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	<title>Das Unwort &#187; Schleswig-Holstein</title>
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	<description>Unseriöse, unerhört unpolitische Ungereimtheiten</description>
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		<title>Studiengebühren oder nicht? Uneinigkeit in der FDP</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Jul 2009 17:13:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Basti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Unistress]]></category>
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		<description><![CDATA[CDU und FDP sind in Schleswig-Holstein überraschend von ihren Studiengebührenplänen abgerückt. Da das doch irgendwie gar nicht FDP-like ist, habe ich den FDP-Landtagsfraktionen anderer Bundesländer mal die entscheidende Frage gestellt: &#8220;Wie halten Sie&#8217;s mit den Studiengebühren?&#8221; Am 27.9. wird in Schleswig-Holstein der Landtag neu gewählt. CDU und FDP liegen in den Umfragen derzeit eindeutig vorn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-918" title="fdp" src="http://www.das-unwort.de/wp-content/uploads/2009/07/fdp.jpg" alt="fdp" width="148" height="111" />CDU und FDP sind in Schleswig-Holstein überraschend von ihren Studiengebührenplänen abgerückt. Da das doch irgendwie gar nicht FDP-like ist, habe ich den FDP-Landtagsfraktionen anderer Bundesländer mal die entscheidende Frage gestellt: &#8220;Wie halten Sie&#8217;s mit den Studiengebühren?&#8221;<span id="more-913"></span></strong></p>
<p>Am 27.9. wird in Schleswig-Holstein der Landtag neu gewählt. CDU und FDP liegen in den Umfragen derzeit eindeutig vorn &#8211; die Studenten hierzulande werden sich also an den Gedanken gewöhnen müssen, Studiengebühren zu zahlen.</p>
<p>In einer panisch-pathetischen Mail an Presse und Landtagsfraktionen kreischt der aufgescheuchte Kieler AStA am 20. Juli:</p>
<blockquote><p>&#8220;Der Allgemeine Studierendenausschuss der Christian-Albrechts-Universität zu  Kiel betrachtet mit großer Sorge die Entwicklung hin zu  vorgezogenen Neuwahlen zum Landtag Schleswig-Holsteins. (&#8230;) Studiengebühren sind sozial ungerecht. (&#8230;) Insbesondere Abiturienten aus den  unteren Einkommensschichten werden effektiv vom Studium abgeschreckt. Es ist  zu erwarten, dass sich dies vor allem in wirtschaftlich schweren Zeiten  noch verstärken wird.  (&#8230;) Der AStA der Uni Kiel appelliert deshalb im Namen der Studierendenschaft der [Universität Kiel], vor allem an die Fraktionen von CDU und FDP, ihre Pläne  zur Hochschulpolitik und Einführung von Studiengebühren und  eines Hochschulfreiheitsgesetzes zu überdenken.&#8221;</p></blockquote>
<p>Am 21. Juli dann die Überraschung: Carstensens CDU will doch keine Studiengebühren mehr. Allerdings nicht, weil die Konservativen erkannt hätten, dass die Abgaben widersinnig wären. Vielmehr geht es, wie so häufig, um die Wählergunst: Studiengebühren seien kein<a href="http://www.shz.de/home/top-thema/article/803/cdu-schwenkt-um-keine-studiengebuehr.html" target="_blank"> &#8220;Sympathiethema&#8221;</a>.</p>
<p>Bleibt noch die FDP. Eine Horde Menschen, die nichts lieber wollen als Studiengebühren, sollte man meinen.</p>
<p>Auch hier gibt es per Mail eine Überraschung: Die vom AStA formulierten Befürchtungen seien &#8220;gegenstandslos&#8221;, schreibt der parlamentarische Geschäftsführer der Kieler FDP-Fraktion, Ekkehard Klug, an den Kieler AStA<sup>(1)</sup>. Schließlich habe ein FDP-Landesparteitag schon Ende März beschlossen, &#8220;auf die Erhebung von Studiengebühren zu verzichten&#8221;.</p>
<p>Und tatsächlich: &#8220;Die Erfahrungen mit Studiengebühren zeigen, dass sich die Erwartungen, die in sie gesetzt wurden, nicht erfüllt haben. Mittlerweile wissen wir aus neuesten Untersuchungen, dass Studiengebühren den Zugang zu den Universitäten erschweren&#8221;, sagt Heiner Garg, der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Kieler Landtag.</p>
<p>Und am 29. März hat die FDP Schleswig-Holstein doch tatsächlich beschlossen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Bildung ist für Liberale ein Bürgerrecht. Bildung ermöglicht die Entfaltung individueller Talente und Fähigkeiten. Sie ist die Grundlage für ein Leben in Selbstbestimmung. Durch Bildung gewinnt der Einzelne die Voraussetzung, sein Leben selbst gestalten und auch Verantwortung für sich und andere übernehmen zu können. (&#8230;) Aus all diesen Gründen ergibt sich, dass die Finanzierung von Bildung in erster Linie eine öffentliche Aufgabe ist. Das Studium an staatlichen Hochschulen soll daher grundsätzlich frei von Studiengebühren sein.&#8221;</p></blockquote>
<p>Bemerkenswert auch folgende Erkenntnis (und man bedenke: Es handelt sich um die FDP!):</p>
<blockquote><p>&#8220;Die Vorstellung, dass ein höheres Einkommen der Akademiker es alsgerecht erscheinen lässt, zusätzliche Gebühren zu erheben, wird von der beruflichen Realität vieler Arbeitnehmer mit Hochschulabschluss widerlegt.<br />
Tatsächlich ist in vielen Bereichen die Lohnsituation nicht besser als mit einer Ausbildung. (&#8230;) Die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen hat die Zeit- und Einkommenssituation von Studierenden während des Studiums meist negativ verändert. (&#8230;) Die FDP Schleswig-Holstein lehnt deshalb die Einführung allgemeiner<br />
Studiengebühren in Bundesländern ab, wo diese bisher nicht eingeführt wurden. Dies betrifft auch Schleswig-Holstein. Sie fordert ferner die Abschaffung solcher Gebühren dort, wo es diese bereits gibt. Die Mittel für<br />
die Studienfinanzierung sind aus dem allgemeinen Staatshaushalt aufzubringen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Da das nicht zu meinem Bild von der FDP passt und ich mir nicht vorstellen kann, dass die Mitliberalen in Restdeutschland mit dieser Einschätzung übereinstimmen, rufe ich bei den FDP-Landtagsfraktionen in den Bundesländern an, in denen die FDP an der Regierung beteiligt ist.</p>
<p><strong>Baden-Württemberg: </strong>Die routinierte Sekretärin würde mich gerne mit dem bildungspolitischen Referenten verbinden; der gute Herr Paulsen weilt jedoch nicht im Hause. Ob ich morgen noch mal anrufen könne? Können ja, allein der Wille fehlt.</p>
<p><strong>Bayern: </strong>Zusammen mit der gut gelaunten Assistentin der Geschäftsführung (&#8220;Moin, moin!&#8221;) entdecke ich ein schwerwiegendes Problem beim bayrischen FDP-Fraktions-Mailserver. Irgendwann kommen wir doch noch zum Thema und ich zu meinem Gesprächspartner: Pressesprecher Rafael Freckmann wundern die unterschiedlichen Meinungen der FDP-Fraktionen nicht: Bildung sei nun mal Ländersache. Für Bayern jedenfalls gelte, was auf dem FDP-Flyer steht: &#8220;Studienbeiträge tragen dazu bei, die Qualität der Lehre und damit die Qualität der bayerischen Hochschulen weiter zu verbessern.&#8221; Und wie denn das Wetter in Kiel sei?</p>
<p><strong>Hessen: </strong>So ganz haben sich die Hessen vom Studiengebühren-Chaos in ihrem Lande wohl nocht nicht erholt: Pressesprecher Krause möchte angeblich zurückrufen, schweigt jedoch bisher.</p>
<p><em>Nachtrag 29. Juli:</em> Herr Krause ruft mich zurück und teilt mir mit, dass die hessische FDP laut Landesparteitagsbeschluss ganz offiziell gegen Studiengebühren für&#8217;s Erststudium ist.</p>
<p><strong>Niedersachsen: </strong>Die niedersächselnden Liberalen machen früher Feierabend als die Gelben im Rest der Republik: Hier erreiche ich niemanden.</p>
<p><strong>Nordrhein-Westfalen: </strong>Auf der Fraktionshomepage sind gefühlte fünfzig verschiedene Telefonnummern angegeben, die jedoch alle (bis auf eine) auf einen Anrufbeantworter umleiten, den ich erwartungsgemäß mit Nonsens fülle. Während mich die eifrige Telefonistin dann irgendwann zu meinem Gesprächspartner durchstellt, spielt ein gar konservatives Symphonieorchester pompöse klassische Musik &#8211; fast erwarte ich ein Gespräch mit der Bundeskanzlerin oder dem Papst. Jedoch meldet sich nur Florian Keisinger, Referent für Innovation, Wissenschaft, Forschung, Technologie und auch noch einige andere Dinge. Er spricht: &#8220;Wir betonen, dass es [in NRW] Studienbeiträge sind und keine Studiengebühren, weil sie nicht alle Kosten abdecken.&#8221; Etwa 260 Millionen Euro bekommen NRWs Hochschulen jährlich. Dabei sei es ihnen freigestellt, ob sie <span style="text-decoration: line-through;">Gebühren</span> Beiträge erheben oder nicht. Auf die Position der FDP Schleswig-Holstein angesprochen, kommt ein eindeutiges: &#8220;Das sehen wir anders.&#8221; Und: &#8220;Ich kannte die Meinung der FDP in Schleswig-Holstein auch nicht&#8230;&#8221; Im Übrigen solle es in NRW ab diesem Jahr ja Stipendien geben, die bis zu 10% der Studierenden unter die Arme greifen sollen. Auswahlkriterium? &#8220;Leistung&#8221;, sagt er da ungerührt.</p>
<p><strong>FDP-Bundestagsfraktion: </strong>Die gute Frau am anderen Ende der Leitung weiß gar nicht so recht, was sie mit mir machen soll. Ich einige mich schließlich mit mir selber darauf, die Informationen zu verwenden, die auf der Homepage stehen &#8211; auch wenn sie vom Oktober 2008 sind. Ob es denn etwas Neueres gebe? &#8220;Nee, dann gibt&#8217;s wohl nix Neueres.&#8221; Nun gut. Uwe Barth, der hochschulpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, sagt also (im Oktober 2008), dass man der abschreckenden Wirkung von Studiengebühren (die seine FDP-Kollegen im Norden gerade zugegeben haben) mit verbesserter Beratung entgegentreten müsse. Er findet aber auch (im September 2008), dass &#8220;sich Studierwillige nicht von Studiengebühren abhalten lassen, ein Studium aufzunehmen.&#8221; Dann ist ja gut.</p>
<p>In Schleswig-Holstein (<em>Nachtrag 29. Juli:</em> und auch in Hessen) ist das dann wohl anders. Aber Bildung ist ja ohnehin Ländersache.</p>
<p>Eine Partei, viele Meinungen zu ein- und derselben Frage. Soll ja erlaubt sein. Unter Beachtung der Tatsache, dass die CDU in Schleswig-Holstein nun von Studiengebühren und der gerade erst eingeführten Trennung von Regional- und Gemeinschaftsschulen abrückt und die SPD in Schleswig-Holstein die ebenfalls gerade erst eingeführte Profiloberstufe wieder abschaffen will, werde ich das Gefühl nicht los, dass sich in der Bildungspolitik eine gewisse Beliebigkeit breitmacht. Die durch PISA geschockte Öffentlichkeit verlangt, dass die Politik etwas unternimmt &#8211; nur was das Richtige ist, scheint niemand zu wissen. Oder wissen zu wollen: Denn ein garantiert erfolgreicher Weg aus der Bildungsmisere könnte Geld kosten. Viel Geld.</p>
<hr /><small>Copyright &copy; 2007-2009<br /> This feed is for personal, non-commercial use only. <br /> The use of this feed on other websites breaches copyright. If this content is not in your news reader, it makes the page you are viewing an infringement of the copyright. (Digital Fingerprint:<br /> CF2958A3-04DA-49E6-93EB-62DF09E42D85)</small><br>
<hr style="width: 20%; color: #eee;"><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_913" class="footnote">die Mail liegt mir vor</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Tamara und das Fegefeuer oder Der ÖPNV in Schleswig-Holstein</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Apr 2008 19:52:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Basti</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sie denken bestimmt, dass Schleswig-Holstein ein kleines Land ist. Das ist zwar auch korrekt, wenn man es mit Mali oder der Ukraine vergleicht. Das Reisen, liebe Leser, ist allerdings in Schleswig-Holstein genau so interessant, herausfordernd und zeitraubend wie in den beiden eben genannten Ländern. Es ist jedoch deutlich teurer als dort. In Schleswig-Holstein gibt es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie denken bestimmt, dass Schleswig-Holstein ein kleines Land ist.</p>
<p>Das ist zwar auch korrekt, wenn man es mit Mali oder der Ukraine vergleicht. Das Reisen, liebe Leser, ist allerdings in Schleswig-Holstein genau so interessant, herausfordernd und zeitraubend wie in den beiden eben genannten Ländern. Es ist jedoch deutlich teurer als dort.</p>
<p>In Schleswig-Holstein gibt es zwar Bahnstrecken, die sogar schon teilweise elektrifiziert sind. Diese verlaufen jedoch in der Regel nur von Nord nach Süd (oder auch andersherum, denn ob man damals mit dem Bau im Norden oder im Süden angefangen hat, weiß ich gerade nicht). Wenn Sie also beispielsweise von Heide (Westküste) nach Lübeck (Ostküste) fahren wollen, müssen Sie in den Zug nach Hamburg-Altona steigen, dort mittels S-Bahn zu einem anderen Bahnhof fahren, um von dort aus dann mit dem Zug nach Lübeck zu gelangen. Das dauert ziemlich genau drei Stunden. Mit dem Auto braucht man zwei Stunden. Wie teuer eine Bahnfahrt von Heide nach Lübeck ist, verrät mir die Homepage der Bahn lieber gar nicht erst. Schätzwert: 25 Euro.</p>
<p>Nun habe ich ja kein Auto, bin also bei meinen gelegentlichen Trips in den östlichen Teil Schleswig-Holsteins auf die Bahn angewiesen. So kam es, dass ich neulich nach Lübeck wollte, da ein freundliches, weil weibliches Wesen die Traute hatte, mich zu ihrer Feier einzuladen.</p>
<p>Am Bahnsteig wurde ich diesmal nicht <a href="../2007/11/13/vielen-dank-dass-sie-versucht-haben-mit-der-deutschen-bahn-zu-reisen/" target="_blank">von freundlichen Mitfahrersuchern überfallen</a>. Das passiert seit einigen Wochen sowieso nicht mehr – man muss fast Angst haben, dass die Bahn die alle hat wegsperren lassen?! Schäuble lässt grüßen. Aber der fährt ja nicht mit der Bahn, sondern rollert selbst…</p>
<p>Aufgehalten wurde ich trotzdem: Von zwei Mitbürgern mit türkischem Migrationshintergrund (ja, politisch korrekt sein bedeutet halt mehr Schreibarbeit!), die sich partout nicht mit dem Fahrkartenautomaten verstanden. Ich als guter Deutscher wollte natürlich helfen. Problem war nur: Der Automat hatte tatsächlich gerade mal überhaupt keine Lust, Tickets nach Bad Schrammelsheim oder so zu verkaufen. Überall sonst durften sie hin, aber nicht dahin, wo sie hinwollten. Da mussten sie notgedrungen ohne Ticket in den Zug steigen.</p>
<p>Man möge sich die folgende Szene vorstellen: Sie werden dem freundlichen Kontrolleur sagen, dass der Automat ein ungehobelter Flegel war und ihnen keine Tickets verkaufen wollte.</p>
<p>Und jetzt stellen Sie sich mal die Frage: <span style="text-decoration: line-through;">Was würde Jesus tun</span> Wären <em>Sie </em>der Kontrolleur/die Kontrolleuse, würden <em>Sie </em>den beiden glauben?</p>
<p>Sie sehen, auch im Zug geht es um den Glauben.</p>
<p>Zu diesem Thema wollte ich allerdings gar nicht hin…</p>
<p>Ich bin jedenfalls mit der Bahn auch tatsächlich (mit Ticket) am niegelnagelneu renovierten Lübecker Hauptbahnhof angekommen (im Abteil wurde ich leicht irritiert durch ein dickes rothaariges Kind, das geschätzte zehn Mal im Großraumwagen hin- und herlief).</p>
<p>Ich stieg in Lübeck in den Bus. Liebe Leser, die bald nach Lübeck fahren: Achten Sie im Bus bloß auf die warme, samtene Stimme, nennen wir sie Tamara, die leicht und locker die Bushaltestellen verkündet. Am hingebungsvollsten haucht Tamara “Verwaltungszentrum Mühlentor”. Wenn man das hört, ist man versucht, an ein gerade neu errichtetes Gebäude zu denken, geplant von einem Schweizer Starachitekten, das wegen einhundertachtzig Millionen Tonnen verbauten Glases von Licht nur so durchflutet ist… im Innern gibt es ein Schwimmbad für die Angestellten, in dem man die Möglichkeit hat, sich unter echten Palmen mit Tamara im Sand zu wühlen und-</p>
<p>Natürlich sieht die Realität anders aus. Das Verwaltungszentrum Mühlentor ist ein graubrauner Zweck-Plattenbau mit grünen Fenstern, der schon stinkt, wenn man nur daran vorbeifährt. Der Gast merkt: Hier in Lübeck liegen Schein und Sein dicht beieinander.</p>
<p>Sowieso sollte Lübeck den Preis für die beklopptesten Namen bekommen. Der Stadtteil “Buntekuh” geht ja noch, und auch die “Fackenburger Allee” findet man nur dann anstößig, wenn man wirklich will. Bei der „Kücknitzer Scheide“ muss man schon sehr ignorant sein, um nichts Verwerfliches daran zu finden und spätestens bei der „Dummersdorfer Scheide“ sollte einem klar sein, dass Lübeck eine augenscheinlich genitallastige Stadt ist.</p>
<p>Bei “Stockelsdorf” denkt man an Herden von Huren mit hohen Absätzen, beim pittoresken “Kaninchenbergweg” eher an flauschige Löffler unten am Fluss. Die Bushaltestelle “Fegefeuer” jedoch ist für jeden gläubigen Christ ein wahres Martyrium. Stellen Sie sich mal vor, wie Tamara fröhlich aus den Boxen flötet: “Nächste Haltestelle: Fegefeuer!” Da springt doch normalerweise ein jeder auf, um sofort und möglichst eindringlich zu Gott oder sonst wem zu beten, auf dass der Bus am Fegefeuer vorbeifahre!</p>
<p>Um diese und vergleichbare Szenen zu erleben und auch wegen der einfallsreichen Namen ist Lübeck also eine Reise wert, liebe Leser. Nur nutzen Sie vielleicht einfach ein anderes Verkehrsmittel als die Bahn. Notfalls gehen Sie halt zu Fuß.</p>
<p>Unwort des Tages: Fackenburg.</p>
<hr /><small>Copyright &copy; 2007-2009<br /> This feed is for personal, non-commercial use only. <br /> The use of this feed on other websites breaches copyright. If this content is not in your news reader, it makes the page you are viewing an infringement of the copyright. (Digital Fingerprint:<br /> CF2958A3-04DA-49E6-93EB-62DF09E42D85)</small>]]></content:encoded>
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		<title>In Schleswig-Holstein bläst er am stärksten</title>
		<link>http://www.das-unwort.de/2008/02/02/in-schleswig-holstein-blast-er-am-starksten/</link>
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		<pubDate>Fri, 01 Feb 2008 23:29:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Basti</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich habe mich ja schon mal irgendwo an dieser Stelle über den Wind im Allgemeinen und den norddeutschen Wind im Speziellen beschwert. Weil ich aber gerade in der rechten Stimmung dazu bin, muss ich das hier noch mal ein wenig ausformulieren. Die meisten von Ihnen wohnen ja sowieso nicht in Norddeutschland, haben also von Wind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe mich ja schon mal irgendwo an dieser Stelle über den Wind im Allgemeinen und den norddeutschen Wind im Speziellen beschwert. Weil ich aber gerade in der rechten Stimmung dazu bin, muss ich das hier noch mal ein wenig ausformulieren.</p>
<p>Die meisten von Ihnen wohnen ja sowieso nicht in Norddeutschland, haben also von Wind ohnehin keine Ahnung.</p>
<p>Wind, liebe Freunde südlich der Elbe, ist eine ungewöhnlich starke Luftbewegung, die für unsereins völlig beliebig und planlos, zweifellos aber einem großen Weltenplan folgend über unsere Erde hinwegfegt.</p>
<p>Wenn Sie nun also im Biergarten sitzen, Lobeshymnen auf die CSU singen und dabei zufällig bemerken, wie sich in der Ferne die Wipfel der urdeutschen Eichen leicht hin- und herwiegen, dann schlucken Sie gefälligst Ihre Bemerkung (&#8220;Ja mei, is des wieder windig heut&#8217;!&#8221;) hinunter, denn <i>das </i>ist kein <i>Wind</i>.</p>
<p>Als <i>Wind</i> bezeichnen wir Fischköppe diejenige Luftbewegung, die einen kurz in der Bewegung innehalten lässt, weil man weiß, dass man momentan sowieso nicht vorwärtskommt. Wind ist das, was gelegentlich mal als rechte Hand des Todes fungiert und harmlose Passanten mit Dachziegeln erschlägt (deswegen haben Norddeutsche auch härtere Schädel, die Evolution passt sich dem -Darwin sei Dank!-  mit der Zeit an). Das, was durch 150 000 Windkraftanlagen 0,00000000000005% unseres täglichen Strombedarfs deckt. Das, was mit eben diesen Windkraftanlagen jedes Jahr die Hälfte des schleswig-holsteinischen Kuhbestandes erschlägt (die Dinger knicken nämlich gerne mal um). <i>Das </i>ist Wind.<span id="more-130"></span></p>
<p>Am Donnerstagmorgen, lieber Leser, war alles noch gut. Es war zwar verdammt früh und ich sah aus wie der Tod auf Latschen, das ist aber donnerstagmorgens immer so (schöner Satz zum Üben von Groß- und Kleinschreibung, by the way). Das Wetter war grau und langweilig wie immer; es war zwar arschkalt, aber das kommt im Winter gelegentlich vor.</p>
<p>Die folgenden vier Stunden verbrachte ich schnarchend in den Mauern der Universität. Als ich dann mit irgend einem Mensafraß im Magen wieder nach Hause fahren wollte, da kam er mir auf einmal entgegen, der Wind. Der war morgens noch nicht da gewesen. Aber gut, sowas kommt vor. Wetter halt, nech?</p>
<p>Nun ist es ja so: Der Wind, liebe Leser, der dreht ja gelegentlich. Er scheint aber eine gottgleiche Erscheinung zu sein, denn er weiß augenscheinlich immer, wohin und woher er wehen muss, um den Menschen das Leben so schwer wie möglich zu machen. Der Wind kommt nämlich, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, <i>grundsätzlich</i> von vorne. Und dabei ist es komplett egal, wie oft man im Laufe der Tortur des Nachhauseweges die Richtung wechselt. Außerdem nimmt die Kraft des Windes immer dann zu, wenn es bergauf geht.</p>
<p>Probieren Sie es ruhig mal aus. Schnappen Sie sich ein Fahrrad, egal welches, und tun Sie so, als ob sie fahren würden. Sie werden sehen, es wird ihnen jemand ins Gesicht blasen, und weil dieser Text jugendfrei ist, kann es nur der Wind sein!</p>
<p>Damit war der Spaß am Donnerstag ja noch nicht zuende. Ich war auf dem Nachhauseweg und wollte noch Medikamente kaufen. Prompt wurde ich Opfer des <a href="http://www.das-unwort.de/2008/02/01/unwort-videocast-14/" target="_blank">Apothekenfluchs</a>.</p>
<p>Nun stellen Sie sich das Mal vor: Mensafraß im Magen (glücklicherweise weiß ich nicht mehr, was), Wind von vorn, Regen von oben und keine Apotheke in Sicht. Ich habe selten so geflucht wie auf diesem Fahrradweg, und das will schon was heißen. Ich kann eigentlich froh sein, dass mein Fahrrad nicht entrüstet ohne mich weitergefahren ist (natürlich aus purem Eigennutz, es wäre nämlich wahrscheinlich weggeweht&#8230;).</p>
<p>Damit war der Spuk noch nicht aus, denn später am Tage musste ich noch mal zurück zur Universität. Versteht sich, dass der Wind nun auch von vorne kam. Interessanterweise hat es, als ich auf dem Fahrrad saß und lauthals den Wind beschimpfte, angefangen zu schneien.</p>
<p>Romantisch, werden jetzt einige von Ihnen sagen und verklärte Blicke zum Lebenspartner werfen.</p>
<p>Ich versichere Ihnen: Ich war mutterseelenallein auf meinem Fahrrad (<i>auf dem Fahrrad ist man immer allein!! Auf dem Fahrrad ist <b>sich jeder selbst der Nächste!!)</b></i>, es war bitterkalt, es war verdammt windig und es schneite. Und zwar derart, dass der Wind, das himmlische Kind (wo ist die Supernanny, wenn man sie braucht??? Ab auf die stille Treppe mit dem Kind!), mir die gigantischen Schneeflocken ins Gesicht wehte, auf dass sich ihre Abdrücke in meine Haut frieren.</p>
<p>Es war also <i>ganz und gar nicht romantisch</i>.</p>
<p>Mein Donnerstag war nicht schön. Überhaupt nicht schön.</p>
<p>Manchmal frage ich mich wirklich, warum ich hier oben in Kiel wohne und nicht irgendwo, wo es keinen Wind gibt&#8230; aber ist Fahrradfahren in den Bergen wirklich angenehmer?</p>
<p>Unwort des Tages: &#8220;Böiger Wind aus West bis Nordwest&#8221;. Als ob man die Windrichtung jemals vorhersagen könnte. <i>Haha!</i></p>
<hr /><small>Copyright &copy; 2007-2009<br /> This feed is for personal, non-commercial use only. <br /> The use of this feed on other websites breaches copyright. If this content is not in your news reader, it makes the page you are viewing an infringement of the copyright. (Digital Fingerprint:<br /> CF2958A3-04DA-49E6-93EB-62DF09E42D85)</small>]]></content:encoded>
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