Das Unwort

Unseriöse, unerhört unpolitische Ungereimtheiten

 
 
 
 

Unwort des Jahres 2008: Eine Runde Mitleid für die Banken!

Ein Beispiel für bewundernswert kreatives journalistisches Wortgeschleuder ist kürzlich zum Unwort des Jahres geschlagen worden: “notleidende Banken”. Zur Begründung sprach die Jury, die aus Profi-Linguisten besteht, zur dpa: “Die Formulierung stellt das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise rundweg auf den Kopf.”

Ich finde, die übertreiben maßlos. Und ich finde, wir sollten wirklich Mitleid haben mit den Bankern. Ich wäre schließlich auch frustriert, wenn ich mal keine 60 Prozent Rendite mehr bekomme! Wenn ich mir den Kaviar und die brasilianischen Nutten nicht mehr leisten kann und deswegen auf Matjes und russische Nutten umsteigen muss! 

Deswegen finde ich es auch komplett in Ordnung, dass die Gemeinschaft der Steuerzahler, vertreten durch Merkel, Steinbrück und -meier, den armen notleidenden Banken jetzt 500000000000 Euro hinterherschmeißt. Damit es den Bankern wieder gut geht! Und außerdem müssen wir an die Kaviarproduzenten im tiefsten Osteuropa denken. Wenn unsere Banker verarmen und dauerhaft keine Fischeier mehr kaufen, dann müssen die Störwilderer ja darben und eierlos dahinvegetieren, weil sie die Tiereier nicht mehr loswerden! Und das können wir wirklich nicht verantworten. Das geht ja gar nicht. Da müssen wir uns unserer Verantwortung bewusst sein!

Außerdem ist das Wohlergehen der deutschen Bankerinnern und Banker eine wichtige Voraussetzung für, äh – naja, für, äh – für das Wohlergehen der Banker! Und weil Deutschland schon immer ein Hort der Monokausalität war, reicht das als Begründung.

Ich bitte Sie, haben Sie mehr Mitleid mit Ihrer Bank! Sie mag vielleicht Ihr Geld ins isländische Eis geschossen, an der Wall Street verpulvert, in Waffengeschäfte angelegt oder an die Mafia verteilt haben – aber all das tut ihr gar fürchterlich Leid. Das müssen Sie verstehen! Und wenn der Staat jetzt 50000000000 Euro dazuschießt und die Banken selbst auch noch mal, hmm, sagen wir, 100 Euro, dann können wir die Krise gemeinsam meistern! Ja! Wir können! Und die Bank verspricht Ihnen auch, dass sich eine solche Krise nicht wiederholt. Ganz klar.

Klingt doch gut, oder? Also, machen Sie sich mal keine Gedanken mehr über die Finanzkrise und ein paar komische tattrige Linguisten, die so unsinnige Unwörter erfinden. Das regt Sie nur auf. Bleiben Sie ruhig. Denken Sie nicht nach. Die Banken werden es Ihnen danken.

Unwort des Tages: Kaviarkrise.

17 Kommentare zu “Unwort des Jahres 2008: Eine Runde Mitleid für die Banken!”

  1. 1
    Jenni:

    ohwei ohwei… denk doch mal an deine Armen Nerven mein Junge… zum Rest kann ich nur Volker Pispers empfehlen, wenn ich darf http://de.youtube.com/watch?v=4kt_vYOs_Jg

  2. 2
    Torsten:

    Danke, jetzt geht’s mir besser, ich hab die Zusammenhänge durchschaut. Jetzt ein Fischbrötchen.

  3. 3
    Ecki:

    Legga Fischbrötchen. Kaviarkrise klingt doch gleich viel besser.

  4. 4
    Herr Trotzdem:

    Ist das nicht ein wenig zu vereinfacht? “Notleidene Banken” find ich auch ein scheußliches Wort, aber das Geld nicht den Banken hinterher zu werfen macht die Situation leider auch nicht besser.

  5. 5
    Torsten:

    Manchmal können Lösungen gar nicht einfach genug sein: http://farm4.static.flickr.com/3198/2908241495_39a0c74774.jpg?v=0

  6. 6
    Basti:

    @Herr Trotzdem: Das stimmt leider. Aber macht es die Situation besser? Das können wir leider noch nicht wissen, ich gebe es ja zu. Und ich denke auch, dass es falsch wäre, jetzt nicht einzuschreiten und den Banken zu helfen. Aber: Es ist doch durchaus im Bereich des Möglichen, dass wir in 50 Jahren wieder so eine Situation haben…
    Die Banken sind die einzigen, die aufgefangen werden, wenn sie Mist verzapfen. Alle anderen dürfen und sollen ruhig pleite gehen. Das ist das, was mich wundert. Mal ganz ohne den restlichen Background, der noch dahintersteht.

  7. 7
    reizzentrum:

    @Basti

    Du hast einfach nicht genug Weitsicht für dieses Problem.

    Wenn man einen Grossbrand hat, löscht man mit einem Gegenbrand. Bei der Autoindustrie hat man das Problem, dass die Politiker selbst nicht so grosse Garagen haben, sonst würde jeder beamte 3 Dienstwagen haben: Problem gelöst.

    Bei Banken ist es supereinfach: Denen fehlt nur Geld und das kann man aus den Steuerzahlern schon herauspressen. Schliesslich besteht sonst die Gefahr, dass keine Dividenden ausgezahlt werden können – und DAS geht ja nun gar nicht.

    “Das Geld” hat seine eigenen Regeln. Davon verstehen wir alle nix. Vielleicht mal Donalphonso fragen :)

  8. 8
    Basti:

    Ja, das mit der Weitsicht ist ja ein bekanntes Problem von mir. Ich neige zum Polemisieren. Das ist nicht gut. Nicht sachlich. Dem Thema nicht angemessen.

    Wer ist eigentlich Donalphonso? :-)

  9. 9
    reizzentrum:

    @Basti

    Tja, da kannst Du – was kühle Sachlichkeit angeht – von mir bestimmt noch viel lernen ….

    (Nach Diktat verreist)

  10. 10
    Dorothea:

    Ich weiß zwar nicht, ob ich die Sache sehr sachlich betrachten kann, aber ich möchte es einfach mal versuchen. Die ganze Situation die wir derzeit haben ist natürlich nicht einfach. Dennoch ist es meines Erachtens nicht fair, wenn man nur den Banken hilft. Natürlich braucht man viel Geld um jeden zu helfen. Aber wenn man mal wirklich nachdenkt, dann ist es nicht in Ordnung wenn man Leuten hilft, die es eigentlich besser gewusst hätten. Wenn ein Kleinunternehmer pleite geht dann hilft man dem doch auch nicht. Warum macht man da Unterschiede? Sind nicht alle Menschen gleich? Steht das nicht in unseren doch so geachteten Büchern?

  11. 11
    reizzentrum:

    @Dorothea

    GENERELL hast Du recht, nur bedenkst Du eines nicht: Politik wird schon lange nicht mehr (wirklich) von den Politikern, sondern von den GROSSEN Firmen und ihren Lobbyisten gemacht.

  12. 12
    Bernd:

    Naja das mit dem Unwort des Jahres ist für mich völliger Quatsch.
    Was wird dann 2009 kommen? Welktkrise?
    2010: Notleidende Bevölkerung
    2011: Apokalypse

  13. 13
    Marco:

    @ Bernd – notleidende Bevölkerung? Die ist denen da oben egal, sonst würde man auch was für das Volk tun. Wie der Beitrag schon sagt, zu viel Geld für Banken, ein zweites Paket für die armen Autobauer. Und die Leute, die den wahren Jobmotor mitbringen, der Mittelstand, geht leer aus, schon klar. Also wer nicht wirtschaften kann, der wird vom Staat nun auch noch belohnt, ganz toll!

  14. 14
    lexxa:

    Basti – ab zur Zeitung mit dem Text!!!
    Und zwar flott!!!
    (Das ist ein Befehl)
    Hammer..
    Danke.

  15. 15
    Ruben:

    „notleidende Banken“ nun gut. Sie sind vielleicht im Moment wirklich nicht sehr gut betucht, aber wenn man es genau nimmt, sind die Banken doch selbst dafür verantwortlich. Sie haben sich nicht genug abgesichert. Jeder Unternehmer heute muss sich einfach absichern. Ich kann mich doch nicht immer auf den Staat verlassen. Und wenn ich dann lese, dass der Staat einfach mal UNSERE Steuergelder locker macht und damit GROßE Unternehmen rettet, dann bin ich echt auf 180. Ich kann es einfach nicht fassen. Auf den privaten Konten der großen Firmen befinden sich Millionen aber die werden dafür natürlich nicht hergenommen, NEIN der Staat muss herhalten. Also Sorry irgendwo hört es doch einfach auf. Entweder jeder wird gleich behandelt, oder wir können die Sache doch gleich ganz lassen.

  16. 16
    Basti:

    Mehr Infos über Ruben gibt es übrigens in den Kommentaren zu diesem Beitrag.

  17. 17
    Boff:

    Endlich einmal jemand, der die armen Banker und Manager verteidigt. Da legen sich diese armen Menschen jahrelang ins Zeug, und nur weil sie einmal einen kleinen Fehler machten schreit schon die ganze Welt? Gemein!

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Unsinner

Bastian Kruse hat am gleichen Tag Geburtstag wie Martin Walser, Steve McQueen, Roland Koch und Nena. Geboren ist er im Gegensatz zu Vorigen im Jahre 1986 in den unendlich flachen Weiten Schleswig-Holsteins. Diese Weiten hat er bisher auch noch niemals für längere Zeit verlassen, und so wird er beim Anblick eines Berges jedes Mal von der Panik erfüllt, der Himmel könnte ihm auf den Kopf fallen.
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