Klüngel-Koch mobbt Brillen-Brender

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist, ganz offiziell, komplett unabhängig. Aber so richtig. Von vorn bis hinten, von oben bis unten. Nun ist es aber so, dass das, ganz inoffiziell, irgendwie gar nicht stimmt. Beim ZDF zum Beispiel werden die Hauptakteure auf dem Mainzer Lerchenberg streng nach einem politischen Farbschema vergeben. Das war früher so – und ist heute auch immer noch so.

Markus Schächter, seines Zeichens Intendant des ZDF, ein gutmütiger Mensch mit Bart und Brille, ist ein CDU-Mann. Sein Chefredakteur, Nikolaus Brender, ein gutmütiger Mensch mit Brille, jedoch ohne Bart, wird der SPD-Seite zugerechnet – und das, obwohl er ganz früher mal Mitglied der Jungen Union war.

Nun läuft Chefredakteur Brenders Vertrag im Frühjahr 2010 aus. Er hat das Recht, ein Jahr früher zu erfahren, ob er verlängert wird oder nicht – also jetzt.

Da drängelt sich der rasende Roland Koch, das hessische Stehaufmännchen, (zurück) in die erste Reihe und macht in einem Interview mit der FAZ seinem Unmut Luft: Der Brender müsse weg. Denn unter ihm hätten die ZDF-”heute”-Nachrichten 26 Prozent der Zuschauer verloren und lägen nun schon hinter RTL aktuell. Und sowieso seien die Quoten der ZDF-Sendungen wie “Auslandsjournal” und “heute-journal” ja echt lahm.

Koch beweist, dass er den doppelten Schock der Wahlniederlage und des plötzlichen Wiederaufstiegs zum gewählten Ministerpräsidenten sehr gut verkraftet hat und zu alter Form zurückkehrt: Das ist nämlich Unsinn.

Denn, dem Niggemeier und dieser Seite sei Dank: “heute” hat immer noch mehr Zuschauer als RTL. Koch übersah geflissentlich, dass 3sat die “heute”-Nachrichten ebenfalls überträgt.

Erstaunlich scheint ohnehin, dass Koch die Notwendigkeit des Brender-Absägens nur mit den Quoten des ZDF begründet. Auf einmal scheinen Quoten der absolute Maßstab für das öffentlich-rechtliche Fernsehen zu sein, obwohl gerade das ja eigentlich laut Politik nicht so sein sollte.

Koch und seine CDU-Folgemänner im ZDF-Verwaltungsrat scheinen aber weit und breit die einzigen zu sein, die Brenders journalistische Arbeit verabscheuungswürdig finden: Intendant Schächter, wir erinnern uns, im Grunde seines Herzens ein CDU-Mann, will auf der Verwaltungsratssitzung am 27.3. offiziell vorschlagen, Brenders Vertrag zu verlängern. Eine Entscheidung darüber müssen laut Satzung aber der Intendant und der Verwaltungsrat einvernehmlich treffen.

Gegen diese unverhohlene Einmischung aus der Politik wehren sich die erste Riege der ZDF-Journalisten: Kleber, Slomka, Illner, Knopp und viele Andere warnten in einem offenen Brief an ihren Intendanten vor einer “gefährlichen Einmischung der politischen Parteien.”

Warum riskiert das CDU-Lager eine solche öffentliche Debatte, die sowohl das ZDF als auch den in die Bresche springenden Intendanten beschädigen muss?

Nikolaus Brender scheint intern mehr auf die Unabhängigkeit des Senders gepocht zu haben als seine Vorgänger, berichtet der Spiegel. Allzu dreiste Einflussnahme aus der Politik sei unter Brender seltener geworden – nicht zuletzt deswegen, weil Brender Politiker immer gebeten habe, ihre Anliegen schriftlich vorzutragen.

Kurt Beck und “politische Kreise”, wie es die Welt ausdrückt, erkennen in dem Vorgehen gegen Brender aber noch einen anderen Grund: Wird Brenders Vertrag nicht verlängert, würde wohl Peter Frey nachrücken – der jetzige Leiter des Hauptstadtstudios gilt als SPD-nah. Für ihn würde dann wohl der CDU-nahe Peter Hahne die Leitung des Hauptstadtstudios übernehmen – möglich also, dass das das eigentliche Ziel der CDU ist.

Was sagt eigentlich die Bundesregierung zu dieser Geschichte? Diese brennende Frage konnte ich heute glücklicherweise dem stellvertretenden Regierungssprecher Thomas Steg stellen. Aber: “Die Bundesregierung ist damit nicht befasst.” Die Entscheidung solle in den zuständigen Gremien getroffen werden. Schweigen im Walde. Tragisch – da ist man Sprecher, darf dann aber nix sagen… Welch tragische Antithese.

Bei dieser Diskussion bleibt übrigens das Bewusstsein auf der Strecke, dass wir uns vom Ideal entfernen. Dem Ideal, dass über die Besetzung von Redakteursposten, ob Chef- oder nicht, kein Politiker entscheiden sollte. Falls Nikolaus Brenders Vertrag am 27.3. nicht verlängert wird, ist dies ein schwerer Rückschlag für die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Unwort des Tages: Politikerkreise.

Geschrieben am 26. Februar 2009 in Unparteiisch, Unübersehbar

5 Kommentare zu „ Klüngel-Koch mobbt Brillen-Brender

  1. Blogger-Basti mobbt Klüngel-Koch!

  2. Basti :

    Blogger-Basti mobbt Blogger-Basti mobbt Klüngel-Koch mobbt Brillen-Brender…

    Ottos Mops mobbt.

    Motzen?

  3. Die Freiheit verteidigen: CDU im September abwählen.

  4. Basti :

    Das Hirn benutzen: In Zukunft erst nach dem Denken kommentieren.

    Und zum Thema, bitteschön.

  5. Ich kann dir nur zustimmen!! Eine derartige Beeinflussung der Politik wäre in der Tat nichts anderes als der Anfang vom Ende der Pressfreiheit!

    Und übrings: der Untertitel der Seite Wahlleiter.de sollte lieber heißen: “Politik ist die Kunst, selbst mögliches unmöglich zu machen” … :D

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