Das Unwort

Unseriöse, unerhört unpolitische Ungereimtheiten

 
 
 
 

Kampf den Körperflüssigkeiten

Kennen Sie das Stadium der absoluten Verzweiflung? In einem solchen befinde ich mich derzeit. Ich fange sogar schon an, auf die Ratschläge meine Eltern zu hören. Das ist in meinem Alter total ungewöhnlich und kommt unter normalen Umständen auch eigentlich nicht vor.

Aber ich habe Schnupfen.

Ja, denken Sie jetzt, der soll sich mal nicht so anstellen.

Nein, sage ich. Ich habe Schnupfen. Wirklichen Schnupfen. Es ist, als ob meine Nase in Rekordgeschwindigkeit irgendjemanden hinterherlaufem möchte(1). Sie flieht förmlich. Es ist quasi ein permanenter Ausfluss. Und das schon seit fast zwei Wochen.

Ich habe heute zwei komplette Klopapierrollen verbraucht, nur, um meine Körperflüssigkeiten darin unterzubringen. Und nein, dies ist ein ausschließlich nasenbezogener Text, es handelt sich also nur um Nasensekret, liebe Pornosuchende.

Heute wurde es selbst mir zu bunt. Ich beschloss, einem Ratschlag zu folgen, den mir meine Mutter einst gab: “Kind”, so sprach sie fernmündlich und ich konnte förmlich ihren besorgten Blick spüren, “Kind, wenn du Schnupfen hast, mache eine Nasenspülung! Das hilft!”

“Ja, mach’ ich dann mal”, pflegte ich stets zu antworten, wohl wissend, dass eine Nasenspülung in der Reihe meiner Anti-Krankheitsmaßnahmen nur knapp vor der Darmspiegelung rangierte.

Heute habe ich über Nasenspülung recherchiert und stieß auf eine Seite, die die Nasenspülung als Teil traditioneller Yogaübungen (“Neti”) preist und eloquent beschreibt, wie toll sich das doch alles anfühlt und wie nachhaltig durch die Nasenspülung die Welt zu einem besseren Ort wird. Dabei finden sich lustige, aber auch leicht verstörende Bilder wie dieses hier, auf dem sich eine junge Frau lustvoll ein blaues Kännchen in die Nase schiebt und kräftig durchspült. Dabei grinst sie nahezu unwiderstehlich.

Die Seite schlägt folgendes Vorgehen vor:

Du hälst die Kanne in der einen Hand und setzt die Tülle in ein Nasenloch, so daß sie dicht schließt. Dann beugst Du Dich nach vorne, öffnest den Mund und drehst den Kopf leicht zur Seite. Jetzt läuft das Wasser von selbst herein durch das eine Nasenloch und heraus durch das andere. Atme entspannt durch den Mund. Wenn die Hälfte des Wassers durch das eine Nasenloch gelaufen ist, bläst Du vorsichtig eventuell verbleibendes Wasser und Schleim heraus.

Das klingt alles sehr unbequem, fand ich. Ich habe es aber trotzdem gemacht.

Und ich muss sagen, es fühlte sich so an, als würde ein kundiger Ägypter auf traditionelle Weise mein Gehirn mit einem Haken durch die Nase nach draußen ziehen(2).  Danach hatte ich eine halb-freie Nase, fühlte mich aber wie nach einem Verkehrsunfall mit Todesfolge und anschließender Obduktion. Nicht gerade angenehm.

Ziehen wir ein verschnupftes Fazit: Die Welt ist immer noch genau so ungerecht wie vorher, ich bin weder schnupfenfrei noch erleuchtet. Aber schlimmer isses nun auch nicht. Neti, die Nasenspülung, scheint wohl so zu wirken wie Homöopathie. Nämlich tendenziell irgendwie nicht, aber manchmal auch schon. Man muss nur dran glauben.

Unwort des Tages: Ägypter.



  1. Jackson-Kalauer bieten sich an, ich lehne dankend ab []
  2. So haben die das nämlich bei den Mumien immer gemacht, damals. Also, bevor die Mumien zu Mumien wurden. Sie wissen schon. []

17 Kommentare zu “Kampf den Körperflüssigkeiten”

  1. 1
    Moritz:

    Ich bin ja für “Unwort des Tages: Nase” …das ist viel dingsiger als Ägypter. Ägypter. Is doch langweilig :-D

  2. 2
    Basti:

    Ich wollte den Ägypter, weil ich das Gefühl des Enthirnens in den Vordergrund stellen wollte und nicht die Nase itself. You know?^^

  3. 3
    rebhuhn:

    der satz mit der (2) ist hammermäßig gelungen – ich hab laut aufgelacht ;).. ich glaube übrigens, daß man das täglich/regelmäßig machen muß, um erfolg zu haben. [sagte die, die so etwas noch nie über sich ergehen lassen hat. ^^]

  4. 4
    Aro:

    Peinlich, aber bei dem verlinkten Foto habe ich als erstes gedacht: “Ziemlich blond, die Dame, sie hält es zu hoch”. Aber hier gehts ja um Nasenspülung. Und bevor ich mich endgültig ins Nirvana manövriere, höre ich lieber auf zu schreiben.

  5. 5
    Basti:

    @rebhuhn: Täglich?? Ich gebe zu, als ich heute aus der Redaktion nach Hause fuhr, hatte ich mir auch fest vorgenommen, heute noch mal ordentlich zu spülen. Ich habe es aber dann doch gelassen. Der Gedanke an Ägypter macht mich schaudern…

    @Aro: Zu spät.^^

  6. 6
    lexxa:

    Und wieder mal ein Dankeschön für diese erheiternde Abendlektüre. Und dir noch alles Liebe und gute Besserung!

  7. 7
    Basti:

    Danke, lexxa… Heut isses auch schon ein wenig besser…

  8. 8
    aHeadwork » Blog Archive » Blog-Tipp:

    [...] Gerade gefunden und beim Lesen eine zeitlang amüsiert vor mich hingelächelt. Diesem Blog, das Unwort genannt, wird hiermit die Ehre zuteil, einen Platz in meiner Blogroll zu bekommen. Herzlichen Glückwunsch. : ) Auf dass du es lange dort schaffen wirst. [...]

  9. 9
    rebhuhn:

    in meine auserwählte bestenliste bist ‘du’ auch vor ein paar tagen aufgenommen worden, basti :) [nur der vollständigkeit halber.]

  10. 10
    haweka:

    Lieber verschnupfter Basti,
    ein kleiner Tip(alte Schreibweise): eine Schüssel heißen
    Wassers, Kopf drüber und über allem ein großes Handtuch.
    Das ca. 10-20min, 3x täglich.
    Danach hast Du erstmal ein Gefühl, als kämest Du gerade aus
    dem Backofen. Bäcker statt Ägypter. Aber hilft.
    Gute Besserung
    haweka

  11. 11
    Basti:

    @rebhuhn: Danke für die Aufnahme in die Blogroll!

    @haweka: Danke für den Tipp, hatte ich vorher schon gemacht. Hilft normalerweise immer, dieses Mal komischerweise nicht. Aber nun ist es ohnehin schon besser…

  12. 12
    Moonica:

    @rebhuhn Ich favorisiere den Satz danach.

    Basti wünsche ich eine gute Besserung. Hoffe du frisst tonnenweise Sinupret…

  13. 13
    rebhuhn:

    @Moonica
    ja, der ist auch nicht schlecht, aber der erste kam so aus dem nichts ;)

  14. 14
    Johanna:

    Und was machen wir mit dem Schweiß? :)

  15. 15
    Basti:

    (Johanna wurde für diesen Kommentar bezahlt und konnte sich deshalb aus Zeitmangel nichts Intelligenteres ausdenken.)

  16. 16
    Springmaus:

    Oh man Basti.
    Amüsiere mich köstlich regelmäßig über deine Artikel und muss dir ehrlich sagen, dass die kleinen Hindernisse dieser Welt, in ein nahezu weltklassiges Licht gerückt werden. :)

  17. 17
    Basti:

    Dankeschön! :-)

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Bastian Kruse hat am gleichen Tag Geburtstag wie Martin Walser, Steve McQueen, Roland Koch und Nena. Geboren ist er im Gegensatz zu Vorigen im Jahre 1986 in den unendlich flachen Weiten Schleswig-Holsteins. Diese Weiten hat er bisher auch noch niemals für längere Zeit verlassen, und so wird er beim Anblick eines Berges jedes Mal von der Panik erfüllt, der Himmel könnte ihm auf den Kopf fallen.
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