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	<title>Das Unwort &#187; Uni</title>
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	<description>Unseriöse, unerhört unpolitische Ungereimtheiten</description>
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		<title>Da steht ein Zelt im Hörsaal.</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Jul 2010 19:56:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bastian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Unistress]]></category>
		<category><![CDATA[Pakistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Universität]]></category>
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		<description><![CDATA[Ringvorlesungen sind stets ein Risiko. Gewissermaßen eine Art Überraschungsei für Studenten. Nur halt ohne Schokolade. Und ohne Spielzeug. Bei einer Ringvorlesung lädt irgendein angesehener Professor  Koryphäen seines Fachs &#8211; oder die, die er dafür halt &#8211; aus dem In- und &#8230; <a href="http://www.das-unwort.de/2010/07/09/da-steht-ein-zelt-im-horsaal/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_568" class="wp-caption alignleft" style="width: 258px"><a href="http://www.das-unwort.de/wp-content/uploads/2008/11/hoersaal.jpg"><img class="size-full wp-image-568" title="Schicke Bestuhlung in einem Hörsaal - lädt zum, ähm, Verweilen ein, nicht wahr? " src="http://www.das-unwort.de/wp-content/uploads/2008/11/hoersaal.jpg" alt="Schickes, leeres Gestühl." width="248" height="185" /></a><p class="wp-caption-text">Schickes, leeres Gestühl.</p></div>
<p>Ringvorlesungen sind stets ein Risiko. Gewissermaßen eine Art Überraschungsei für Studenten. Nur halt ohne Schokolade. Und ohne Spielzeug.</p>
<p>Bei einer Ringvorlesung lädt irgendein angesehener Professor  Koryphäen seines Fachs &#8211; oder die, die er dafür halt &#8211; aus dem In- und Ausland<sup>(<a href="http://www.das-unwort.de/2010/07/09/da-steht-ein-zelt-im-horsaal/#footnote_0_1221" id="identifier_0_1221" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="In Wissenschafts- und Bildungsfragen z&auml;hlen &uuml;brigens andere Bundesl&auml;nder schon als Ausland">1</a>)</sup> dazu ein, einen Vortrag zu irgendeinem Thema zu halten. Und so präsentiert sich den Studierenden jede Woche ein neuer Dozent mit einem neuen Thema. Für Nerds: Das ist ein bisschen so wie <a href="http://www.chatroulette.com/" target="_blank">Chatroulette</a>, nur langsamer und mit weniger Genitalien. Der Vorteil ist, dass man jede Woche einen neuen Typus Dozent vorgesetzt bekommt. Was gibt es da nicht alles zu sehen: Kirchennahe Leisesprecher, Powerpoint-Fetischisten in Anzügen, überforderte Frischlinge, nerdige Jungprofs und monotone Schnarchnasen. Zugegeben, diese Art der Abwechslung muss nicht unbedingt ein Vorteil sein. <span id="more-1221"></span></p>
<p>Dieses Mal ist ein besonderes Wesen zu Gast &#8211; nennen wir es Prof. Dr. Wieselbert Wabbel. Professor Wabbel spricht zum Thema &#8220;Pakistan&#8221; &#8211; ein sehr raumgreifendes Thema, aber das stört nicht weiter, denn dem ist er ganz offensichtlich in jeder Hinsicht gewachsen. Seine Erscheinung ist geprägt von einer Nase, die beachtlich schmal und lang zugleich ist; außerdem hat er grau melierte dunkle Haare mit einer angedeuteten Elvistolle. Und einen immensen Bauch. Ein Bauch, in dem Achtlinge bequem Platz fänden<sup>(<a href="http://www.das-unwort.de/2010/07/09/da-steht-ein-zelt-im-horsaal/#footnote_1_1221" id="identifier_1_1221" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vermutlich d&auml;chten die sogar noch &uuml;ber Nachwuchs nach, so viel Platz h&auml;tten sie.">2</a>)</sup> Doch damit nicht genug: Irgendwie hat Herr Wabbel es zustande gebracht, ein sogar für ihn zu großes zelthaftes, blau-weiß gestreiftes Hemd anzuziehen. Als Herr Wabbel überraschend wendig zum Rednerpult schleicht, sieht es aus, als würde ein Heißluftballon zum Start vorbereitet.</p>
<p>Das Wesen in dem blauen Zelt bedankt sich nur kurz für die freundliche Begrüßung durch die Gastgeberin und legt ohne ein weiteres Wort sofort los<sup>(<a href="http://www.das-unwort.de/2010/07/09/da-steht-ein-zelt-im-horsaal/#footnote_2_1221" id="identifier_2_1221" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Andere Gastdozenten haben die Angewohnheit, anfangs wortreich zu begr&uuml;nden, warum sie von dem ihnen eigentlich zugedachten Thema so stark abweichen und warum das &amp;#8211; wie schade! &amp;#8211; so viel l&auml;nger dauern wird als eigentlich geplant, &amp;#8220;und daher bitte ich um Nachsicht&amp;#8221;">3</a>)</sup>. Herr Wabbel hat zwar Notizen dabei, schaut aber während seines einstündigen Vortrages nicht ein einziges Mal hin. Vielmehr fokussiert er sofort und beständig die erste Sitzreihe, in der an Universitäten traditionell niemand sitzt.<sup>(<a href="http://www.das-unwort.de/2010/07/09/da-steht-ein-zelt-im-horsaal/#footnote_3_1221" id="identifier_3_1221" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Egal, wie voll es ist.">4</a>)</sup></p>
<p>Mit monotoner Stimme beginnt Herr Wabbel seinen Vortrag. Schon nach dem ersten Wort steigen zwei kurze Ärmchen wie kleine Ersatzballons in die Luft auf und fuchteln in zwei kleinen Kreisen links und rechts vom gigantischen Bauch umher. In den nächsten 60 Minuten haben sie dann genügend Gelegenheit, jede Art von Kreisen auszuprobieren: Links ein großer, langsamer Kreis, rechts ein kleiner, schneller und umgekehrt; zwei kleine, schnelle, hektische Kreise wahlweise links- oder rechts herum; eine Fallende-Axt-Geste mit links und ein Miniaturkreis mit rechts und so weiter. Der Kreativität von Wabbels Händen sind keine Grenzen gesetzt. Beeindruckenderweise bewegen sich seine Gliedmaßen total unabhängig vom Inhalt seines Vortrages. Als es dann aber um das pakistanische Militär geht, verfallen die Hände in gemeinsame ruckartige Bewegungen vor und zurück, mal nach links und mal nach rechts. Es sieht aus, als ob Herr Wabbel Basketball spielt und gelegentlich antäuscht.</p>
<p>Ich bin auf der einen Seite beeindruckt von der inhaltlichen Qualität des Vortrages, andererseits aber etwas irritiert durch diese äußere Erscheinung des Gastes: Ein raumgreifender Herr in einem gigantischen hellblauen Hemd mit Elvistolle und kurzen Ärmchen, die in der Luft herumkreisen, der &#8211; beständig und ohne Pause redend &#8211; die leeren Stühle der ersten Reihe anschaut. Es wirkt fast surreal.</p>
<p>Immerhin habe ich viel über Pakistan erfahren.</p>
<p>Unwort des Tages: Heißluftballon.</p>
<hr /><small>Copyright &copy; 2007-2009<br /> This feed is for personal, non-commercial use only. <br /> The use of this feed on other websites breaches copyright. If this content is not in your news reader, it makes the page you are viewing an infringement of the copyright. (Digital Fingerprint:<br /> CF2958A3-04DA-49E6-93EB-62DF09E42D85)</small><br>
<hr style="width: 20%; color: #eee;"><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_1221" class="footnote">In Wissenschafts- und Bildungsfragen zählen übrigens andere Bundesländer schon als Ausland</li><li id="footnote_1_1221" class="footnote">Vermutlich dächten die sogar noch über Nachwuchs nach, so viel Platz hätten sie.</li><li id="footnote_2_1221" class="footnote">Andere Gastdozenten haben die Angewohnheit, anfangs wortreich zu begründen, warum sie von dem ihnen eigentlich zugedachten Thema so stark abweichen und warum das &#8211; wie schade! &#8211; so viel länger dauern wird als eigentlich geplant, &#8220;und daher bitte ich um Nachsicht&#8221;</li><li id="footnote_3_1221" class="footnote">Egal, wie voll es ist.</li></ol> <p><a href="http://www.das-unwort.de/?flattrss_redirect&amp;id=1221&amp;md5=113841ef1d351e2c242b562ba530a2a8" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.das-unwort.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wenn Sandra sinnlos sabbelt</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Jun 2010 19:52:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bastian</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der Literatur der Romantik spiegelt sich die Stimmung des Protagonisten in der Art wider, wie die Natur im Text beschrieben wird. &#8220;Von der Nordsee her aufziehende dichte Wolkenfelder mit gelegentlichem Starkregen bei bis auf 14 Grad fallenden Temperaturen&#8221; trifft &#8230; <a href="http://www.das-unwort.de/2010/06/07/wenn-sandra-sinnlos-sabbelt/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Literatur der Romantik spiegelt sich die Stimmung des Protagonisten in der Art wider, wie die Natur im Text beschrieben wird. &#8220;Von der Nordsee her aufziehende dichte Wolkenfelder mit gelegentlichem Starkregen bei bis auf 14 Grad fallenden Temperaturen&#8221; trifft meine Stimmung recht gut. Heute ist, sozusagen, ein romantischer Tag.</p>
<p>Und gleich Linguistik. Voll geil.</p>
<p>Ich fahre gerade mit meinem Fahrrad und gefühlten 50 Stundenkilometern einen Berg hinunter, da klingelt mein Handy.</p>
<p><em>[069661021...]</em></p>
<p>Frankfurter Nummer. Mir schwant Übles.</p>
<p>&#8220;Guten Tag, Herr Kruse, mein Name ist Sandra Sabblt von der AxelSpringerHubertBurdaMediaAGVerwaltung aus Frankfurt.&#8221;</p>
<p>Sandra sabbelt unbewegt vor sich hin, während ich stumm weiterradle. Einem entgegenkommenden Dozenten winke ich entgeistert zu. Er ignoriert mich.</p>
<p>&#8220;Herr Kruse, ich rufe Sie an, weil Sie vor einiger Zeit mal bei uns bei einem <strong><em>kostenlosen </em></strong>Gewinnspiel mitgemacht haben und dazu habe ich gerade mal ein paar Fragen&#8230;&#8221;</p>
<p>Ich bremse, damit ich nicht von einem Anzugträger im bombastischen schwarzen Mercedes umgenietet werde und sage dann: &#8220;<a href="http://www.das-unwort.de/2008/03/13/bei-anruf-mord-der-bibliothekstragodie-dritter-teil/" target="_blank">Vor einiger Zeit hat mich mal eine Kollegin von Ihnen angerufen</a>. Die habe ich das gefragt, was ich Sie jetzt frage: Woher haben Sie denn eigentlich meine Handynummer?&#8221;<span id="more-1191"></span></p>
<p>&#8220;Ja, Herr Kruse, da ist ja dieses Gewinnspiel&#8230;&#8221;</p>
<p>&#8220;Unsinn. Warum bin ich denn bei Ihnen registriert, also was kaufe ich denn bei Ihnen?&#8221;</p>
<p>&#8220;Das weiß ich nicht, ich bin ja in der Verwaltung und nicht in der Buchhaltung.&#8221;</p>
<p>Entweder hat Burda eine total perverse Unternehmensstruktur oder dies ist eine sorgfältig  zurechtgelegte Ausrede. Ich gehe von letzterem aus und frage genervt, während ich mit dem Handy am Ohr schwankend links abbiege<sup>(<a href="http://www.das-unwort.de/2010/06/07/wenn-sandra-sinnlos-sabbelt/#footnote_0_1191" id="identifier_0_1191" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ein Blondchen im roten Opel schaut mir dabei hinterher, als k&auml;me ich von einem anderen Stern &amp;#8211; wohl noch nie einen telefonierenden Fahrradfahrer gesehen&amp;#8230;">1</a>)</sup>: &#8220;Und was soll ich bei Ihnen jetzt kaufen?&#8221;</p>
<p>Sandra Sabblt schweigt einen Moment, gibt den potenziellen Kunden aber doch noch nicht auf: &#8220;Zeitschriften!&#8221; Das Wort schwingt noch ein wenig zwischen der prä-regnerischen Kieler und der geschäftig-verschmutzten Frankfurter Luft hin und her.</p>
<p>Da entzündet sich bei Frau Sabblt plötzlich die hell leuchtende Fackel der Erkenntnis: &#8220;Aber Sie haben irgendwie kein Interesse, oder?&#8221;</p>
<p>&#8220;Naja&#8221;, schreie ich, um den gigantischen roten Bus der Nummer 81 zu übertönen, der mich gerade mit nur wenigen Millimetern Abstand überholt, &#8220;ich fahre gerade mit dem Fahrrad einhändig durch Kiel&#8230;&#8221;</p>
<p>&#8220;Oh!&#8221; &#8211; Sandra Sabblt hat einen Ausstiegsgrund gefunden &#8211; &#8220;ich lege sofort auf&#8230;&#8221;</p>
<p>&#8220;Ja, brillante Idee.&#8221;</p>
<p>&#8220;Schönen Tag noch.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ebenso.&#8221;</p>
<p>Unwort des Tages: Herr Kruse.</p>
<hr /><small>Copyright &copy; 2007-2009<br /> This feed is for personal, non-commercial use only. <br /> The use of this feed on other websites breaches copyright. If this content is not in your news reader, it makes the page you are viewing an infringement of the copyright. (Digital Fingerprint:<br /> CF2958A3-04DA-49E6-93EB-62DF09E42D85)</small><br>
<hr style="width: 20%; color: #eee;"><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_1191" class="footnote">Ein Blondchen im roten Opel schaut mir dabei hinterher, als käme ich von einem anderen Stern &#8211; wohl noch nie einen telefonierenden Fahrradfahrer gesehen&#8230;</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Bei Anruf Mord &#8211; Der Bibliothekstragödie dritter Teil.</title>
		<link>http://www.das-unwort.de/2008/03/13/bei-anruf-mord-der-bibliothekstragodie-dritter-teil/</link>
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		<pubDate>Thu, 13 Mar 2008 20:59:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bastian</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Waren Sie schon einmal in einer Bibliothek? Kennen Sie diese Stille, die von nichts durchbrochen wird als dem gelegentlichen friedfertigen Geräusch, das ein sanft Umblätternder erzeugt? Kennen Sie das Gefühl, umgeben zu sein von hunderten von Gedankenfäden, die begierig Lesende &#8230; <a href="http://www.das-unwort.de/2008/03/13/bei-anruf-mord-der-bibliothekstragodie-dritter-teil/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Waren Sie schon einmal in einer Bibliothek? Kennen Sie diese Stille, die von nichts durchbrochen wird als dem gelegentlichen friedfertigen Geräusch, das ein sanft Umblätternder erzeugt? Kennen Sie das Gefühl, umgeben zu sein von hunderten von Gedankenfäden, die begierig Lesende aus dem Geschriebenen der weisesten ihrer Vorväter hinaussaugen? Das Rauschen von Gedankenströmen, Flüssen gleich, die sich aus einem unerschöpflichen Meer den Weg bahnen in die unergründlichen, aufnahmebereiten Hirne wissbegieriger Studenten&#8230; das Knistern der Spannung in Ihren Ohren, das das zunächst langsame, doch dann zunehmend orgastisch anschwellende Gefühl einer sich ankündigenden Erleuchtung begleitet&#8230;</p>
<p><i>Ringdiggadaginggindabumrabbadababbadababbadabumraggadagängdäng&#8230;</i></p>
<p>Das Handy, das die letzten vier Stunden kommentar- und lautlos in meiner linken Hosentasche damit beschäftigt war, meine primären Geschlechtsorgane mit Strahlen zu verseuchen, meldet sich mit gefühlten 148 Dezibel zu Wort. Meine Gedanken kehren schlagartig aus den Wirren des Jahres 260 n. Chr. zurück. Ich springe panikartig auf, reiße das heulende Handy aus meiner Tasche und klappe es auf.<span id="more-141"></span></p>
<p><i>[Nr. unterdrückt]</i></p>
<p>Ich kann die Blicke nur erahnen, die gerade auf mir lasten und mir die schlimmsten Krankheiten, den grausamsten Tod und Merkel als Schwiegermutter wünschen. Ich haste zwischen den Massen toten Papiers vorbei in Richtung Bibliotheksvorraum,  schnauze dabei genervt wie nie in den Hörer (aber gleichzeitig leise &#8211; das soll mir mal einer nachmachen!): &#8220;Ja!?&#8221;</p>
<p>&#8220;Herr Kruse&#8221;, meldet sich eine freundliche weibliche Stimme am anderen Ende der Leitung, &#8220;Sie haben ja vor gar nicht allzu langer Zeit mit meiner Kollegin Frau Schnickenhagen  gesprochen. Erinnern Sie sich daran?&#8221;</p>
<p>Inzwischen habe ich den Bibliotheksvorraum erreicht, der glücklicherweise nicht ganz so bevölkert ist. Trotzdem stehe ich da mit meinem Handy am Ohr und werde begafft wie ein bunter Hund. Das liegt möglicherweise an einem übergroßen Schild, das ein stilisiertes Mobiltelefon zeigt, das unübersehbar martialisch mit roter Farbe durchgestrichen wurde. Ich versuche, mich davor so zu postieren, dass das Schild einerseits nicht mehr zu sehen ist, ich andererseits aber so davorstehe, dass ich nötigenfalls immer noch behaupten kann,  es nicht gesehen zu haben. Es misslingt.</p>
<p>&#8220;Nein, ich kann mich daran nicht wirklich erinnern. Worum geht es denn.&#8221;  Der letzte Satz war ein Fehler. Das fällt mir allerdings erst auf, als es schon zu spät ist.</p>
<p>Frollein röchelt sich kurz Luft in die Raucherlunge und spricht: &#8220;Ja, Herr Kruse, ich erzähle es Ihnen dann noch einmal kurz, ja? Es gibt da ein paar Firmen, wie zum Beispiel BMW und Neckermann und <i>[Liste um andere Firmennamen erweitern]</i>,<i> </i>die eine Sonderverlosung <i>blah</i> viele Gewinne, Herr Kruse <i>blah </i>aber das sind natürlich nicht irgendwelche Gewinne, also keine Eierkocher oder so, nein Herr Kruse, das können Gewinne sein wie Autos oder Reisen oder halt auch einfach Geldgewinne, Herr Kruse <i>blah </i>Gewinngarantie <i>blah </i>! Wenn Sie nicht gewinnen, bekommen Sie natürlich von uns Ihr Geld zurück, Herr Kruse, das ist ja ganz klar <i>blah</i> und das für nur 19,80 Euro im Monat und&#8230;&#8221;</p>
<p>Da schreite ich dann doch ein. Ich kümmere mich inzwischen nicht mehr um mein Dasein als bunter Hund. Ich versuche trotzdem, leise, aber eindringlich und autoritär  zu sprechen und zugleich nicht wie ein entlaufener Psychopath zu klingen. Es misslingt.</p>
<p>&#8220;Was mich eigentlich interessiert, ist, woher Sie meine Nummer haben.&#8221;</p>
<p>&#8220;Aber Herr Kruse, Sie haben doch schon einmal bei uns mitgespielt!&#8221;</p>
<p>&#8220;Habe ich!?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ja, Ja!&#8221;</p>
<p>Das ist gelogen. Ich habe bei Frollein noch nie mitgespielt. Ich bin mir nämlich trotz meines bescheidenen Erinnerungsvermögens sicher, noch niemals 19,80 Euro im Monat für eine äußerst eigentümliche Mischung aus Werbung und Gewinnspiel aus dem Fenster geschmissen zu haben. Das mag daran liegen, dass sich in meinem Kot äußerst selten Geldstücke verstecken. Und falls doch, bin ich mir zu fein, sie herauszufischen. Das sollte ich Frollein mal erzählen; mache ich aber nicht, denn im Falle einer Überrumpelung siegt bei mir noch immer die Freundlichkeit. Ich spreche also folgende freundliche Worte, jedoch mit Mordgedanken:</p>
<p>&#8220;Danke für die Info, aber ich habe daran momentan kein Interesse.&#8221;</p>
<p>&#8220;Aber das verstehe ich jetzt nicht, Herr Kruse&#8221;, es klingt einstudiert, &#8220;denn das ist doch für Sie, Herr Kruse, eine Geschichte völlig ohne Risiko, nä?&#8221;</p>
<p>Morden über das Telefon ist derzeit noch nicht ohne weiteres möglich, und so kann Frollein also auch heute Abend wieder zu Justin ins Bett steigen. Wobei Justin das Kind ihres davongelaufenen Mannes ist, nicht der Mann selbst.</p>
<p>&#8220;Wissen Sie, ich habe für sowas gerade überhaupt keine Zeit, ich bin nämlich gerade in der Universitätbibliothek.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ach so, ähihihihihi.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ja, danke, tschüs.&#8221;</p>
<p>Ich klappe entrüstet mein Handy zusammen, nicke der Zuschauerschar freundlich zu und kehre verstört zur Fachliteratur über den armen und zugleich unendlich glücklichen Kaiser Gallienus zurück. Arm deswegen, weil er von seinen eigenen Generälen hinterrücks ermordet wurde. Und unendlich glücklich, weil er mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit kein Mobiltelefon besessen haben dürfte.</p>
<p>Wenn ich denjenigen erwische, der meine Handynummer an diese Firma verkauft hat, drehe ich ihm persönlich den Hals um. Und danach lese ich ihm mein Geschriebenes über Gallienus vor. Er wird ja so leiden, das können Sie sich gar nicht vorstellen.</p>
<p>Unwort des Tages: Sie, Herr Kruse.</p>
<hr /><small>Copyright &copy; 2007-2009<br /> This feed is for personal, non-commercial use only. <br /> The use of this feed on other websites breaches copyright. If this content is not in your news reader, it makes the page you are viewing an infringement of the copyright. (Digital Fingerprint:<br /> CF2958A3-04DA-49E6-93EB-62DF09E42D85)</small>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>O Gallienus, where are thou? Der Bibliothekstragödie zweiter Teil.</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Mar 2008 20:35:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bastian</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Mensch ist ja ein Raubtier (biologischerdings zwar eher ein Allesfresser, so wie der hier). Er ist aber gelegentlich auch ein wenig beschränkt und zweckentfremdet sich selbst. Er jagt zum Beispiel nicht mehr wüste Wildschweine oder schmackhafte Schuppentiere, sondern garstig &#8230; <a href="http://www.das-unwort.de/2008/03/07/o-gallienus-where-are-thou-der-bibliothekstragodie-zweiter-teil/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Mensch ist ja ein Raubtier (biologischerdings zwar eher ein Allesfresser, so wie <a href="http://www.denkfabrik-info.de/mediac/400_0/media/aasgeier.jpg" target="_blank">der hier</a>). Er ist aber gelegentlich auch ein wenig beschränkt und zweckentfremdet sich selbst. Er jagt zum Beispiel nicht mehr wüste Wildschweine oder schmackhafte Schuppentiere, sondern garstig Geschriebenes.</p>
<p>Was hat denn der geraucht, fragen Sie nun und haben Recht mit Ihrer Skepsis. Es ist so: Ich bin dieser Tage quasi <i>gezwungen</i>, den geistigen Ergüssen mir gänzlich unbekannter Personen hinterherzujagen, und das auch noch in einer beängstigenden Umgebung. Ich suche also Bücher in unserer Universitätsbibliothek. Genauer: In der Seminarbibliothek der Klassischen Altertumskunde. <span id="more-138"></span></p>
<p>Ich bin dazu nun nicht von Frau Salesch oder so verurteilt worden (das wäre ja noch einigermaßen verständlich), nein, ich habe es mir fast schon <i>ausgesucht</i>, will sagen, ich tue es <i>freiwillig</i>. Das muss man sich mal vorstellen! Aber was tut man nicht alles für einen Bachelor in Geschichte.</p>
<p>Ich orientierungsloser Drittsemester sitze nun also seit einer Woche jeden Tag vor den ächzenden Rechnern im Bibliotheksvorraum und filtere die kryptischen Suchergebnisse nach Brauchbarem. Es geht nämlich um Gallienus, liebe Leser. Gallienus, ein römischer Kaiser, von dessen Existenz Sie bisher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts gewusst haben. Und genau das ist auch das Problem, das der gute Gallienus hat &#8211; im Grunde interessiert sich eigentlich kein Schwein für ihn. Das mag daran liegen, dass er in einer Zeit lebte, in der das Römische Reich alle paar Monate den Kaiser gewechselt hat (eine Tradition, die im heutigen Italien fortlebt).</p>
<p>Nichtsdestotrotz gibt es natürlich Menschen, die sich aus irgendeinem Grunde dazu berufen fühlen, Bücher über Gallienus zu schreiben. Normalerweise möchte man solche Menschen entweder ignorieren oder wegsperren, in diesem Falle jedoch muss ich doch tatsächlich nach ihren geistigen Ergüssen Ausschau halten. In der hinreißenden Ordnung unseres universitären Buchsuchprogramms finde ich auch tatsächlich einige Bücher, die sich mit Gallienus beschäftigen oder zumindest so tun, als ob. Das Ernstbleiben fällt mir allerdings schwer (noch dazu in einer streng überwachten Bibliothek, wo man ja bekanntermaßen standrechtlich erschossen wird, wenn man auch nur laut furzt), und das auch noch aus verschiedenen Gründen: Da scheint es doch tatsächlich einen Forscher namens Schlumberger zu geben, den man sich natürlich zweifelsohne als kleinen blauen Mann mit weißer Mütze vorzustellen hat; außerdem scheint die Gallienus-Forschung Menschen mit nur <i>einem Namen</i> vorbehalten zu sein: Alföldi. Da gibt es dann einen A. Alföldi, der ein bahnbrechendes Werk über die &#8220;Weltkrise&#8221; des dritten Jahrhunderts verfasste, da gibt es eine M. R. Alföldi, die sich vornehmlich der antiken Münzkunde verschrieben hatte. Verschrieben hat sich auch der nächste Alföldi, aber bei seinem Namen: Alföldy nennt sich der Autor des bombastischen Werkes &#8220;Die Krise des Römischen Reiches: Geschichte, Geschichtsschreibung&#8230;&#8221; und so weiter. Und diese drei sind augenscheinlich nicht mal miteinander verwandt! Die einzige Verbindung scheint tatsächlich die Faszination für Gallienus und Kumpanen zu sein (und die Tatsache, dass sie alle drei aus Ungarn kommen. Was bedeutet, dass sie doch verwandt sind, aber lassen wir das).</p>
<p>Nun hatte ich tatsächlich mal ein Buch gefunden, das zu lesen ich erträumte (&#8220;The Numbering of the victories of the emperor Gallineus and of the loyality of his legions&#8221;, der Schreibfehler scheint zum Buch dazuzugehören), natürlich von S.M. A. Alföldi persönlich. Es scheint jedoch tatsächlich so etwas wie eine höhere Gerichtsbarkeit zu geben, denn: Wie eben von mir gewünscht, hat man den Alföldi tatsächlich weggesperrt. <b>In die Geschlossene</b>. Leider aber nur sein Buch, nämlich in das sogenannte <i>Geschlossene Magazin.</i></p>
<p>Begleiten wir B. Kruse, stud. phil., auf seinem Weg in den Fettnapf.</p>
<p>B. Kruse fragt sich, nachdem er in der großen Zentralbibliothek eine geschlagene Viertelstunde vor dem Übersichtsplan campiert hat: <i>Wo ist das geschlossene Magazin</i>? Man bedenke: B. Kruse fragt sich. Er denkt nicht. Er fragt nur.</p>
<p>Und so fragt er, der er einst sein Abitur gemacht hat, die freundliche Frau mit dem modischen Kurzhaarschnitt an der Auskunft (die in der Zentralbibliothek polternd <b>WEGWEISUNG</b> genannt wird): &#8220;Entschuldigung, ich suche das geschlossene Magazin&#8230;&#8221;, und erntet einen Blick, als ob er soeben aus jenem entflohen wäre.</p>
<p>Da klickt es bei B. Kruse, stud. phil., Abiturschnitt 2,5, und er vollendet hastig seinen Satz: &#8220;&#8230; oder heißt es geschlossenes Magazin, weil man da nicht &#8216;reindarf?&#8221;</p>
<p>Das zustimmende Nicken des Kurzhaarschnitts in Kombination mit einem mitleidigen Blick macht B. Kruse bewusst, dass er in einem erstaunlichen Fettnapf watet. In dem Bewusstsein, letzteren kaum noch vergrößern zu können, lässt er sich noch schnell erklären, wie man sich ein Buch aus der GESCHLOSSENEN ausleiht und verlässt fluchtartig den Raum.</p>
<p>Dieser Tage wälze ich also verdammt viele verdammt alte Bücher auf der Suche nach Informationen über Gallienus (derer gibt es übrigens nicht viele) und die Dinge, die Gallienus im Römischen Reich getan oder auch nicht getan hat. Dazu gibt es, wie auch sonst, unzählige Meinungen. Selbst der dreiköpfige Hund Alföldi/y scheint sich uneins zu sein und vertritt drei verschiedene Meinungen. Ich bin der Überzeugung: Hätte Gallienus ein Buch über sich geschrieben (wenn er denn schreiben konnte), er hätte noch eine andere Meinung vertreten.</p>
<p>Manchmal wünscht man sich, eine praktische zusammenklappbare Zeitmaschine zu haben. Die stellt man dann an seinem Arbeitsplatz in der Bibliothek auf den Tisch, beamt sich mal eben zu Gallienus, dem ollen Stecher, fragt ihn, warum er denn nun diese Heeresreform durchführt, wundert sich über seinen Gesichtsausdruck und seine Antwort (&#8220;Was denn für eine Heeresreform???&#8221;), beamt sich wieder zurück, bevor Gallienus gewalttätig wird, ignoriert die entsetzten Blicke des Bibliothekspersonals und schreibt eine Hausarbeit mit dem Titel &#8220;Alföldi/ys Irrtum: Gallienus, der Reformunwillige&#8221;. Danach bekommt man sowohl Pulitzer- als auch Nobelpreis, heiratet eine schöne, wenn auch blöde Frau, zeugt schöne, wenn auch blöde Kinder und setzt sich in einem Haus in Südfrankreich zur Ruhe (von Frau und Kindern).</p>
<p>Das Leben könnte so einfach sein.</p>
<p>Isses aber nicht.</p>
<p>&#8230;</p>
<p>Gallienus, wo bist du????</p>
<p>Gallienus!!!!!</p>
<p>Aaaaahhhh&#8230;</p>
<p>Unwort des Tages: Alföldi.</p>
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