
Welch wunderlicher Vulkan / Foto: Daniel Kempken, pixelio.de
Irgendwie kann man ja auch verstehen, dass dem Eyjafjallajökull nach fast 200 stillen, friedfertigen Jahren der Kragen platzt. Stellen Sie sich nur mal die unglaublichen Kräfte vor, die dieses kleine Berglein im Schach halten musste, damit das friedliche Volk der Isländer ungestört der Entwicklung seiner eigentümlichen Sprache frönen konnte! Und jetzt auch noch die Finanzkrise! Island, entblößt vor aller Welt!(1) Da kann man schon mal durchdrehen. Das müssen wir verstehen.
Eyjafjallajökull entschloss sich aus Frust dazu, eine Aschewolke 7000 Meter hoch in den schönen isländischen Himmel zu spucken. Quasi als Signal an die Welt: Seht her, ich bin unzufrieden. Das war gar nicht mal böse gemeint – zu subtileren Meinungsäußerungen ist ein 1666-Meter-Berg nun mal nicht in der Lage.
So ein Berg, zumal mit einem hirnunterkühlenden Gletscher obendrauf, kann ja nicht vorhersehen, dass sein Frustprodukt Aschewolke dazu führt, dass Europa eine Woche durchdreht, keine Flugzeuge mehr fliegen dürfen, ein wirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe entsteht, Ramsauer sich mit der Lufthansa zankt und ein jeder in Europa auf einmal den Namen Eyjafjallajökull kennt(2). Und kann man es ihm verdenken, wenn es ihm gefällt? Ihm, dem handelsüblichen isländischen Vulkan, der nach 800 000 langweiligen Jahren auf einmal merkt, wie viel Macht er über diese komischen kleinen Wesen hat, die ständig in den Pfützen an seiner Flanke baden?
Endlich ist Island wieder wer! Die Welt schaut nicht mehr zornerfüllt nach Rejkjavik wie noch zu Zeiten der Finanzkrise, sondern vielmehr ängstlich in den Himmel. Der Eyjafjallajökull ist demzufolge ein patriotischer Vulkan. Ein Berg mit Nationalbewusstsein. Gestein mit Gedächtnis.
Eyjafjallajökull hat augenscheinlich Gefallen daran gefunden, uns arme Europäer mit seinen Ausscheidungen zu piesacken. Nun sind Geologen mit dem Fachergänzungskurs Psychologie gefragt(3) – sie müssen dem Berg klarmachen, dass es so nicht weitergehen kann. All dies muss ein Ende haben. Sie müssen sich mit dem Vulkan auf einen Gesprächsort und eine Zeit einigen(4) und sich mit ihm an einen Tisch setzen. Die Geologen müssen auch auf die Sorgen des Berges eingehen. Sie müssen den Eyjafjallajökull fördern, aber auch fordern. Das funktioniert eigentlich immer.
Bis diese Gespräche zu einem Ergebnis gekommen sind (das kann dauern, denn Berge sprechen, ähnlich wie Wanderdünen, sehr langsam), müssen wir, wenn wir fliegen wollen, noch mehr beten als ohnehin schon. Und in Anbetracht der Tatsache, dass die Aschewolke über Europa ja unglaublich dick und undurchdringlich zu sein scheint, müssen wir uns auch über Einschränkungen des Straßenverkehrs Gedanken machen. Ich empfehle dafür folgende neue Verkehrszeichen:
![]() Sichtbehinderungen durch Vulkanausbruch mit Aschewolke |
![]() Sichtbehinderungen durch Vulkanausbruch mit Aschewolke täglich gegen 13 Uhr |
Unwort des Tages: Vulkanasche.



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Wenn ich groß bin, werde ich auch mal Vulkan.
PS: Schonmal aufgefallen, dass “Vulkan” und “Orkan” auch türkische Namen sein könnten?
Du hast Gefallen daran gefunden, den Namen dieses niedlichen Gebildes auszuschreiben, oder? :D
@Moritz: Vulkan und Orkan sind türkische Namen!
@Nina: Ich habe es kopiert und immer wieder eingefügt :-)
was wären wir ohne island?
ich finde den namen dieses vulkans viel schwerer auszusprechen, als die stammformen von manchem altgriechischen verb…vll sollte ich isländisch lernen :D
Griechisch! Argh!