Das Unwort

Unseriöse, unerhört unpolitische Ungereimtheiten

 
 
 
 

Bodos Kahlschlag oder Qualität und Logik, das lesbische Pärchen

Bodo Hombach kann kein Mathe. Das hat er mit etwa 40 Millionen Deutschen gemeinsam. Deswegen kann man ihm seine mathematische Legasthenie auch nicht vorwerfen. Bodo ist Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe, zu der allein 33 Tages- und 18 Wochenzeitungen gehören. Auch das kann man ihm nicht vorwerfen, denn es ist ja sein Beruf.

Kombiniert man nun aber Bodo Hombachs Mathelegasthenie mit seinem Beruf, seinem fehlenden Sinn für Logik und der, und da ist sie wieder, Finanzkrise, dann kommt dabei sowas heraus wie:

“WAZ-Mediengruppe streicht 300 Stellen.” Und das ist keine Ente, quakquak, sondern wirklich wahr. Uff.

Von den 891 Planstellen(1) der vier größten WAZ-Zeitungen will Bodo Hombach 300 streichen. Für alle Mathelegastheniker: Das ist ein Drittel. Bodo spart damit 32 Millionen Euro im Jahr. Die Leistung, die die verbliebene Schar von Mitarbeitern erbringen soll, ist selbstredend dieselbe wie vorher. Nur sind es nun halt einfach weniger Leute.

Dazu kommt noch, dass Bodo den Vertrag mit der Deutschen Presseagentur (dpa) nicht verlängert hat. Spart Geld.  Dass die dpa wegen ihrer wahren Flut an unwichtigen und gelegentlich auch wichtigen Tickermeldungen der Grundstock für jede Zeitung ist, weiß Bodo irgendwie nicht. Oder er hat es gekonnt verdrängt, denn er ist eigentlich im Grunde seines Herzens Fernmeldehandwerker. Was immer das auch ist.

Von Ferne meldet sich die Logik und schreit: “Das kann ja gar nicht gehen! Ein Drittel weniger Leute, aber dieselben Produkte wie vorher?! Wo bleibt denn da die Qualität?” Logik und Qualität hatten nämlich vor einiger Zeit mal eine heiße Affäre, weswegen die eine immer auf die andere aufpasst (und ja, sie sind lesbisch!), aber das ist eine andere Geschichte. Und ich weiß, Sie wollen jetzt lieber lesbische Geschichten lesen, denn ich kenne Sie, und ich weiß, wie Sie ticken. Aber das geht jetzt nicht, denn dies ist ein Artikel über Bodo Hombach, und der ist nicht lesbisch. Also noch ein bisschen Konzentration, wenn ich bitten darf.

Bodo hört jedenfalls das Schreien der Logik nicht und sagte doch heute tatsächlich, dass sich die Qualität durch die Sparorgie sogar verbessern wird. Denn es werden sogenannte Produktionsdesks eingeführt, die für mehrere Lokalredaktionen gleichzeitig Layout und Produktion erledigen. Somit bleibe für die Lokalredaktionen mehr Zeit zur Recherche. Wobei man dazu sagen muss, dass die WAZ alle Lokalredaktionen schließt, die Millionenverluste einfahren. Und das sind wohl nicht wenige.

Künftig soll es außerdem für die Zeitungen der WAZ eine (in Zahlen: 1, das ist die, die relativ bald nach Null kommt) Mantelredaktion geben. Und da setze man künftig “noch mehr auf die Qualität der Berichterstattung.”(2) Und worauf hast du vorher gesetzt, Bodo? Auf die nette Verpackung, oder was?

Also, Bodo. Ich weiß ja, dass die (düsteres Synthesizer-Wabern im Hintergrund) Finanzkrise ganz schlimm ist und dass du sparen musst. Das sehe ich gerne ein. Wenn du Stellen streichen musst, tu es, meinetwegen. Alle anderen tun es ja auch.

Aber, Bodo, erzähle mir nicht, dass sich dadurch die Qualität verbessert. Das ist nämlich Schwachsinn. Und wer als Medienmacher in Deutschland die dpa abbestellt, hat ohnehin irgendwas Grundlegendes noch nicht ganz verstanden.

Auch wenn die Einbrüche im Anzeigenmarkt der WAZ bös zugesetzt haben:  Erst diese Entscheidungen gegen die dpa und gegen die Mitarbeiter sind der Anfang vom Ende eines großen Medienkonzerns.

Unwort des Tages: Fernmeldehandwerker.



  1. http://www.tagesspiegel.de/medien-news/WAZ;art15532,2733747 []
  2. http://www.netzeitung.de/medien/1278817.html []

5 Kommentare zu “Bodos Kahlschlag oder Qualität und Logik, das lesbische Pärchen”

  1. 1
    Sebastian:

    Wobei die Kündigung der dpa ja nicht gleich ein Verzicht auf deren Meldungen bedeutet – nur halt eine Stunde später und mit Berufung auf “Medienberichte” ;-)

  2. 2
    Basti:

    Jup. Abschreiben aus dem Internet. Und das gibt der Chefredakteur in einer ZAPP-Sendung auch noch relativ offen zu… Erstaunlich.

  3. 3
    Stefanie:

    Einmal ist es schwer zu glauben, all dies. Die Krise ist sehr schlechten Einfluss auf das Wohl vieler Menschen und nicht wissen, was kommt als nächstes.

  4. 4
    romanmoeller:

    Das ist typisches Gelaber von Entscheidungsträgern, die den Bezug zur Realität verloren haben. Da könnte man auch noch mehr bekannte Namen aufzählen …

  5. 5
    Basti:

    @Stefanie: Ich weiß, dass du wirbst, aber wieso für den Kampf gegen Genitalwarzen?

    @romanmoeller: Ja, erschreckend. Und in einer Krise wie dieser neigt man dann fast dazu, es zu glauben…

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