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	<title>Das Unwort &#187; Bibliothek</title>
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	<description>Unseriöse, unerhört unpolitische Ungereimtheiten</description>
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		<title>Bei Anruf Mord &#8211; Der Bibliothekstragödie dritter Teil.</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Mar 2008 20:59:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bastian</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Waren Sie schon einmal in einer Bibliothek? Kennen Sie diese Stille, die von nichts durchbrochen wird als dem gelegentlichen friedfertigen Geräusch, das ein sanft Umblätternder erzeugt? Kennen Sie das Gefühl, umgeben zu sein von hunderten von Gedankenfäden, die begierig Lesende &#8230; <a href="http://www.das-unwort.de/2008/03/13/bei-anruf-mord-der-bibliothekstragodie-dritter-teil/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Waren Sie schon einmal in einer Bibliothek? Kennen Sie diese Stille, die von nichts durchbrochen wird als dem gelegentlichen friedfertigen Geräusch, das ein sanft Umblätternder erzeugt? Kennen Sie das Gefühl, umgeben zu sein von hunderten von Gedankenfäden, die begierig Lesende aus dem Geschriebenen der weisesten ihrer Vorväter hinaussaugen? Das Rauschen von Gedankenströmen, Flüssen gleich, die sich aus einem unerschöpflichen Meer den Weg bahnen in die unergründlichen, aufnahmebereiten Hirne wissbegieriger Studenten&#8230; das Knistern der Spannung in Ihren Ohren, das das zunächst langsame, doch dann zunehmend orgastisch anschwellende Gefühl einer sich ankündigenden Erleuchtung begleitet&#8230;</p>
<p><i>Ringdiggadaginggindabumrabbadababbadababbadabumraggadagängdäng&#8230;</i></p>
<p>Das Handy, das die letzten vier Stunden kommentar- und lautlos in meiner linken Hosentasche damit beschäftigt war, meine primären Geschlechtsorgane mit Strahlen zu verseuchen, meldet sich mit gefühlten 148 Dezibel zu Wort. Meine Gedanken kehren schlagartig aus den Wirren des Jahres 260 n. Chr. zurück. Ich springe panikartig auf, reiße das heulende Handy aus meiner Tasche und klappe es auf.<span id="more-141"></span></p>
<p><i>[Nr. unterdrückt]</i></p>
<p>Ich kann die Blicke nur erahnen, die gerade auf mir lasten und mir die schlimmsten Krankheiten, den grausamsten Tod und Merkel als Schwiegermutter wünschen. Ich haste zwischen den Massen toten Papiers vorbei in Richtung Bibliotheksvorraum,  schnauze dabei genervt wie nie in den Hörer (aber gleichzeitig leise &#8211; das soll mir mal einer nachmachen!): &#8220;Ja!?&#8221;</p>
<p>&#8220;Herr Kruse&#8221;, meldet sich eine freundliche weibliche Stimme am anderen Ende der Leitung, &#8220;Sie haben ja vor gar nicht allzu langer Zeit mit meiner Kollegin Frau Schnickenhagen  gesprochen. Erinnern Sie sich daran?&#8221;</p>
<p>Inzwischen habe ich den Bibliotheksvorraum erreicht, der glücklicherweise nicht ganz so bevölkert ist. Trotzdem stehe ich da mit meinem Handy am Ohr und werde begafft wie ein bunter Hund. Das liegt möglicherweise an einem übergroßen Schild, das ein stilisiertes Mobiltelefon zeigt, das unübersehbar martialisch mit roter Farbe durchgestrichen wurde. Ich versuche, mich davor so zu postieren, dass das Schild einerseits nicht mehr zu sehen ist, ich andererseits aber so davorstehe, dass ich nötigenfalls immer noch behaupten kann,  es nicht gesehen zu haben. Es misslingt.</p>
<p>&#8220;Nein, ich kann mich daran nicht wirklich erinnern. Worum geht es denn.&#8221;  Der letzte Satz war ein Fehler. Das fällt mir allerdings erst auf, als es schon zu spät ist.</p>
<p>Frollein röchelt sich kurz Luft in die Raucherlunge und spricht: &#8220;Ja, Herr Kruse, ich erzähle es Ihnen dann noch einmal kurz, ja? Es gibt da ein paar Firmen, wie zum Beispiel BMW und Neckermann und <i>[Liste um andere Firmennamen erweitern]</i>,<i> </i>die eine Sonderverlosung <i>blah</i> viele Gewinne, Herr Kruse <i>blah </i>aber das sind natürlich nicht irgendwelche Gewinne, also keine Eierkocher oder so, nein Herr Kruse, das können Gewinne sein wie Autos oder Reisen oder halt auch einfach Geldgewinne, Herr Kruse <i>blah </i>Gewinngarantie <i>blah </i>! Wenn Sie nicht gewinnen, bekommen Sie natürlich von uns Ihr Geld zurück, Herr Kruse, das ist ja ganz klar <i>blah</i> und das für nur 19,80 Euro im Monat und&#8230;&#8221;</p>
<p>Da schreite ich dann doch ein. Ich kümmere mich inzwischen nicht mehr um mein Dasein als bunter Hund. Ich versuche trotzdem, leise, aber eindringlich und autoritär  zu sprechen und zugleich nicht wie ein entlaufener Psychopath zu klingen. Es misslingt.</p>
<p>&#8220;Was mich eigentlich interessiert, ist, woher Sie meine Nummer haben.&#8221;</p>
<p>&#8220;Aber Herr Kruse, Sie haben doch schon einmal bei uns mitgespielt!&#8221;</p>
<p>&#8220;Habe ich!?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ja, Ja!&#8221;</p>
<p>Das ist gelogen. Ich habe bei Frollein noch nie mitgespielt. Ich bin mir nämlich trotz meines bescheidenen Erinnerungsvermögens sicher, noch niemals 19,80 Euro im Monat für eine äußerst eigentümliche Mischung aus Werbung und Gewinnspiel aus dem Fenster geschmissen zu haben. Das mag daran liegen, dass sich in meinem Kot äußerst selten Geldstücke verstecken. Und falls doch, bin ich mir zu fein, sie herauszufischen. Das sollte ich Frollein mal erzählen; mache ich aber nicht, denn im Falle einer Überrumpelung siegt bei mir noch immer die Freundlichkeit. Ich spreche also folgende freundliche Worte, jedoch mit Mordgedanken:</p>
<p>&#8220;Danke für die Info, aber ich habe daran momentan kein Interesse.&#8221;</p>
<p>&#8220;Aber das verstehe ich jetzt nicht, Herr Kruse&#8221;, es klingt einstudiert, &#8220;denn das ist doch für Sie, Herr Kruse, eine Geschichte völlig ohne Risiko, nä?&#8221;</p>
<p>Morden über das Telefon ist derzeit noch nicht ohne weiteres möglich, und so kann Frollein also auch heute Abend wieder zu Justin ins Bett steigen. Wobei Justin das Kind ihres davongelaufenen Mannes ist, nicht der Mann selbst.</p>
<p>&#8220;Wissen Sie, ich habe für sowas gerade überhaupt keine Zeit, ich bin nämlich gerade in der Universitätbibliothek.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ach so, ähihihihihi.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ja, danke, tschüs.&#8221;</p>
<p>Ich klappe entrüstet mein Handy zusammen, nicke der Zuschauerschar freundlich zu und kehre verstört zur Fachliteratur über den armen und zugleich unendlich glücklichen Kaiser Gallienus zurück. Arm deswegen, weil er von seinen eigenen Generälen hinterrücks ermordet wurde. Und unendlich glücklich, weil er mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit kein Mobiltelefon besessen haben dürfte.</p>
<p>Wenn ich denjenigen erwische, der meine Handynummer an diese Firma verkauft hat, drehe ich ihm persönlich den Hals um. Und danach lese ich ihm mein Geschriebenes über Gallienus vor. Er wird ja so leiden, das können Sie sich gar nicht vorstellen.</p>
<p>Unwort des Tages: Sie, Herr Kruse.</p>
<hr /><small>Copyright &copy; 2007-2009<br /> This feed is for personal, non-commercial use only. <br /> The use of this feed on other websites breaches copyright. If this content is not in your news reader, it makes the page you are viewing an infringement of the copyright. (Digital Fingerprint:<br /> CF2958A3-04DA-49E6-93EB-62DF09E42D85)</small>]]></content:encoded>
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		<title>O Gallienus, where are thou? Der Bibliothekstragödie zweiter Teil.</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Mar 2008 20:35:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bastian</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Mensch ist ja ein Raubtier (biologischerdings zwar eher ein Allesfresser, so wie der hier). Er ist aber gelegentlich auch ein wenig beschränkt und zweckentfremdet sich selbst. Er jagt zum Beispiel nicht mehr wüste Wildschweine oder schmackhafte Schuppentiere, sondern garstig &#8230; <a href="http://www.das-unwort.de/2008/03/07/o-gallienus-where-are-thou-der-bibliothekstragodie-zweiter-teil/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Mensch ist ja ein Raubtier (biologischerdings zwar eher ein Allesfresser, so wie <a href="http://www.denkfabrik-info.de/mediac/400_0/media/aasgeier.jpg" target="_blank">der hier</a>). Er ist aber gelegentlich auch ein wenig beschränkt und zweckentfremdet sich selbst. Er jagt zum Beispiel nicht mehr wüste Wildschweine oder schmackhafte Schuppentiere, sondern garstig Geschriebenes.</p>
<p>Was hat denn der geraucht, fragen Sie nun und haben Recht mit Ihrer Skepsis. Es ist so: Ich bin dieser Tage quasi <i>gezwungen</i>, den geistigen Ergüssen mir gänzlich unbekannter Personen hinterherzujagen, und das auch noch in einer beängstigenden Umgebung. Ich suche also Bücher in unserer Universitätsbibliothek. Genauer: In der Seminarbibliothek der Klassischen Altertumskunde. <span id="more-138"></span></p>
<p>Ich bin dazu nun nicht von Frau Salesch oder so verurteilt worden (das wäre ja noch einigermaßen verständlich), nein, ich habe es mir fast schon <i>ausgesucht</i>, will sagen, ich tue es <i>freiwillig</i>. Das muss man sich mal vorstellen! Aber was tut man nicht alles für einen Bachelor in Geschichte.</p>
<p>Ich orientierungsloser Drittsemester sitze nun also seit einer Woche jeden Tag vor den ächzenden Rechnern im Bibliotheksvorraum und filtere die kryptischen Suchergebnisse nach Brauchbarem. Es geht nämlich um Gallienus, liebe Leser. Gallienus, ein römischer Kaiser, von dessen Existenz Sie bisher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts gewusst haben. Und genau das ist auch das Problem, das der gute Gallienus hat &#8211; im Grunde interessiert sich eigentlich kein Schwein für ihn. Das mag daran liegen, dass er in einer Zeit lebte, in der das Römische Reich alle paar Monate den Kaiser gewechselt hat (eine Tradition, die im heutigen Italien fortlebt).</p>
<p>Nichtsdestotrotz gibt es natürlich Menschen, die sich aus irgendeinem Grunde dazu berufen fühlen, Bücher über Gallienus zu schreiben. Normalerweise möchte man solche Menschen entweder ignorieren oder wegsperren, in diesem Falle jedoch muss ich doch tatsächlich nach ihren geistigen Ergüssen Ausschau halten. In der hinreißenden Ordnung unseres universitären Buchsuchprogramms finde ich auch tatsächlich einige Bücher, die sich mit Gallienus beschäftigen oder zumindest so tun, als ob. Das Ernstbleiben fällt mir allerdings schwer (noch dazu in einer streng überwachten Bibliothek, wo man ja bekanntermaßen standrechtlich erschossen wird, wenn man auch nur laut furzt), und das auch noch aus verschiedenen Gründen: Da scheint es doch tatsächlich einen Forscher namens Schlumberger zu geben, den man sich natürlich zweifelsohne als kleinen blauen Mann mit weißer Mütze vorzustellen hat; außerdem scheint die Gallienus-Forschung Menschen mit nur <i>einem Namen</i> vorbehalten zu sein: Alföldi. Da gibt es dann einen A. Alföldi, der ein bahnbrechendes Werk über die &#8220;Weltkrise&#8221; des dritten Jahrhunderts verfasste, da gibt es eine M. R. Alföldi, die sich vornehmlich der antiken Münzkunde verschrieben hatte. Verschrieben hat sich auch der nächste Alföldi, aber bei seinem Namen: Alföldy nennt sich der Autor des bombastischen Werkes &#8220;Die Krise des Römischen Reiches: Geschichte, Geschichtsschreibung&#8230;&#8221; und so weiter. Und diese drei sind augenscheinlich nicht mal miteinander verwandt! Die einzige Verbindung scheint tatsächlich die Faszination für Gallienus und Kumpanen zu sein (und die Tatsache, dass sie alle drei aus Ungarn kommen. Was bedeutet, dass sie doch verwandt sind, aber lassen wir das).</p>
<p>Nun hatte ich tatsächlich mal ein Buch gefunden, das zu lesen ich erträumte (&#8220;The Numbering of the victories of the emperor Gallineus and of the loyality of his legions&#8221;, der Schreibfehler scheint zum Buch dazuzugehören), natürlich von S.M. A. Alföldi persönlich. Es scheint jedoch tatsächlich so etwas wie eine höhere Gerichtsbarkeit zu geben, denn: Wie eben von mir gewünscht, hat man den Alföldi tatsächlich weggesperrt. <b>In die Geschlossene</b>. Leider aber nur sein Buch, nämlich in das sogenannte <i>Geschlossene Magazin.</i></p>
<p>Begleiten wir B. Kruse, stud. phil., auf seinem Weg in den Fettnapf.</p>
<p>B. Kruse fragt sich, nachdem er in der großen Zentralbibliothek eine geschlagene Viertelstunde vor dem Übersichtsplan campiert hat: <i>Wo ist das geschlossene Magazin</i>? Man bedenke: B. Kruse fragt sich. Er denkt nicht. Er fragt nur.</p>
<p>Und so fragt er, der er einst sein Abitur gemacht hat, die freundliche Frau mit dem modischen Kurzhaarschnitt an der Auskunft (die in der Zentralbibliothek polternd <b>WEGWEISUNG</b> genannt wird): &#8220;Entschuldigung, ich suche das geschlossene Magazin&#8230;&#8221;, und erntet einen Blick, als ob er soeben aus jenem entflohen wäre.</p>
<p>Da klickt es bei B. Kruse, stud. phil., Abiturschnitt 2,5, und er vollendet hastig seinen Satz: &#8220;&#8230; oder heißt es geschlossenes Magazin, weil man da nicht &#8216;reindarf?&#8221;</p>
<p>Das zustimmende Nicken des Kurzhaarschnitts in Kombination mit einem mitleidigen Blick macht B. Kruse bewusst, dass er in einem erstaunlichen Fettnapf watet. In dem Bewusstsein, letzteren kaum noch vergrößern zu können, lässt er sich noch schnell erklären, wie man sich ein Buch aus der GESCHLOSSENEN ausleiht und verlässt fluchtartig den Raum.</p>
<p>Dieser Tage wälze ich also verdammt viele verdammt alte Bücher auf der Suche nach Informationen über Gallienus (derer gibt es übrigens nicht viele) und die Dinge, die Gallienus im Römischen Reich getan oder auch nicht getan hat. Dazu gibt es, wie auch sonst, unzählige Meinungen. Selbst der dreiköpfige Hund Alföldi/y scheint sich uneins zu sein und vertritt drei verschiedene Meinungen. Ich bin der Überzeugung: Hätte Gallienus ein Buch über sich geschrieben (wenn er denn schreiben konnte), er hätte noch eine andere Meinung vertreten.</p>
<p>Manchmal wünscht man sich, eine praktische zusammenklappbare Zeitmaschine zu haben. Die stellt man dann an seinem Arbeitsplatz in der Bibliothek auf den Tisch, beamt sich mal eben zu Gallienus, dem ollen Stecher, fragt ihn, warum er denn nun diese Heeresreform durchführt, wundert sich über seinen Gesichtsausdruck und seine Antwort (&#8220;Was denn für eine Heeresreform???&#8221;), beamt sich wieder zurück, bevor Gallienus gewalttätig wird, ignoriert die entsetzten Blicke des Bibliothekspersonals und schreibt eine Hausarbeit mit dem Titel &#8220;Alföldi/ys Irrtum: Gallienus, der Reformunwillige&#8221;. Danach bekommt man sowohl Pulitzer- als auch Nobelpreis, heiratet eine schöne, wenn auch blöde Frau, zeugt schöne, wenn auch blöde Kinder und setzt sich in einem Haus in Südfrankreich zur Ruhe (von Frau und Kindern).</p>
<p>Das Leben könnte so einfach sein.</p>
<p>Isses aber nicht.</p>
<p>&#8230;</p>
<p>Gallienus, wo bist du????</p>
<p>Gallienus!!!!!</p>
<p>Aaaaahhhh&#8230;</p>
<p>Unwort des Tages: Alföldi.</p>
<hr /><small>Copyright &copy; 2007-2009<br /> This feed is for personal, non-commercial use only. <br /> The use of this feed on other websites breaches copyright. If this content is not in your news reader, it makes the page you are viewing an infringement of the copyright. (Digital Fingerprint:<br /> CF2958A3-04DA-49E6-93EB-62DF09E42D85)</small>]]></content:encoded>
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		<title>O book, where are thou? &#8211; Eine Bibliotheks-Odyssee</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Nov 2007 22:43:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bastian</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Da sag noch mal einer, studieren sei nicht gefährlich. Ich ahnungsloser kleiner Student, in meinem Wesen friedfertig und niemandem etwas Böses wollend, bin heute in die Bibliothek gegangen. Und zwar nicht irgendeine Bibliothek, o nein, sondern in die Fachbibliothek für &#8230; <a href="http://www.das-unwort.de/2007/11/08/o-book-where-are-thou-eine-bibliotheks-odyssee/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da sag noch mal einer, studieren sei nicht gefährlich.</p>
<p>Ich ahnungsloser kleiner Student, in meinem Wesen friedfertig und niemandem etwas Böses wollend, bin heute in die Bibliothek gegangen. Und zwar nicht irgendeine Bibliothek, o nein, sondern in die Fachbibliothek für Anglistik an unserer Universität. Die Fachbibliothek für Anglistik gibt es eigentlich gar nicht, sondern sie besteht vielmehr aus einem Flickenteppich an wahllos auf einen riesigen, mehrstöckigen Raum verteilten Regalen. Dazwischen mischen sich Regale mit Büchern aus zahlreichen anderen Fächern. Amerikanistik, zum Beispiel. Kanadistik. Französisch. Katalanisch. Rumänisch. Weiß der Geier was sonst noch alles.</p>
<p>Ich bahne mir also meinen Weg vorbei an der geifernden Bibliothekswächterin, die meinen Bibliotheksausweis als Pfand bei sich behält (denn ich könnte ja mit einem Arm voller kostbarer Bücher aus dem Fenster springen).</p>
<p>Gut vorbereitet, wie ich als Erstsemester nun mal bin, weiß ich auch schon die Signatur des von mir gesuchten Buches: Sie lautet 001 MEY Eng. Herzlichen Glückwunsch.<span id="more-102"></span></p>
<p>Nachdem ich den mehrstöckigen Raum also betreten habe, sehe ich als erstes zu meiner Linken ein paar Regale mit offenkundig englischen Büchern, die nach Jahrhunderten geordnet sind. Das bringt mir nicht viel, weil ich ja nur die Signatur meines Buches weiß, aber nicht, in welchem Jahrhundert der Autor gelebt hat. Ich gehe unbeirrt weiter. Und finde eine Treppe tiefer einen gar illustren Haufen von Regalen mit Aufschriften wie &#8220;800&#8243; oder &#8220;427.1&#8243;. Das ist doch schon mal schön, hier scheint es nach Nummern geordnet zu sein. Ich suche also die Nummer 001. Die gibt es natürlich nicht. Dafür scheint es die Nummern 800 bis 899 umso öfter zu geben.</p>
<p>Ich gehe noch eine Treppe tiefer. &#8220;American Fiction&#8221;, heißt es da auf den Regalen, die sich mir monströs entgegenrecken. Ja weiß denn ich, ob es American Fiction ist, was ich suche??? Ich weiß doch nur die Signatur!</p>
<p>Noch eine Treppe tiefer. Das Licht ist schummrig, ich sehe eine große, hagere Gestalt, die in einem Abstand von etwa 30 Zentimetern vor einem großen Regal steht und bewegungslos auf eine bestimmte Stelle dieses Regals starrt. Ich biege panisch nach links und befinde mich in einem Haufen von Linguistikbüchern. Mit einer gar kryptischen Signatur. Auch hier nichts von 001 zu sehen. Zumal es kein linguistisches Werk ist, das ich suche. Glaube ich. Ich gehe wieder auf den Hauptgang zurück. Der hagere Kerl steht immer noch dort und starrt das Regal an. Er hat sich nicht bewegt.</p>
<p>Ob das einer dieser grusligen Lehramtsstudenten ist, die ihr Erstes Staatsexamen nicht geschafft haben und nun dazu verdammt sind, auf ewig ein Leben in der Uni zu fristen? Schnell gehe ich geradeaus weiter, in der Hoffnung, vielleicht einen hell erleuchteten, wohl temperierten Raum zu finden, über dem in großer, gut lesbarer Schrift ein Schild mit der der Nummer 001 prangt.</p>
<p>Fehlanzeige. Es wird noch dunkler. Es riecht muffig. Ich sehe einen kleinen, vergilbten Zettel, auf dem &#8220;Lichtschalter&#8221; steht. Haha, sehr witzig.</p>
<p>Ich schaue auf die Regale &#8211; alles mir unbekannte Signaturen &#8211; und außerdem scheint es um alte deutsche Literatur zu gehen. Also die andere Richtung. Es wird nicht heller. Es muffelt immer noch. Die Signaturen werden kryptischer, die Bücher auch &#8211; ich stoße auf ein eingestaubtes, altes Buch mit braunem Einband. Es scheint wohl auf Sanskrit zu sein, denn egal, wie ich es auch drehe, die Schrift darin sieht immer so aus, als würde ich es falsch herum halten.</p>
<p>Ich stelle es schnell wieder zurück und eile weiter. Ich gelange in einen hell erleuchteten Raum, der wohltemperiert ist. Das ist schon mal gut. Nur leider hat sich dort die portugiesische Literatur versammelt. Mit Sekundärlitatur.</p>
<p>Brauche ich nicht. Ich entdecke nach hektischer Suche eine kleine Treppe, die ich kurz entschlossen auch benutze. Ich bin auf einmal im obersten Stockwerk. Blicke mich verstohlen um&#8230; vielleicht ist hier ja die Signatur 001? Doch alles, was ich sehen kann, sind Regale über Regale mit französischen Büchern. Das muss man sich mal vorstellen. Da stehe ich zwischen 20 000 französischen Büchern, die irgendwie alle grün eingebunden sind, zumindest kommt es mir so vor, und suche ein kümmerliches kleines englisches Machwerk. Mit einer Signatur. Aber hier bin ich wohl falsch. Die Franzosen an den Arbeitstischen gucken mich schon ganz entsetzt an.</p>
<p>Ich schleiche mich weiter. An weißen Regalen mit obskuren Nummern vorbei. Vorbei an emsig arbeitenden Menschen, die die Bücher über katalanische Suffixe und galizische Adverbien anscheinend äußerst inspirierend finden. Ich ekele mich ein wenig. Und ergreife die Flucht.</p>
<p>Wieder nach unten. Englische Bücher &#8211; o Heimat! &#8211; jedoch geordnet nach Jahrhunderten. Hier war ich doch schon mal!  Naja, vielleicht habe ich die 001 ja nur übersehen.</p>
<p>Pustekuchen. Ich gehe denselben Weg noch mal ab (spare mir allerdings die Ausflüge zur Linguistik und in die anderen Gruselkammern). 800, 427.1 &#8211; 4, 820, 801, 820 (nochmal?), 810, 870. Mit Mathematik haben sie&#8217;s hier nicht so. Aber kein Wunder, das ist ja auch eine romanistische Bibliothek.</p>
<p>Als ich nun zum dritten mal bei Shakespeare (&#8220;16. Jahrhundert!&#8221; grinst mir das Schild am Regal stolz entgegen) angekommen bin, sehe ich den Plan. Der Bibliotheksplan. Die Rettung. Der <span style="font-style:italic;">deus ex machina</span>. Alles wird gut.</p>
<p>Ich stürze dem Plan entgegen (möglichst ohne Geräusch, schließlich bin ich ja in einer Bibliothek). Ich sehe: Viele Striche (das sind die Regale), noch mehr Striche (das sind die Treppenstufen), noch mehr Striche (das sind noch mehr Regale) und einige Zahlen. Bei der Amerikanistik stehen gar keine Zahlen. Die geben anscheinend sogar zu, dass sie keine Ordnung in ihrer Bibliothek haben.</p>
<p>Ansonsten finde ich die schon bekannten Nummern &#8211; stets um die 800 herum.</p>
<p>Panik kommt in mir auf. Ich entschließe mich, um Hilfe zu schreien &#8211; doch halt, du bist ja in einer Bibliothek. Ich schaue mich also hilfesuchend um. Es ist kaum jemand zu sehen &#8211; nur aus dem oberen Stockwerk schauen ein paar Franzosen, die an ihren Arbeitstischen sitzen, missbilligend und mit gerümpfter Nase auf mich Verlassenen hinab.</p>
<p>Mir reichts. Ich gehe jetzt professionelle Hilfe holen. Ich marschiere festen Schrittes ins obere Stockwerk, denn da wohnen die freundlichen Mitarbeiterinnen der Bibliothek, das weiß ich (nur zufällig). Ich flehe um Hilfe. Ich schildere meine verfahrene Situation. Ich setze meinen Hundeblick auf.</p>
<p>Und tatsächlich, ich werde erhört. Blondie und ich machen uns auf den Weg, das Buch mit der hehren Signatur 001 MEY Eng zu suchen.</p>
<p>Um es kurz zu machen: Wir finden es nicht.</p>
<p>&#8220;Ist ja komisch, dass das hier nicht ist&#8230;&#8221;</p>
<p>&#8220;Ach ja&#8230;?!&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich bin ja auch erst seit September hier&#8230;&#8221;</p>
<p>&#8220;Argh!&#8221;</p>
<p>&#8220;Was?&#8221;</p>
<p>&#8220;Nichts, nichts&#8230;&#8221;</p>
<p>Ich widerstehe dem Drang, mit meinem Kopf gegen das Regal &#8220;American Fiction&#8221; zu hämmern.</p>
<p>Wir finden immerhin das Regal &#8220;070&#8243;. Das ist dem Ziel zwar schon näher, als ich war und in meinem Leben jemals gekommen wäre, nur wirklich weiter bringt es mich nicht.</p>
<p>Nun ist es Blondie zu viel. Sie beschließt mit fester Stimme: &#8221; Ich frage jetzt Frau Wrmblmzmbl.&#8221; (Den Namen der Bibliothekswächterin habe ich bis heute nicht verstanden, obwohl ich ihn schon öfter gehört habe).</p>
<p>Frau Wrmblzmbl schaut Blondie amüsiert an. Und als Blondie fragt: &#8220;Wissen Sie, wo 001 ist?&#8221;, da sagt sie schlicht: &#8220;Ja.&#8221;</p>
<p>Und deutet auf den Zeitschriftenraum, 5 Meter Luftlinie von ihrem Schreibtisch entfernt.</p>
<p>Blondie zeigt mir noch schnell den Zeitschriftenraum und entschwindet wieder. Ich bin nun allein mit einer Horde englischer Zeitschriften in einem gut beleuchteten, wohl temperierten Raum. Jedes Buch hier trägt die Signatur 001 (die Zeitschriften sind mit einem dicken &#8220;Z&#8221; gebrandmarkt)&#8230; es ist ein bisschen wie im Himmel&#8230; sehr friedlich&#8230; nur das leise Summen und Surren der Neonleuchten&#8230;</p>
<p>Ich schnappe mir Buch 001 MEY Eng (English and American Literatures) und frage mich, wieso <span style="font-style:italic;">Bücher </span>mit der Signatur 001 im <span style="font-style:italic;">Zeitschriften</span>raum stehen. Aber das versteht wohl nur Frau Wrmblzmbl.</p>
<p>Unwort des Tages: Deutsche Ordnung.</p>
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