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 Schickes, leeres Gestühl.
Ringvorlesungen sind stets ein Risiko. Gewissermaßen eine Art Überraschungsei für Studenten. Nur halt ohne Schokolade. Und ohne Spielzeug.
Bei einer Ringvorlesung lädt irgendein angesehener Professor Koryphäen seines Fachs – oder die, die er dafür halt – aus dem In- und Ausland() dazu ein, einen Vortrag zu irgendeinem Thema zu halten. Und so präsentiert sich den Studierenden jede Woche ein neuer Dozent mit einem neuen Thema. Für Nerds: Das ist ein bisschen so wie Chatroulette, nur langsamer und mit weniger Genitalien. Der Vorteil ist, dass man jede Woche einen neuen Typus Dozent vorgesetzt bekommt. Was gibt es da nicht alles zu sehen: Kirchennahe Leisesprecher, Powerpoint-Fetischisten in Anzügen, überforderte Frischlinge, nerdige Jungprofs und monotone Schnarchnasen. Zugegeben, diese Art der Abwechslung muss nicht unbedingt ein Vorteil sein. Lesen Sie mehr…
9. Juli 2010 | Kategorie: Unistress | Kommentare (7)
Zwei Innovationen und ein Name bekloppter als der andere: Gesichtsbuch klingt nicht sonderlich schön, und Flattr erinnert mich eher an Durchfall als an die Revolution des Internets. Aber bitteschön, ich will mich dem nicht verschließen.
Ich habe in einer Nacht-und-Nebel-Aktion den sogenannten Facebook-Like-Button auf dieses Blog verfrachtet. Auf das leicht bläuliche Ding am Ende eines jeden Beitrages klicken Sie, wenn Sie bei Facebook angemeldet sind und einen Artikel besonders gut finden. Dann sieht die Welt nämlich, dass Sie ihn toll finden. Das hilft Ihnen (“Oh, er mag das Unwort, er hat also Geschmack!”) und mir (“Oh, er mag das Unwort, das muss eine gute Seite sein!”). Lesen Sie mehr…
8. Juli 2010 | Kategorie: Unseriös, Unübersehbar | Kommentare (5)
Ich hatte neulich einen suizidalen Moment, in dem ich beschloss, den Telefon- und Internetanbieter zu wechseln. Ich ging im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte zu Kabel Deutschland.() Dazu füllte ich ein mehrseitiges Formular aus und kreuzte viele Dinge an. Unter anderem setzte ich ein Kreuz bei: “Wünschen Sie einen kostenlosen Eintrag ins Telefonbuch? – Nein.”
Dass mich Kabel Deutschland in der Auftragsbestätigung dazu beglückwünschte, einerseits zu Kabel Deutschland gewechselt zu sein und andererseits ins Telefonbuch eingetragen zu werden, wunderte mich kaum. Ich hatte sowas schon erwartet.
Ich hatte eigentlich beschlossen, die Angelegenheit auf sich berufen zu lassen – ob ich nun drinstehe oder nicht, ist ja im Grunde wurstegal – da bekam ich einen Brief von Kabel Deutschland. “Sehr geehrter Herr Kruse”, heißt es da, “Wie gewünscht, haben wir von Ihnen folgende Informationen [ins Telefonbuch] aufnehmen lassen… Haben Sie Fragen? Rufen Sie uns an blabla, viele liebe Grüße, Kabel Deutschland.”
Ich entsorgte den Brief und hielt die Angelegenheit für erledigt.
In den letzten zwei Wochen habe ich denselben “Hey, Sie stehen jetzt drin!”-Brief noch zwei Mal bekommen. Ich als vorbildlicher Kunde mache mir nun ernsthafte Sorgen im die Integrität des Computersystems der Firma und habe beschlossen, einfach mal bei Kabel Deutschland anzurufen.
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1. Juli 2010 | Kategorie: Unseriös | Kommentare (7)
Was, fragen Sie sich jetzt, ist denn bitte das da? Ein Fleck auf dem Monitor? Eine durchgestrichene Null? Eine Pille? Die Unendlichkeit in vertikal?()
Schauen Sie noch mal genau hin:
θ
Na, Erleuchtung gehabt? Es ist Griechisch. Und bevor Sie jetzt schreiend weglaufen: Es handelt sich hierbei zwar um den griechischen Buchstaben Theta, jedoch meine ich den Laut, den das Theta im internationalen phonetischen Alphabet symbolisiert, nämlich das englische Ti-Äitsch.
Erschreckend viele Mitbürgerinnen und Mitbürger haben eine geradezu panische Angst vor dem Ti-Äitsch. Seinetwegen vermeiden sie, wann immer möglich, Englisch zu sprechen, denn es könnte ja sein, dass man ein Wort mit diesem bösen Laut aussprechen muss. Wer sich seiner Unfähigkeit bewusst ist oder sämtliche linguistischen Bemühungen schon eingestellt hat, ignoriert das komplizierte Gezischel völlig und verwendet stattdessen überall ein weiches S. Die Folge ist ein ur-teutonischer Akzent – ein Klangerlebnis sondergleichen. Lesen Sie mehr…
26. Juni 2010 | Kategorie: Unistress, Unübersehbar | Kommentare (11)
In der Literatur der Romantik spiegelt sich die Stimmung des Protagonisten in der Art wider, wie die Natur im Text beschrieben wird. “Von der Nordsee her aufziehende dichte Wolkenfelder mit gelegentlichem Starkregen bei bis auf 14 Grad fallenden Temperaturen” trifft meine Stimmung recht gut. Heute ist, sozusagen, ein romantischer Tag.
Und gleich Linguistik. Voll geil.
Ich fahre gerade mit meinem Fahrrad und gefühlten 50 Stundenkilometern einen Berg hinunter, da klingelt mein Handy.
[069661021...]
Frankfurter Nummer. Mir schwant Übles.
“Guten Tag, Herr Kruse, mein Name ist Sandra Sabblt von der AxelSpringerHubertBurdaMediaAGVerwaltung aus Frankfurt.”
Sandra sabbelt unbewegt vor sich hin, während ich stumm weiterradle. Einem entgegenkommenden Dozenten winke ich entgeistert zu. Er ignoriert mich.
“Herr Kruse, ich rufe Sie an, weil Sie vor einiger Zeit mal bei uns bei einem kostenlosen Gewinnspiel mitgemacht haben und dazu habe ich gerade mal ein paar Fragen…”
Ich bremse, damit ich nicht von einem Anzugträger im bombastischen schwarzen Mercedes umgenietet werde und sage dann: “Vor einiger Zeit hat mich mal eine Kollegin von Ihnen angerufen. Die habe ich das gefragt, was ich Sie jetzt frage: Woher haben Sie denn eigentlich meine Handynummer?” Lesen Sie mehr…
7. Juni 2010 | Kategorie: Unistress, Unseriös | Kommentare (6)
Gesetzliche Krankenkassen sind im Allgemeinen nicht für ihren Humor bekannt. Ich bin also sozusagen ein Wunderkind, denn ich habe neulich einen witzigen Brief von der AOK bekommen.
“Sehr geehrter Herr Kruse“, heißt es da. “Wie Sie wissen, bietet Ihnen Ihre AOK Schleswig-Holstein starke Leistungen.”
Das ist mir zwar neu, aber wenn es da steht, muss es wohl so sein.
“Für einige dieser Leistungen verlangt der Gesetzgeber vom Versicherten Eigenanteile.”
Da hat sich aber ein AOK-Pädagoge viele Gedanken darüber gemacht, wie man diesen Geldeintreiber-Brief so formulieren kann, dass der Kunde nicht austickt. Dieser Satz sagt mir, dass nicht etwa die AOK mein Geld will, weil sie schlecht kalkuliert hat oder ihren Bürohengsten zu viel Geld bezahlt – oh nein! Der Gesetzgeber ist Schuld, denn der hat ja bestimmt, dass der Versicherte einen Eigenanteil bezahlen soll. Ist ja ganz klar.
“Sie haben von uns solche Leistungen erhalten: Rettungsfahrt vom 26.10.2009 bis 26.10.2009, Höhe der Leistung: 743,42 EUR, Eigenanteil: 10 EUR”
Wie gnädig, dass man für so eine gigantische Rettungsfahrt im Wert von über 700 Euro nur 10 Euro selbst zahlen muss. Trotzdem habe ich noch eine Frage an die AOK. Deswegen rufe ich bei meiner persönlichen Ansprechpartnerin an – nennen wir sie Frau Schlumpf. Lesen Sie mehr…
31. Mai 2010 | Kategorie: Unseriös | Kommentare (5)
 Autobot vor der Verwandlung / Foto Siegfried Fries, pixelio.de
Auf der Suche nach einem Verkehrsmittel, das gerade nicht von Aschewolken oder Streiks betroffen ist, stößt der handelsübliche Zentraleuropäer schnell auf die Eisenbahn. Doch vor das ach so genüsslich-stressfreie Fahrvergnügen hat der liebe Gott den Erwerb eines Tickets gestellt. Das kostet erstens Geld und ist zweitens gar nicht so einfach, da sich die Deutsche Bahn äußerst effizient davor drückt, dem Kunden seine Fahrkarte in einem persönlichen Gespräch zu verkaufen. Vielmehr möge der Kunde bitte eines dieser roten Monstren aufsuchen, die die Bahnhofsgebäude bevölkern und ein ganz klein wenig an schlecht designte Autobots erinnern.
Ich stehe gerade von einem Autobot herum, da tippt es mich auf die Schulter. Ich drehe mich um.
Ein kleines, weißhaariges Männlein in preiswerter Kleidung steht mit leicht derangiertem Blick vor mir und schaut mich mit weit aufgerissenen Augen an. Neben das Männlein drapiert sich eine genau so kleine, blonde Frau mit einer schwarzen Brille. Sie steckt in einer irritierenden, übergroßen signalroten Jacke. Heute haben Autobots anscheinend Ausgang. Lesen Sie mehr…
24. Mai 2010 | Kategorie: Unseriös | Kommentare (9)
 Welch wunderlicher Vulkan / Foto: Daniel Kempken, pixelio.de
Irgendwie kann man ja auch verstehen, dass dem Eyjafjallajökull nach fast 200 stillen, friedfertigen Jahren der Kragen platzt. Stellen Sie sich nur mal die unglaublichen Kräfte vor, die dieses kleine Berglein im Schach halten musste, damit das friedliche Volk der Isländer ungestört der Entwicklung seiner eigentümlichen Sprache frönen konnte! Und jetzt auch noch die Finanzkrise! Island, entblößt vor aller Welt!() Da kann man schon mal durchdrehen. Das müssen wir verstehen.
Eyjafjallajökull entschloss sich aus Frust dazu, eine Aschewolke 7000 Meter hoch in den schönen isländischen Himmel zu spucken. Quasi als Signal an die Welt: Seht her, ich bin unzufrieden. Das war gar nicht mal böse gemeint – zu subtileren Meinungsäußerungen ist ein 1666-Meter-Berg nun mal nicht in der Lage. Lesen Sie mehr…
17. Mai 2010 | Kategorie: Unseriös, Unübersehbar | Kommentare (7)
 Foto: Matthias Balzer, pixelio.de
Ich gebe zu, es war eine schlechte Idee, mit Halsschmerzen am Sonntag um 4.30 Uhr zur Frühschicht zu gehen. Paracetamol sei Dank habe ich es zwar überstanden, wurde aber mit 40 Grad Fieber belohnt.
40 Grad ist im Grunde eine total tolle Temperatur: Alles ist so erfrischend egal. Dringende Dinge, die noch gemacht werden müssen – egal! Die Bachelor-Arbeit – egal! Hausputz, Telefonanrufe, Rechnungen – egal! 40 Grad fühlt sich an wie eine Herde Hummeln. Und zwar überall.
Jeder hat seine eigene Methode, um mit solcherlei Temperaturen umzugehen. Ich neige dazu, plötzlich unmotiviert loszulachen. Oder mit hochrotem Kopf durch die Wohnung zu hüpfen.
Nach dem Fieber kommen die Halsschmerzen zweiten Grades. Das sind die, die das Drehen das Halses unmöglich machen. Auf einmal kann ich nur noch geradeaus starren. Leider steht da der Fernseher. Und das Nachmittagsprogramm in der deutschen Fernsehlandschaft ist wirklich grauenvoll. Wenn ich nicht schon krank wäre, würde ich es spätestens jetzt.
Ich ringe mich dazu durch, der Apotheke einen Besuch abzustatten. Ich stolziere durch die Stadt wie Robocop – Blicke nach links und rechts kann ich mir gar nicht leisten. Das Volk schaut mich bewundernd an und jubelt mir mit Blicken zu.()
Meine erste Frage an die gutaussehende Apothekerin – denn ich weiß, es wird teuer – lautet: “Kann man hier mit Karte bezahlen?” Man kann. Ich schildere Chantal, so nenne ich sie in Gedanken, meine Gebrechen. Sie schaut mich bewundernd an() und fragt: Lesen Sie mehr…
30. April 2010 | Kategorie: Unistress, Unseriös | Kommentare (9)
Die Morgenstund mag ja vieles in ihrem metaphorischen Mund haben; mit Sicherheit ist es aber nichts Wertvolles. Und erst recht kein Gold.
Morgen ist eine Frage der Definition. Unter normalen Umständen würde ich behaupten, 3 Uhr sei Nacht. Wenn ich aber aus beruflichen Gründen gezwungen bin, um 3:30 Uhr aufzustehen, bezeichne ich es als frühen Morgen, um nicht depressiv zu werden.
Ein Bestandteil der Definition von Morgen ist auch, wann man am Tag davor zu Bett ging. Normalerweise gehe ich zu einem Zeitpunkt schlafen, den ich eben schon als Morgen bezeichnet habe. Vor einem Tag aber, an dem ich die normale Schlafenszeit schon als Morgen bezeichnen muss, bin ich natürlich gezwungen, früher schlafen zu gehen, damit ich am Morgen überlebensfähig bin. Klar soweit?
Deswegen kam es dazu, dass ich am Samstag um 22 Uhr schlafen ging. Just in jenem Moment, in dem Mehrzad Marashi auf RTL inmitten einer Horde wildgewordener Hintergrundtänzer “She’s Fresh” von Kool & The Gang zum Besten gab. Das war mein Abschalt-Moment. Und das lag mehr an Marco Schreyls vergeblicher Suche nach immer mehr Superlativen, um die Geilheit der DSDS-Finalshow zu beschreiben, denn an Mehrzads Sangeskünsten. Hammermäßig. Lesen Sie mehr…
20. April 2010 | Kategorie: Unseriös, Unübersehbar | Kommentare (13)
Bastian Kruse hat am gleichen Tag Geburtstag wie Martin Walser, Steve McQueen, Roland Koch und Nena. Geboren ist er im Gegensatz zu Vorigen im Jahre 1986 in den unendlich flachen Weiten Schleswig-Holsteins. Diese Weiten hat er bisher auch noch niemals für längere Zeit verlassen, und so wird er beim Anblick eines Berges jedes Mal von der Panik erfüllt, der Himmel könnte ihm auf den Kopf fallen.
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