Gesetzliche Krankenkassen sind im Allgemeinen nicht für ihren Humor bekannt. Ich bin also sozusagen ein Wunderkind, denn ich habe neulich einen witzigen Brief von der AOK bekommen.
“Sehr geehrter Herr Kruse“, heißt es da. “Wie Sie wissen, bietet Ihnen Ihre AOK Schleswig-Holstein starke Leistungen.”
Das ist mir zwar neu, aber wenn es da steht, muss es wohl so sein.
“Für einige dieser Leistungen verlangt der Gesetzgeber vom Versicherten Eigenanteile.”
Da hat sich aber ein AOK-Pädagoge viele Gedanken darüber gemacht, wie man diesen Geldeintreiber-Brief so formulieren kann, dass der Kunde nicht austickt. Dieser Satz sagt mir, dass nicht etwa die AOK mein Geld will, weil sie schlecht kalkuliert hat oder ihren Bürohengsten zu viel Geld bezahlt – oh nein! Der Gesetzgeber ist Schuld, denn der hat ja bestimmt, dass der Versicherte einen Eigenanteil bezahlen soll. Ist ja ganz klar.
“Sie haben von uns solche Leistungen erhalten: Rettungsfahrt vom 26.10.2009 bis 26.10.2009, Höhe der Leistung: 743,42 EUR, Eigenanteil: 10 EUR”
Wie gnädig, dass man für so eine gigantische Rettungsfahrt im Wert von über 700 Euro nur 10 Euro selbst zahlen muss. Trotzdem habe ich noch eine Frage an die AOK. Deswegen rufe ich bei meiner persönlichen Ansprechpartnerin an – nennen wir sie Frau Schlumpf.
“AOK Schleswig-Holstein mein Name ist Sabine Schlumpf was kann ich für Sie tun”, schnarrt Frau Schlumpf nach der obligatorischen Blingblingbling, herzlich willkommen bei der AOK-Warteschleife ins Telefon.
“Schönen guten Tag, Frau Schlumpf, Kruse, mein Name. Ich rufe an, weil ich von Ihnen einen witzigen Brief bekommen habe.”
Am anderen Ende der Leitung herrscht Stille. Frau Schlumpf hält mich wohl für übergeschnappt.
Dann: “Einen witzigen Brief?!”
“Ja, Sie haben mir eine Krankenwagenfahrt im Oktober 2009 in Rechnung gestellt. Ich bin aber leider gar nicht mit dem Krankenwagen gefahren. Ich bin sozusagen noch nie mit einem Krankenwagen gefahren. Nicht mal auf dem Beifahrersitz.”
“Oh äh. Geben Sie mir doch mal Ihre Versichertennummer, Ihren Nachnamen und Ihre Blutgruppe…”
Ich tue wie vorgeschrieben.
“Und Sie sind sich sicher, dass Sie letztes Jahr im Oktober nicht…?” Frau Schlumpf zweifelt.
“Ja. Ich denke, ich würde mich daran erinnern.” Mein Gedächtnis ist zwar total löchrig, aber ich bin mir trotzdem sicher, dass ich nicht mit der Ambulanz abtransportiert wurde.
“Dann gebe ich das jetzt mal so in den Computer ein…”
“Hören Sie, Frau Schlumpf, ich könnte das auch einfach bezahlen und dann habe ich eine Fahrt im Krankenwagen gut bei Ihnen? Ich hätte Freitag noch Zeit, da könnte man doch ‘ne kleine Spritztour machen…”
Ein Wunder geschieht: Frau Schlumpf lacht. Da hat der Personaler aber einen gewaltigen Fehler gemacht. Ich werde einen Beschwerdebrief schreiben. Humor auf der Arbeit geht ja mal gar nicht.
“Nein, Herr Kruse, das geht leider nicht, haha!”
Ich nicke verständnisvoll durchs Telefon.
Frau Schlumpf versichert mir, dass die AOK mir keinen Gerichtsvollzieher auf den Hals hetzt, weil ich meine 10 Euro für die Rettungsfahrt nicht bezahlt habe. Ich glaube ihr. Man wird sehen, ob das ein Fehler war.
Unwort des Tages: Freifahrt im Krankenwagen

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Am Besten fand ich “Humor auf der Arbeit geht ja mal gar nicht.” .. da musste ich dann doch lachen .. hoffe, Humor zu Hause ist genehmigt ;)
lg
Ich lachte. Dachte schon, Du hattest Dich ins Koma getrunken … ^^
wenn du die 10 teuros bezahlt und dir hättest gut schreiben lassen für eine in der zukunft liegende fahrt. bei einer nicht unwarscheinlichen zukünftigen inflation wäre das doch eine interessante geldanlage.
es grüßt die finanzpolitische hirnhälfte von haweka
@Stefan: Ich trinke nicht. Glaub mir das doch mal!!! ;-)
@haweka: Grüße an die finanzpolitische Hirnhälfte. Sowas will ich auch haben, klingt total praktisch…
Haha, das ist ja total herrlich^^
Der Geldmangel der Krankenkassen ist wohl schon so groß, dass sie sich sowas ausdenken müssen.