Es ist schon ziemlich schwierig, in dieser unserer Welt den Überblick zu behalten. Schließlich geschehen in jeder Sekunde so unendlich viele verschiedene Dinge. Die meisten von denen sind total unwichtig (zum Beispiel FDP-Parteitage) – manche jedoch sind von überragender Bedeutung und bringen die Menschheit voran (zum Beispiel Grünen-Parteitage). Das Chaos der Welt gedanklich zu ordnen und darin gleichsam einen Weltenplan zu erkennen, der sich mit der eigenen Weltanschauung vereinbaren lässt, das ist die Aufgabe, an der viele Menschen scheitern. Mich eingeschlossen.
Was für eine Einleitung. Weiterlesen →
Nach einer Nachtschicht fühlt sich auch 12:23 Uhr an wie der frühste Morgen: bleierne Müdigkeit in den Gliedern und keine – oder krude – Gedanken im Hirn. Ich unterscheide mühsam Kloschüssel und Badewanne voneinander, befeuchte Ersteres, besteige Letzteres und verharre erstmal zehn Minuten regungslos unter der heißen Dusche.
Es klingelt.
Mein Badezimmer liegt direkt neben der Haustür – das äußerst unflätige Schimpfwort muss, wer auch immer da steht, definitiv gehört haben. Recht so.
Ich schiebe den Duschvorhang zur Seite, greife mir etwas Rotes, das so aussieht wie ein Handtuch, halte es mir notdürftig vor mein Genital und stapfe tropfend durch den Flur.
Vor der Tür stehen zwei ältere Damen. Die Linke ist etwas rundlich und trägt ein graumeliertes Ex-Haarkunstwerk und eine dicke Brille mit schwarzen Rändern. Die Rechte hat eine erblondete Turmfrisur. Weiterlesen →
Es ist eine moderne Tragödie. “Privileg” heißt mein Kühlschrank, steht gleich hinter meiner Küchentür und tut Tag und Nacht das, was ich von ihm verlange: Kalt sein. Innen. Doch ich bin unzufrieden. Ich bin undankbar. Ich bin meinem treuen Kühlschrank gegenüber asozial.
Mein Kühlschrank ist mir nicht genug. Weiterlesen →
Totgesagte leben länger. Dieses Blog war, wie ein kurzer Blick ins Archiv belegt, schon toter als tot. Es war im Grunde im Verwesen begriffen.
Aus Gründen, die ich selbst nicht genau kenne, hat mir mein Unterbewusstsein signalisiert, dass jetzt die Zeit gekommen ist, den Verwesungsprozess dieses sinnbefreiten Blogs zu beenden. Und prompt fand ich mich nächtelang vor dem PC wieder. Ich habe mit Facebook- und Flattr-Buttons gekämpft, Stylesheet-Dokumentationen gewälzt und mich in gefühlte 78 Programmiersprachen eingearbeitet. Dabei habe ich erkannt, dass ich und PHP, wir zwei beiden, uns für den Rest unseres Lebens spinnefeind sein werden. Wir sind, sozusagen, beziehungsunfähig. Nicht kompatibel, wie wir Informatiker sagen. Weiterlesen →

Hat die Haare schön: Kaiser Valerian
Meine vorerst letzte Amtshandlung als Student ist das Anfertigen einer fesselnden Bachelorarbeit. Ich habe mich dafür entschieden, die Arbeit über jemanden zu schreiben, mit dem ich mich in den letzten Jahren schon öfter auseinandersetzen durfte und der mir deshalb intellektuell nahesteht(): Der römische Kaiser Valerian, seines Zeichens hochnäsiger Vertreter der aussterbenden Klasse von römischen Aristokraten, der das Glück hatte (oder das Pech, je nach Perspektive), von 253 bis etwa 260 Imperator und Obermufti des Römischen Reiches sein zu dürfen. Sein Sohn Gallienus hat mich im Laufe meines Studiums mehrfach belästigt, wie man hier und hier nachlesen kann. Vom Clan der Licinier, so heißen die nämlich mit Nachnamen, komme ich also gerade nicht los.
Ähnlich wie ich hatte auch jemand anders ein Faible für Licinier: Schapur, der Großkönig von Persien. Seiner Vorliebe für tattrige Römer ging der Perser nach, indem er den ältesten und dämlichsten Licinier, den Valerian nämlich, gefangennahm und nie wieder herausließ. Und das kam so: Weiterlesen →

Wir können alles, außer PR: Stuttgart 21 - Foto: Jens Zehnder / pixelio.de
Eigentlich war das Thema schon tot. Stuttgart 21 – vom Parlament beschlossen, von der Bahn gewollt, vom Volk ignoriert. Von solchen Projekten werden im Jahr einige Dutzend auf den Weg gebracht. Niemand interessiert sich dafür. Dass das Land Baden-Württemberg und die Deutsche Bahn Hand in Hand für einige Milliarden Euro das halbe Land umgraben wollen, war den Leuten herzlich egal. Kaum rollten aber die Bagger an und bedrohten den unglaublich hässlichen Stuttgarter Sackbahnhof, da regte sich plötzlich des Volkes Zorn. Die Menschen erkannten, dass der Bebauungsplan zwar recht hübsch, weil bunt, ist, er aber gleichzeitig vorsieht, dass 282 Bäume im pittoresken Stuttgarter Schlossgarten gefällt werden sollen. Und der ganze Bahnhof gleich mit. Seitdem kocht die Stimmung in Stuttgart. Die Menschen sind dagegen. Die Regierung ist dafür. Die SPD ist erst das eine und dann das andere. Weiterlesen →

Die Scheinwerfer waren bestimmt teuer / Foto: Jan Christian Schneider, aboutpixel.de
Ungläubigkeit ist wie ein Virus. Oder noch schlimmer: Es ist ein Gedanke, der, einmal ins Hirn eingepflanzt, wächst und wächst und den man nicht wieder los wird. Der sagt: Gott, Der Auf Alles Aufpasst Und Es Übrigens Auch Vorher Geschaffen Hat, ist gar nicht wirklich existent. Oder zumindest nicht mehr an seiner Schöpfung interessiert. Vielleicht erschafft er auch gerade eine Parallel-Welt im Beta-Quadranten – mit Grottenolmen als vorherrschender Spezies(). Oder er ist in Rente.
Diese geradezu blasphemische Haltung hat mein verirrter Geist schon vor einer ganzen Weile eingenommen. Bisher hatte das keinerlei Folgen, denn in unserer westlichen Zivilisation von Popstars und Radiomoderatoren kann man ganz gut leben, ohne ständig auf eine Gottheit zu stoßen.() Da ich nun aber in die Reihen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer() aufgenommen werde und demzufolge Gehaltsabrechnungen bekomme, drängt sich Gott, Der Alles Zusammenhält Und Es Übrigens Auch Vorher Geschaffen Hat, in den Vordergrund: Auf meiner Gehaltsabrechnung steht nämlich, dass ich Gott, Dessen Güte Und Finanzbedarf Unermesslich Ist, Geld gegeben habe. Und zwar bisher 2,17 Euro Kirchensteuer. Weiterlesen →

Schickes, leeres Gestühl.
Ringvorlesungen sind stets ein Risiko. Gewissermaßen eine Art Überraschungsei für Studenten. Nur halt ohne Schokolade. Und ohne Spielzeug.
Bei einer Ringvorlesung lädt irgendein angesehener Professor Koryphäen seines Fachs – oder die, die er dafür halt – aus dem In- und Ausland() dazu ein, einen Vortrag zu irgendeinem Thema zu halten. Und so präsentiert sich den Studierenden jede Woche ein neuer Dozent mit einem neuen Thema. Für Nerds: Das ist ein bisschen so wie Chatroulette, nur langsamer und mit weniger Genitalien. Der Vorteil ist, dass man jede Woche einen neuen Typus Dozent vorgesetzt bekommt. Was gibt es da nicht alles zu sehen: Kirchennahe Leisesprecher, Powerpoint-Fetischisten in Anzügen, überforderte Frischlinge, nerdige Jungprofs und monotone Schnarchnasen. Zugegeben, diese Art der Abwechslung muss nicht unbedingt ein Vorteil sein. Weiterlesen →
Zwei Innovationen und ein Name bekloppter als der andere: Gesichtsbuch klingt nicht sonderlich schön, und Flattr erinnert mich eher an Durchfall als an die Revolution des Internets. Aber bitteschön, ich will mich dem nicht verschließen.
Ich habe in einer Nacht-und-Nebel-Aktion den sogenannten Facebook-Like-Button auf dieses Blog verfrachtet. Auf das leicht bläuliche Ding am Ende eines jeden Beitrages klicken Sie, wenn Sie bei Facebook angemeldet sind und einen Artikel besonders gut finden. Dann sieht die Welt nämlich, dass Sie ihn toll finden. Das hilft Ihnen (“Oh, er mag das Unwort, er hat also Geschmack!”) und mir (“Oh, er mag das Unwort, das muss eine gute Seite sein!”). Weiterlesen →
Ich hatte neulich einen suizidalen Moment, in dem ich beschloss, den Telefon- und Internetanbieter zu wechseln. Ich ging im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte zu Kabel Deutschland.() Dazu füllte ich ein mehrseitiges Formular aus und kreuzte viele Dinge an. Unter anderem setzte ich ein Kreuz bei: “Wünschen Sie einen kostenlosen Eintrag ins Telefonbuch? – Nein.”
Dass mich Kabel Deutschland in der Auftragsbestätigung dazu beglückwünschte, einerseits zu Kabel Deutschland gewechselt zu sein und andererseits ins Telefonbuch eingetragen zu werden, wunderte mich kaum. Ich hatte sowas schon erwartet.
Ich hatte eigentlich beschlossen, die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen – ob ich nun drinstehe oder nicht, ist ja im Grunde wurstegal – da bekam ich einen Brief von Kabel Deutschland. “Sehr geehrter Herr Kruse”, heißt es da, “Wie gewünscht, haben wir von Ihnen folgende Informationen [ins Telefonbuch] aufnehmen lassen… Haben Sie Fragen? Rufen Sie uns an blabla, viele liebe Grüße, Kabel Deutschland.”
Ich entsorgte den Brief und hielt die Angelegenheit für erledigt.
In den letzten zwei Wochen habe ich denselben “Hey, Sie stehen jetzt drin!”-Brief noch zwei Mal bekommen. Ich als vorbildlicher Kunde mache mir nun ernsthafte Sorgen im die Integrität des Computersystems der Firma und habe beschlossen, einfach mal bei Kabel Deutschland anzurufen.
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