Das Unwort

Unseriöse, unerhört unpolitische Ungereimtheiten

 
 
 
 

Willkommen in der EU! Eine Wien-Expedition. Teil 2

Den ersten Teil der Wien-Expedition finden Sie hier.

Der Wiener Konditor hat selbstverständlich eine Menge unverständlicher und unaussprechlicher Namen für die vielen leckeren Dinge, die er da fabriziert. Konnte mir leider nix davon merken. Habe es aber trotz unüberhörbarem norddeutschem Akzent geschafft, mir ein Schoko-Vanille-Croissant zu bestellen, freilich, ohne diesen Namen zu verwenden. Weil auf dem Schild irgendwas Eigentümliches, Unaussprechliches stand,  sprach ich zum Bäckereifachverkäufer: “Ich hätte gern so ein Schoko-Vanille-Dingens da.” Er schaute mich an, als ob ich vom Planeten Melmak käme, packte aber brav das Dingens ein. Später klärte man mich auf: Der Österreicher kennt das hilfreiche Wort “Dingens” nicht. Daher der Blick.

Hoffe ich zumindest.

Beruhigend ist: Auch in Wien gibt es die traditionellen Verkäufer von Obdachlosenzeitungen. Doch auch daran kann man das Wesen einer Stadt ablesen: In Itzehoe, meiner alten Heimat, steht der Verkäufer immer an derselben Stelle der Winz-Fußgängerzone und trällert mit immer derselben Betonung folgendes Liedchen, und das seit 20 Jahren:

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Itzehoe ist eben eine aufstrebende Stadt. Das Leben pulsiert, man will nach oben. Da geht noch was. Da will man noch was.

In Kiel sind die Verkäufer schweigsam und unaufdringlich. Kiel muss sich nichts mehr beweisen, es ist sich seiner Nichtigkeit bewusst.

In Wien trabt in einem schönen Kaffeehaus ein riesiger Mann mit einem lila Hemd und grauem Vollbart auf uns zu, die Zeitung “Uhudler” in der Hand. Seelenruhig stellt er sich zu uns an den Tisch. Hinter seinem Vollbart quillt nun ein Monolog über die Vorzüge seiner Zeitung hervor; außerdem beschreibt er deren Inhalt bis ins Detail. Wie gut doch die Seite 21 sei. Da solle man mal reinschauen. Die folgenden Seiten lauthals preisend, schaut er grinsend in die Runde. Wir regen uns nicht – der erhoffte Effekt tritt nicht ein, denn der Waldschrat ist immer noch da. Erst das dritte “Nein, danke” bringt ihn zu der finalen Erkenntnis, dass wir den Uhudler trotz der famos gelayouteten Seite 21 nicht wollen.

Obwohl die Österreicher gemeinhin ein äußerst gutes Benehmen an den Tag legen, stieß ich in Wien auf ein etwas befremdliches Schild:

Würstelsalon

Offensichtlich hatte hier ein findiger Stadtmanager die Idee, den öffentlichen Toiletten bemerkenswerte Eigennamen zu verpassen. Damit sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Tja – hat geklappt.

5 Kommentare zu “Willkommen in der EU! Eine Wien-Expedition. Teil 2”

  1. 1
    Locke:

    Würstel Salon = WC…
    Mein lieber Herr Gesangsverein.
    Es braucht schon ein ziemlich krankes Hirn um davon auf das zu schließen (JA, dieser Satz soll so!)

    Ich hab gelacht. Viel und laut. Mir wäre das gleiche durch den Kopf gegangen xD

  2. 2
    haweka:

    …natürlich schreit ein solches bild nach einem kommentar. also will ich auch noch meinen senf dazugeben. auch ich habe herzhaft lachen müssen ob dieser assoziation. allerdings. seitdem habe ich ein komisches gefühl beim verspeisen von würstel. bist du etwa ein verkappter radikaler vegetarier? ich hoffe doch nicht!

  3. 3
    KK:

    Der Hinz und Kunz Verkäufer (konnte den Spruch einwandfrei mitsingen, obwohl er, im Gegesantz zu Dir, deutlich enthusiastischer war!) ist übrigens inzwischen nicht mehr da. Wahrscheinlich ist er, ob der guten Verkaufszahlen, inzwischen mitsamt seinem Hund nicht mehr obdachlos – oder ihm gefällt die Fußgängerzone einfach nicht mehr. Statt Kloppi ist da nämlich plötzlich ein hochmodernes, barrierefreies Schuhgeschäft. Ja wo soll man denn da mal eben schnell zwischendrin was Leckeres kaufen? Für den Hund, natürlich ;-)

  4. 4
    Karry:

    Ich wusste ja schon immer, dass die Österreicher ein bisschen anders ticken…spätestens seit dem Moment, seit ich merkte, dass sie die deutsche Aussprache von “Fels” als “Filz” verstehen…

  5. 5
    sinahawk:

    Duhuuu Basti! Hättste doch was gesagt, ich hab doch n Wienerisch-Büchlein daheim! Ich hätt’s dir sogar geborgt! Das Ding (Ding sagt man ja nicht mehr) ist nämlich: Ich werd da vermutlich studieren, denn es ist schließlich meine Lieblingsstadt. Ok zweitliebste. Vorher Pretoria. Aber dann Wien. Lieblingsstadt zum Leben, geh!

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