Die Unwort-Enzyklopädie: Redebonus, der

Redebonus, der. Im Geflecht verwobener und unübersichtlicher Beziehungsstränge zw. geschlechtsreifem Mann und geschlechtsreifer Frau in etwa gleichen Alters, die jedoch nicht in einer Beziehung leben, ist der R. diejenige positive Gefühlsregung der Frau dem Mann gegenüber, die aus einer eventuellen Diskurs- und Diskussionsbereitschaft des Mannes resultiert.
Die bei etwa 5,8% der Männer vorhandene Bereitschaft, mit Frauen, zu denen sie meist in einem persönlichen Verhältnis wie beispielsweise Freundschaft stehen, über deren Probleme meist zwischenmenschlicher oder psychologischer, seltener auch gesundheitlicher oder finanzieller Art zu reden, hat bei 95% der Frauen den R., ein wissenschaftl. nicht fundiert erklärbares Gefühl der Dankbarkeit oder gar der Nähe zum Mann,  zur Folge.
Ein sicheres Zeichen für das Auftreten des R. sind folgende Schlüsselsätze der Frau:
„Ach Mensch [oder vergleichbare Interjektion], [Name des Mannes]! Mit dir kann man/ich sich/mich ja so gut unterhalten!“
Befindet sich die Frau in einer festen Beziehung, findet auch der Zusatz „Viel besser als mit [Name des Geschlechtspartners]. Der ist immer so beschäftigt/schweigsam/uninteressiert/[ähnlich negativ konnotiertes Adjektiv]“ Verwendung.
Wird über ernsthafte Probleme gesprochen oder kam es im Laufe des Gesprächs zu emotionalen Ausbrüchen in Form von Wein- oder Schreikrämpfen oder zu mutwilliger Sachbeschädigung, so fügen 46% der Frauen hinzu: „Danke, dass du mir zuhörst“ in etlichen Betonungsvarianten; selten wird hier das Verb nominalisiert: „Danke für’s Zuhören.“
Auch wenn das Auftreten des R. nahezu immer eine Intensivierung des Verhältnisses von Mann und Frau zur Folge hat, so ist diese in 89% der Fälle nur von kurzer Dauer. Bemerkenswert ist dabei, dass der R. in 93% der Fälle, in denen die Verhältnisintensivierung nur von kurzer Dauer war, nur für die Dauer von bis zu zwölf Stunden (also gemeinhin „über Nacht“) eine deutlich zu verzeichnende Hinwendung der Frau zum Mann zur Folge hatte.
In 11% der Fälle von R. führt dieser zur fortschreitenden Unterminierung des Vertrauensverhältnisses zwischen der Frau und ihrem Geschlechtspartner (falls vorhanden).
Geschlechtsreife Männer mit dem Wissen um die Existenz des R., dessen Komplexität sie allerdings oftmals nicht begreifen, unterliegen häufig dem Trugschluss, aus dem R. resultierten neue Geschlechtspartnerschaften. Dies wird jedoch durch den natürlichen Drang der Frau verhindert, sich denjenigen Geschlechtspartner auszusuchen, mit dem ihnen eine andauernde fruchtbare Konversation nicht möglich ist (–> finaler femininer Auswahlfehler).
|| Literatur: Assig, Horst: Wort und Frau. Eine Beziehungsgeschichte. Wuppertal ³1995. | Cock, Carl: Fair Is Foul and Foul Is Fair – Mood Swings in Contemporary Womanhood. Newton Poppleford 2002. | Grunz, Gertrud: Redebonus – Mythos und Wirklichkeit. Pirmasens 1999. | Kurvig, Elena: Männer haben ohnehin keine Ahnung. Worms 1968, zugl. Diss. Univ. Duisburg | Nimsie, Uwe u. Jadoch, Stanislaw: Was will sie wohl? Ein Versuch. Berlin 2005. | Przewalski, Piotr: Życzę Tobie przede wszystkim dużo żartu. Gorzów Wielkopolski 1993.

Geschrieben am 16. Mai 2009 in Unübersehbar

9 Kommentare zu „ Die Unwort-Enzyklopädie: Redebonus, der

  1. Konna :

    Im Klartext: Redebonus ist für’n Arsch, wenn man ein Mann ist. ;)

  2. Locke :

    Du verstehst das falsch :D
    Redebonus ist erst 12h nach seiner Erscheinung fürn Arsch, da seine positiven Nebeneffekte dann langsam ausklingen.

  3. Aro :

    also nichts anderes als ne droge

  4. mist, ist dir klar, dass du hiermit essentielle geheimnisse der menschheit einfachso ausplauderst, indem du diesen höchst aufsschlussreichen und bedeutungsschwangeren text hier publizierst!?
    was, wenn das hier die falsche leute mit BÖSEN absichten lesen? grins.

  5. Der Redebonus. Kann man übrigens auch andersrum nutzen, funktioniert auch bei heterosexuellen Männern besser als man glauben sollte.

  6. Basti :

    Das schreit nach Konkretisierung! Hörst du’s?

    Von fern, langsam verhallend:“Konkretisier mich! Konkretisier mich!!”

  7. Basti :

    Sie scheint es nicht konkretisieren zu wollen. Stelle ich gerade mal so fest. Schade eigentlich.

  8. Who? Me? Oh! Fühlte mich so gar nicht angesprochen.

    Was ich damit sagen will: Es gibt durchaus auch die Gattung Mann, die nachts verheult vor des Weibchens Tür steht und ganz dringend reden will. Frau denkt sich dabei: Soll er doch sagen, wenn er zum Koppulieren rüber kommt – aber nein, er möchte reden. Weniger als 5% der Frauen stehen, meiner Rechnung nach, auch nur eine halbe Stunde des weinerlichen Gedöns durch, ohne den Drang zu verspüren ihn mit “Du verdammte Memme!” in den Hausflur hinaus zu schubsen. “Danke, dass du mir zuhörst” darauf sagt die geschulte, meist schon halb schlafende Frau nur “Hm.”.

    Leider entwickelt sich aus dieser Art von R. eine verdammtes Abhängigkeitsverhältnis des Ausheulers zu der betreffenden Frau. Er wird sie ungefragt mit Geschenken bombardieren, sie wird feststellen, dass sie diesen Typ noch nie ausstehen konnte. Er wird immer häufiger vorbei kommen, um von seinen Problemen zu sprechen, sie wird immer häufiger über einen Umzug nachdenken.

    Andersrum kann man den weiblichen Zuhörbonus auch gezielt einsetzen. Nehmen wir hierzu das Beispiel “gutaussehender, offensichtlich neben der Spur stehender Mann in der Schlange im Coffeeshop genau vor Frau”. Frau fragt “Na, auch nen miesen Tag gehabt?” Mann fängt an zu erzählen, heult sich bei Frau aus, Frau sieht ihre 12 Stunden Beziehungsbonus-Chance gekommen.

    Du verstehst?

  9. Basti :

    Ah, vielen Dank für die Konkretisierung. Ich verstehe.

    Du hast eigenartige Nachbarn… ^^

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