
Wirres Wiehern in Wien / Foto: Günter Hommes, pixelio.de
Wien! Berühmt und schön, zwar, doch manchmal schwierig zu erreichen, wie ich an anderer Stelle beschrieb.
Einmal gelandet, suche ich im Flughafen die S-Bahn. Ich folge dem internationalen Symbol für Züge, das man auch in Österreich zu verwenden scheint. Es lotst mich aus dem Flughafengebäude heraus in menschenleere Hallen und Gänge. Beklemmend sauber, das alles – geradezu geleckt! – aber trotzdem unheimlich. Außer mir ist nämlich niemand da. Nur zwei Kampfroboter, die sich als Fahrkartenautomaten verkleidet haben. Leise summend fristen sie ihr Dasein in einer gut ausgeleuchteten Ecke. Sie sehen aus, als ob sie jedem, der keine Karte kauft, sofort an die Gurgel gehen.
Überhaupt lässt sich das Selbstbewusstsein einer Stadt an der Komplexität ihrer Ticketsysteme erkennen. Je verwinkelter die Benutzerführung, desto größer der (imaginäre) Phallus der Metropole. Wien birst geradezu vor Potenz: Ah, eine Fahrkarte also, gell? Wien und Außenbezirke? Und wenn ja, welche? Oder nur in die Stadtmitte? Tageskarte? Oder einfach? Oder nur von der Bezirksgrenze in die Stadt? Oder andersherum? Oder beides? Hin und zurück? Oder wie? Weiterlesen →

Der Himmel ist grenzenlos und lädt uns ein / Foto und Text: Air Berlin
Akutes Fernweh.
Kennen Sie das? Sie sitzen irgendwo, auf einer Parkbank, im Theater, bei der Maniküre, auf Klo, in einem Sexkino – und Sie wollen auf einmal weg? Ja?
Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie hätten Geld zur Verfügung. Unendlich viel Geld. Was machen Sie dann also?
Richtig, Sie gehen ins Internet und buchen einen Flug nach, sagen wir, Kuala Lumpur.
Genau das ist mir gestern widerfahren.
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Kalte Himbeer-Progression / Foto: Thommy Weiss, pixelio.de
Die letzte Bundestagswahl ist ja nun schon ein wenig her. Ich meine mich aber zu erinnern, dass es anno 2005 einen kontroverseren Wahlkampf gab als jetzt. Will sagen: Immerhin gab es einen.
Wie sagte SPD-Obermeier Frank-Walter gestern so schön (in jedes Mikrofon, das man ihm hinhielt, und es waren viele): Er fühle sich wie ein Marathonläufer. Er sei schon mal losgelaufen, aber die anderen kommen nicht hinterher.
Tatsächlich hat Angela augenscheinlich gerade keine Lust auf Wahlkampf. Sie tritt zwar gelegentlich mal irgendwo auf und brüllt Pathetisches ins Mikrofon (“Wir müssen die kalte Progression bekämpfen…!”() ). Aber konkret wird sie nie.
Und sonst macht auch keiner mit bei Steinmeiers Wahlkampf-Marathon. Beim gelben Guido klingt sowieso alles nach Wahlkampf, und das schon seit Jahren. Die Grünen haben noch kein zündendes Thema gefunden. Die Linken konzentrieren sich gerade auf die Landtagswahlen im Saarland und Thüringen und weiß der Geier wo noch überall. Pauli ist mit Selbst-Demontage beschäftigt. Und die Piraten werden außerhalb des Internets entweder nicht wahrgenommen oder belächelt. Der einzige, der kämpft, ist Steinmeier. Das wirkt reichlich bemüht.
Aber es ist ja auch noch ein bisschen Zeit bis zur Wahl. Vielleicht braucht Angies CDU dieses Jahr einfach ein bisschen länger. Man wird ja auch nicht jünger.
Unwort des Tages: Marathon.

Für den Fall, dass der geneigte Spaziergänger es nicht merkt, schreiben die Hamburger es mal lieber dazu: Eine Treppe kann uneben sein! Passen Sie bloß auf!
Das kommt davon, wenn man nicht mehr weiß, wohin mit den Schildern…
Kennen Sie das Stadium der absoluten Verzweiflung? In einem solchen befinde ich mich derzeit. Ich fange sogar schon an, auf die Ratschläge meine Eltern zu hören. Das ist in meinem Alter total ungewöhnlich und kommt unter normalen Umständen auch eigentlich nicht vor.
Aber ich habe Schnupfen.
Ja, denken Sie jetzt, der soll sich mal nicht so anstellen.
Nein, sage ich. Ich habe Schnupfen. Wirklichen Schnupfen. Es ist, als ob meine Nase in Rekordgeschwindigkeit irgendjemanden hinterherlaufem möchte(). Sie flieht förmlich. Es ist quasi ein permanenter Ausfluss. Und das schon seit fast zwei Wochen. Weiterlesen →
Google News meldete eben, dass sich Heiko Maas, SPD-Spitzenkandidat im Saarland, mit neu gestaltetem Äußeren dem Wählervotum stellen will. Vielleicht hilft’s ja, wenn man(n) ein bisschen weiblicher aussieht.

CDU und FDP sind in Schleswig-Holstein überraschend von ihren Studiengebührenplänen abgerückt. Da das doch irgendwie gar nicht FDP-like ist, habe ich den FDP-Landtagsfraktionen anderer Bundesländer mal die entscheidende Frage gestellt: “Wie halten Sie’s mit den Studiengebühren?” Weiterlesen →

Foto: curly_exp( l)osure (Flickr)
“Der Euro sitzt wieder locker”, flötet die Tagesschau-Sprecherin aus dem Off, während eine Statistin kamerageil 50 Euro aus ihrem Portemonnaie nimmt und den gierigen Händen einer breit grinsenden Kassiererin übergibt. Die Verbraucher, so die Message des Beitrages, kaufen wieder. Vorzugsweise Unterhaltungselektronik. Aber auch alles Andere. “Es geht wieder aufwärts”, sächselt ein Senior in die ARD-Kamera.
Gut, habe ich mir gedacht. Wenn die Kollegen von ARD aktuell das meinen, dann wird es schon stimmen.
Also gehe ich in die Stadt. Weiterlesen →

(Foto: Ugo Cei)
Deutsch ist zwar eine schöne, aber auch eine ziemlich schwere Sprache. Das merkt man zum Beispiel daran, dass es bei zwei anscheinend ähnlichen Wörtern wie schwer und schwierig immer wieder Probleme in der Verwendung gibt, wie ich eben unglaublich anschaulich demonstriert habe. Und bei anscheinend und scheinbar übrigens auch.
Wenden wir uns mit Grausen von Adjektiven und Adverbien ab und den Verben zu. Wie Sie wahrscheinlich wissen, gibt’s im Deutschen zwei Grüppchen von Verben: Ost und West starke und schwache. Die werden verschieden gebeugt. Ich demonstriere Ihnen das jetzt mal:
Ein schüchternes, zurückhaltendes, unterdrücktes, leicht zu beeinflussendes schwaches Verb ist zum Beispiel kacken. Setzt man dies ins Präteritum, so heißt es: Er kackte. Weiterlesen →

Was will Willibald Wecker wirklich? Wundersam.
Ich brauche einen hellsehenden Wecker.
Es ist ja so, dass es bei diesen neuartigen Weckern mit Digitalanzeige diese erbauliche Snooze-Funktion gibt: Willibald Wecker klingelt, ich schlage ihn, er schweigt still und klingelt in fünf Minuten erneut. Sozusagen wie eine fürsorgliche Mutter() (“Oooch Mama … nur noch fünf Minuten…”). Oder auch wie ein Geschlechts- bzw. Lebensabschnittspartner (“Ey du Sau, was weckst du mich so früh? Komm in fünf Minuten noch mal wieder!”). Weiterlesen →