Kampf dem θ

Was, fragen Sie sich jetzt, ist denn bitte das da? Ein Fleck auf dem Monitor? Eine durchgestrichene Null? Eine Pille? Die Unendlichkeit in vertikal?(1)

Schauen Sie noch mal genau hin:

θ

Na, Erleuchtung gehabt? Es ist Griechisch. Und bevor Sie jetzt schreiend weglaufen: Es handelt sich hierbei zwar um den griechischen Buchstaben Theta, jedoch meine ich den Laut, den das Theta im internationalen phonetischen Alphabet symbolisiert, nämlich das englische Ti-Äitsch.

Erschreckend viele Mitbürgerinnen und Mitbürger haben eine geradezu panische Angst vor dem Ti-Äitsch. Seinetwegen vermeiden sie, wann immer möglich, Englisch zu sprechen, denn es könnte ja sein, dass man ein Wort mit diesem bösen Laut aussprechen muss. Wer sich seiner Unfähigkeit bewusst ist oder sämtliche linguistischen Bemühungen schon eingestellt hat, ignoriert das komplizierte Gezischel völlig und verwendet stattdessen überall ein weiches S. Die Folge ist ein ur-teutonischer Akzent – ein Klangerlebnis sondergleichen.

Besonders kompliziert wird es, wenn der Teutone in seinem unterstützenswerten Bemühen, in die Tiefen der Anglistik einzudringen und Namen wie den des britischen Staatsoberhauptes in der mother tongue (sprich: massa tonk) auszusprechen, auf ein Wort trifft, das beide Laute, nämlich das schön geschwungene weiche S und das gemeingefährliche θ, miteinander verbindet. Zum Beispiel der urenglische Name Elizabeth. Damit ist nicht nur die adrett gekleidete alte Dame von der Insel mit den lustigen Hüten gemeint, sondern auch – ganz aktuell – eine Stadt in Südafrika, wo zur Zeit gelegentlich ein gut besuchtes Fußballspiel stattfindet. Am Namen Elizabeth haben sich schon Generationen von deutschen Hofreportern die Zunge zerbrochen – jetzt tun es ihnen die Sportreporter nach. Erstaunlich, zu welch einer Verwirrung dieser einfache Name in einem deutschen Mundraum führt(2). Kollektiv, so habe ich das Gefühl, sagen Reporter und Kommentatoren:

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Elithebiss.

Als ob sie sagen wollten: Ihr wisst schon, was gemeint ist, frickelt’s euch halt selbst zurecht.

Man muss aber auf der anderen Seite auch sagen, dass das θ ein ziemlich ungwöhnlicher Laut ist. Wie kommt man eigentlich auf sowas? War es in England möglicherweise einst Mode, die Zunge zwischen die Zähne zu stecken? Waren die Zungen der alten Briten möglicherweise länger, so dass sie geθwungen waren, S-Laute so auszusprechen? Oder hat sich einfach nur mal irgendein einflussreicher Engländer derart auf die Zunge gebissen, dass er nie wieder ordentlich reden konnte und seine follower ((Huch, wie modern!)) haben es ihm nachgemacht?

Mit θicherheit gibt es darauf eine etymologische Antwort(3). Aber die ist langweilig.

Unwort des Tages: North Cothelstone Hall.



  1. Mathematikerwitz. []
  2. besser Mund- als Strafraum… []
  3. Ich bin ein serviceorientierter Blogger: Bitteschön. []
Geschrieben am 26. Juni 2010 in Unistress, Unübersehbar

13 Kommentare zu „ Kampf dem θ

  1. ich frag mich ja immer, warum manche leute das th einfach nicht korrekt aussprechen können. nichts vermasselt einigermaßen korrektes englisch mehr als diese unfähigkeit.

  2. Timo :

    Für alle, die Zungentraining machen wollen, gibt es den Text unter http://www.brigittewiechmann.de/kalender/nov/12nov.html ;-)

  3. Seit einer Weile ist mein Nebenfach Anglsitik, ich musste hier also besonders kichern :D

  4. Basti :

    @angstpop: Wenn man’s nicht gewohnt ist, ist es schon schwierig, musst du zugeben! Und der Laut kommt ja bei uns auch so verflixt selten vor…

    @Timo: Ähh ja, danke. Ich habe versagt, als ich den Text vorlesen wollte eben, ich gebe es zu.

    @Maike: Anglistik?! Das war aber nicht der Plan, soweit ich weiß! Aber gut, ich bin auch nicht mehr auf dem neuesten Stand…
    Aber was für ein Zufall – ich mache das auch ;-)

  5. Es ist doch ganz einfach auszusprechen: So wie beim Wort liθbeln.

  6. ich hatte leider gehofft, deinem zuvorkommenden bloggen das wissen über die herkunft des theta in der aussprache der englischen sprache zu verdanken, aber dem war ja leider nicht so :( – das wort etymologie kannte ich schon ;). hast du da aber vielleicht ‘ne ahnung über die herkunft? trotzdem danke für diesen amüsanten artikel :D!

  7. Karry :

    ich könnte dir zudem sagen, dass eine phonetisch korrekte aussprache des griechischen es auch nötig macht, theta als “th” zu sprechen :D (was aber in teutonischen sprachraum wenigstens in altgriechisch kein mir bekannter mensch tut , weil man sich spätestens bei der rezitation homerischer hexamater astrein die zunge abbeißt :D

  8. Basti :

    @rebhuhn: Das th im Englischen, wo kommt es her – gute Frage. Nein, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass die ollen Germanen auch schon ein th hatten (wie auch immer sie es aussprachen…), also vielleicht angelsächsischer Einfluss…? Aber das ist ins Blaue geschossen.

    @Karry: Äh danke für den Hinweis auf das Griechische, das ich ja so liebe, wie du weißt…

  9. haweka :

    ich habe da die gnade des frühergeborenen. mit freude erinnere ich die mithglückten verthuche der damaligen radio- und fernthemoderatoren, ein einwandfreies th auszusprechen. watt hebbt wi lacht. täglich.

  10. @haweka
    ‘watt hebbt wi lacht’ ist aber mal astreines norddeutsch/platt. ich komme aus oldenburg – und du? :)

  11. Als Journalistin und Sprachwissenschaftlerin – zwar Romanistin und nicht Anglistin – habe ich diesen Artikel natürlich mit Begeisterung gelesen!
    Danke dafür!

    Und sonst: Mir gefällt Dein Blog sehr gut, ich schau künftig öfter vorbei.

    Herzliche Grüße,
    Coralita

  12. Jenni :

    Ich weiß es ist eh alles zu spät und so und hilft wahrscheinlich auch keinem weiter, aber die alten Isländer, die hatten sowas auch schon ^^ schrieb sich da auch viel toller ð und so þ nämlich ^^ je nach Härtegrad *rrr* ähä … ja nur so als Klugscheißerei am Rande und weil ich hier schon ewig nix mehr geschrieben hab

  13. Basti :

    Äh ja, danke Jenni! Und schön, dass es dich noch gibt! Aber was ist mit deiner Homepage passiert? ;-)

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