Gramm Tomatenmark
  • 2 rote Paprikaschoten
  • 1 grüne Paprikaschote
  • 150 Milliliter Rotwein
  • 1 Natur-Joghurt
  • 1/2 Teelöffel Thymian
  • Salz, Cayennepfeffer
  • 1/2 Teelöffel Paprikagewürz

Fleisch zärtlich in Würfel schneiden, mit Pfeffer und Paprikagewürz bestreuen. Dann im Öl ordentlich anbraten. Aus der Pfanne nehmen.

Zwiebeln schälen, hacken und im Öl anbraten. Paprikaschoten von den Kernen befreien, in Streifen schneiden (nicht zu dünn!), zu den Zwiebeln geben und schön andünsten. Das Mehl darüberstreuen.

Jetzt das Fleisch, den Rotwein, das Tomatenmark, Thymian und Salz dazugeben. Alles gut vermengen. Bei geringer Hitze zugedeckt ungefähr eineinhalb Stunden schmoren lassen. Danach den Joghurt unterziehen.

Dazu passen hervorragend Salzkartoffeln oder Naturreis. Und natürlich ein kräftiger Rotwein. Guten Appetit!

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Zwei Geschichten

Essener Fußgängerzone. Ein Sonntag im Dezember. Es ist halb elf, aber noch nicht sonderlich kalt. Es war ein schöner Theaterabend. Ich habe meinen Freund im Arm.

Wir hören sie erst, als es schon zu spät ist. Es sind drei. Turnschuhe, Jeans, kurze Haare. Ich stecke meine Hände in die Taschen.

Sie laufen neben uns, einer links, einer rechts, einer hinten. Der Rechte stößt meinen Freund mit der Schulter an.

“Ey man, was rempelst du mich an, Alter?!”

“Ich habe dich nicht angerempelt.” Er lächelt die Angst weg, freudlos.

“Ey du Schwuchtel, lachst du mich aus oder was? Lachst du mich aus?”

“Ich lache dich nicht aus.” Wir bleiben nicht stehen.

“Ey du Schwuchtel, halt die Fresse man! Lauf weiter und guck nach unten!”

Wir gehen schneller. Ich schaue nach vorn. Einige hundert Meter weiter ist der Bahnhof. Zu weit.

“Ihr seid nicht so blöd, das ausgerechnet hier zu machen.”

“Halt die Fresse man!”

Ich höre, wie jemand einen Schlag auf den Hinterkopf bekommt.

Ich drehe mich um.

 

Berliner Hauptbahnhof. Neujahrsnacht. Es ist kurz nach zwölf, aber noch nicht sonderlich kalt. Auf dem Vorplatz hat sich eine Menge angesammelt, um das Feuerwerk über dem Brandenburger Tor zu sehen.

Sie stehen eng umschlungen auf einer Bank mitten auf dem Platz, deutlich sichtbar für jeden, der hinschauen will. Mitte Zwanzig. Sie haben beide lange Haare, schwarz und braun. Sie tragen dicke Jacken, Jeans, Halbschuhe. Die eine hat eine Brille. Die andere ist etwas pummelig. Das Feuerwerk beachten sie kaum, küssen sich öfter und intimer als irgendjemand sonst auf dem Platz.

Eine Freiheitsstatue mitten in Berlin.

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Schwallerbach in der Küche

Eine Herberge im Badischen. Ich betrete die Gemeinschaftsküche.
Ich erblicke, mit dem Rücken zu mir, einen älteren Mann. Wilde Frisur, schwarze Lederhose, Flauschpulli.

“Hallo, guten Tag”, sage ich.

Er dreht sich abrupt zu mir um. Wirre blaue Augen schauen mich an. Oder durch mich durch.

“Oh, Sie kennen sogar meinen Namen…! Wie schön!” Mitte 60. Er lächelt.

“Ähh, nein, ich sagte guten Tag…” Weiterlesen

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Endstation Sprötze

Sprötze in seiner ganzen Pracht

Sprötze in seiner ganzen Pracht - Karte: Google Maps

Sprötze ist ein Dörflein am Arsch der Lüneburger Heide. Ein Ort, dem man nur dann Beachtung schenkt, wenn man mit dem IC dort liegenbleibt. Ein Reisebericht.

Es wäre ein Wunder, wenn ein Mega-Unternehmen wie die Deutsche Bahn fehlerfrei arbeitete. Jedes Jahr transportiert der De-Facto-Staatskonzern rund zwei Milliarden Passagiere von A nach B. Dass davon gelegentlich einige in Waggons gegrillt, auf freier Strecke ausgesetzt oder mehrere Stunden zu spät am Zielbahnhof (oder woanders) abgeliefert werden – geschenkt. Immerhin fahren die Züge, und sie kommen in aller Regel auch an. Vergleicht man die Situation bei uns mit der in Botswana, wo es seit 2009 aus Sicherheitsgründen gar keinen Personenverkehr auf der Schiene mehr gibt, herrschen bei uns paradiesische Zustände.

Dem gemeinen Passagier der Deutschen Bahn ist dieser Botswana-Vergleich leider schwer vermittelbar. Und so müssen die Verantwortlichen bei der Bahn damit leben, dass die ausgeprägte Meckerkultur der Deutschen auf sie niederprasselt – immer, wenn irgendwas schief läuft, setzt es verbal Haue. Auch auf diesem Blog. Entschuldigung.

Ich habe den schweren Fehler begangen, den IC von Stuttgart in Richtung Stralsund zu nehmen – das ist der, der das Ruhrgebiet mit Hamburg verbindet. Schon in Bonn hatte die Lok einen Schaden, wie mir die schnarrende Stimme der Zugführerin über das Bordmikro verriet. Offenbar hat der Lokführer dann aber aus einer Büroklammer, einem Kugelschreiber, einem Fahrkahrtenknipser und zwei Kaugummis ein wichtiges Teil zusammengebastelt, mit dem er die Fehlfunktion in der Lok überbrückte. Oder so ähnlich. Jedenfalls fuhren wir nach einer Viertelstunde weiter.

Die Katastrophe geschieht in Sprötze. Weiterlesen

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Kohl für Krabbe

Es folgt eine Einteilung der Menschheit in zwei Schubladen. Vergessen Sie alle anderen Schubladen, denn nur diese zwei sind wesentlich: Es gibt die Am-Morgen-Duscher und die Am-Abend-Duscher.

Am-Abend-Duscher brauchen ihre Körperpflege, um mit einem guten Gefühl in Morpheus’ Arme zu entschwinden. Duschen sie nicht, können sie nicht entschwinden, da sie sich (zu Recht) unrein fühlen. Und sie stinken.

Am-Morgen-Duscher brauchen ihre Dosis Heißwasser, um den innerlichen Empathie-Motor zu starten, den Lebenswillen-Generator anzuwerfen. Quasi für den göttlichen Hauch. Duschen sie nicht, haucht es nicht. Und das ist garstig. Und sie stinken.

Ich bin ein Am-Morgen-Duscher. Weiterlesen

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Bunga Bunga auf dem Schreibtisch

Es ist schon ziemlich schwierig, in dieser unserer Welt den Überblick zu behalten. Schließlich geschehen in jeder Sekunde so unendlich viele verschiedene Dinge. Die meisten von denen sind total unwichtig (zum Beispiel FDP-Parteitage) – manche jedoch sind von überragender Bedeutung und bringen die Menschheit voran (zum Beispiel Grünen-Parteitage). Das Chaos der Welt gedanklich zu ordnen und darin gleichsam einen Weltenplan zu erkennen, der sich mit der eigenen Weltanschauung vereinbaren lässt, das ist die Aufgabe, an der viele Menschen scheitern. Mich eingeschlossen.

Was für eine Einleitung. Weiterlesen

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Die Zeugen schlagen zurück

Nach einer Nachtschicht fühlt sich auch 12:23 Uhr an wie der frühste Morgen: bleierne Müdigkeit in den Gliedern und keine – oder krude – Gedanken im Hirn. Ich unterscheide mühsam Kloschüssel und Badewanne voneinander, befeuchte Ersteres, besteige Letzteres und verharre erstmal zehn Minuten regungslos unter der heißen Dusche.

Es klingelt.

Mein Badezimmer liegt direkt neben der Haustür – das äußerst unflätige Schimpfwort muss, wer auch immer da steht, definitiv gehört haben. Recht so.

Ich schiebe den Duschvorhang zur Seite, greife mir etwas Rotes, das so aussieht wie ein Handtuch, halte es mir notdürftig vor mein Genital und stapfe tropfend durch den Flur.

Vor der Tür stehen zwei ältere Damen. Die Linke ist etwas rundlich und trägt ein graumeliertes Ex-Haarkunstwerk und eine dicke Brille mit schwarzen Rändern. Die Rechte hat eine erblondete Turmfrisur. Weiterlesen

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