Gulasch für Horst und Blumen für die Herde

Lecker Gulasch!

Lecker Gulasch! / Foto: Markus Merz

Am Samstag hat die Bundesversammlung mal wieder unseren Lieblingshorst zum Köhler Bundespräsidenten gemacht. So ganz glatt lief die hochoffizielle Prozedur aber nicht ab… irgendwer hatte da hinter den Kulissen schon mal vorsorglich zu viel Alkohol zu sich genommen (denn schließlich war ja auch letzter Bundesliga-Spieltag, öööööööiiii!!!!) und ließ sich durch die Pädagogik zu einem großen Fehler verleiten. Und das kam so:

Irgendwann kurz vor der Mittagszeit sperrten die Bundestagsangestellten 1224 Wahlmänner und -frauen in den Plenarsaal des Bundestages ein (eigentlich waren es nur 1223, denn einer hatte lieber einen Herzinfarkt und konnte deswegen nicht kommen). Dazu kamen der Norbert, seines Zeichens Präsident des Bundestages, und eine Horde Gäste auf den Besuchertribüne.

Nachdem also Norbert eine erquickliche Rede gehalten und die Bundesversammlung einige sinnbefreite Geschäftsordnungsanträge der vier armseligen rechten Wahlmänner abgelehnt hatte, begann die laaange Wahlprozedur, zu der jeder der 1224, nein 1223, Anwesenden einzeln aufgerufen wurde. Horst wurde das zu langweilig und er floh aufs Schloss  Bellevue, lecker Mittag essen, denn seine Köche hatten gar feines Gulasch gekocht. Mit Sahnehaube.

Ich weiß, was Sie denken. Ich mag es auch nicht. Aber wir haben eben für so etwas keinen Sinn, Sie und ich. Wir sind ja nur Burger Bürger.

Ein paar Stunden später waren alle Stimmen gezählt und gefühlte fünf Millionen Menschen von gefühlten fünf Dutzend Reportern interviewt worden. Die Wahlherde wurde wieder eingesperrt und wartete nun auf das finale Lamm, den Norbert, der das Ergebnis verkündigen sollte. Norbert aber stand belämmert draußen vor der Tür und wartete seinerseits auf Horst, der ja gerade in Bellevue Gulasch aß. Mit Sahnehaube.

Die Wahlherde scharrte schon mit den Hufen. Wolfgang, der mal Norberts Job gehabt hatte, sprach schon mit Oskar, der mal Franzens Job hatte, so langweilig war ihm. Ulla schlief. Ursula lackierte Fingernägel, nämlich die von Wolfgang, denn der konnte nicht fliehen.

Nun hatte irgend ein pädagogischer Bundestagsangestellter die zündende Idee, man könne doch schon mal die fünfköpfige Bläsergruppe hineinschicken, die nach der Verkündigung des Wahlergebnisses die Nationalhymne spielen sollte, damit sich die arme Wahlherde nicht so langweilt.  Im Übrigen bekommen die Fraktionsvorsitzenden ja auch nach der Wahl immer Blumen, und die könnte man ja eigentlich auch schon mal reinschicken. Das erzeugt immer so eine tolle Stimmung, wenn Blumen überreicht werden… hach…

Und so enterten mit gigantischen Blasinstrumenten beladene Musiker den Plenarsaal, sehr zum Erstaunen der Wahlherde und auch der Weltpresse. Ihnen folgten einige verwirrt aussehende Bundestags-Damen mit überdimensionierten Blumensträußen. Die meisten machten nach zehn Schritten unverrichteter Dinge wieder kehrt, vielleicht ahnten sie, was sie da taten. Zwei Blumensträuße jedoch erreichten ihr Ziel: Oskar und Peter wurden beschenkt, bedankten sich artig und versteckten das Gestrüpp flugs unter ihren Tischen, in der Hoffnung, dass 1221 Abgeordnete und einige Hunderttausend Fernsehzuschauer vielleicht gerade nicht hingeguckt hatten oder alle temporär erblindet waren.

Denn was der Bundestagspädagoge in seinem Delirium nicht bedacht hatte, war, dass ja noch niemand das Wahlergebnis kannte und bisher noch alle davon ausgingen, dass ein zweiter Wahlgang möglich ist. Bläser und Blumen teilten der Welt und den Abgeordneten mit, dass schon der erste Wahlgang erfolgreich war. Und das hieß: Horst ist gewählt. Prompt standen dann die CDUler und FDPler auf und applaudierten für Horst, der von alldem nichts mitbekam und gerade vom Gulasch-Tisch in Bellevue aufstand. Norbert, dem vor der Tür langsam kalt wurde, hatte ihn nämlich angerufen.

Horst sprang nun dynamisch in seine Limousine, blieb aber im Berliner Verkehr stecken. Möglicherweise hat er nun das erste Mal in seinem Leben herzhaft geflucht – wahrscheinlich aber deswegen, weil er den Nachtisch in Bellevue nicht mehr essen konnte. Lecker Schokopudding. Mit Sahnehaube.

Horst kam aber zum Glück irgendwann doch noch an, ging mit Norbert in den Plenarsaal und nahm seine Wahl zum Bundeshorst an (oh, Überraschung!). Dann wurde die Nationalhymne gesungen (oh, Überraschung!) und die Fraktionsvorsitzenden bekamen Blumensträuße (oh, Überraschung!) beziehungsweise holten ihre Blumensträuße unter den Tischen hervor.

Ich hoffe, dass die Protokollmenschen des Bundestages ihre Pädagogen zukünftig an eine etwas kürzere Leine nehmen. Das mutete doch zwischenzeitlich etwas seltsam an, das alles…

Aber egal. Glückwunsch, Horst. Mit Sahnehaube.

Unwort des Tages: Pädagoge.

Geschrieben am 25. Mai 2009 in Unparteiisch, Unübersehbar

4 Kommentare zu „ Gulasch für Horst und Blumen für die Herde

  1. Detailliert, als wärst du da gewesen! ;-) Ansonsten auch von mir nochmal: Glückwunsch, ohne Sahnehaube!

  2. Basti :

    Ich war da! Aber ich hatte mich verkleidet… Ich war die mit den langen blonden Haaren, die als letzte geschnallt hat, dass sie den Blumenstrauß doch noch nicht überreichen soll!

    Das war natürlich alles nur Tarnung…

  3. Wahrlich eine perfekte Tarnung!!

  4. Mal wieder sehr schön geschrieben Basti, das kannst nur du so bebildert :D Und seien wir mal ehrlich, eigentlich will man auch gar nicht wissen, was in Politikerkreisen die restlichen 364 Tage läuft.

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