Wenn Gurgula mal nicht mehr kann

Es ist eigentlich ziemlich egal, wann mein Wecker klingelt – ob um sieben oder um elf: Der erste Gedanke des Tages ist immer: “Scheiße!“. Die Uhrzeit bestimmt dann die Frequenz, in der sich “Scheiße!” wiederholt: Je früher, desto höher die Frequenz und desto länger hält das kakophone Denken an.

Auch die Aggressivität, mit der ich meinem Wecker gegenübertrete, hängt von der Uhrzeit ab, zu der er beschließt, laut zu werden. Bei dem in letzter Zeit glücklicherweise seltenen 7:17 Uhr besteht für meinen Funkwecker akute Lebensgefahr, wohingegen das momentan übliche 11:21 Uhr nur zu einer leichten Streicheleinheit über den “Aus”-Button führt (begleitet von einem liebevoll gebrummten  “Scheiße…“).

Ich möchte damit nicht sagen, dass ich ein Morgenmuffel bin, oh nein. Ich bin die Vitalität selbst! Nur muss man die eben erst einmal wachbekommen.

Das geht am besten mit etwa zehn Tonnen heißen Wassers. Und so ist die morgendliche ausgiebige Dusche ein Ritual, das ich sehr genieße. Meistens sind die kakophonen Schreie sogar schon abgeklungen, bevor ich ins Badezimmer gelange…

Nun bewege ich mich heute Morgen, mühsam aus halbgeschlossenen Augen der feindlichen Welt als Ganzes entgegenblinzelnd (Kommentar beim Aufziehen der Gardinen: “Oh. Schnee.”), mit einem Arm voller unmodischer Kleidung ins Badezimmer. Mit Mühe halte ich mich Blinden davon ab, mich in die Kloschüssel zu setzen anstatt in die Badewanne. Ich sitze nun also in dem Keramikungetüm, drehe die Dusche auf und bin bereit, das allmorgendliche “Oaaaah…” auszustoßen, mit dem ich das erste warme Wasser zu begrüßen pflege – gleichermaßen als Huldigung an Gurgula, die Göttin des heißen Wassers (und der eingewachsenen Fußnägel). Doch die Dusche spuckt nur einen kläglichen Schwall klaren kalten Wassers aus und tut danach nichts mehr.

Um der Schockfrostung zu entgehen, entsteige ich der Wanne (“Scheiße…“) und schmeiße mir wahllos irgendwelche Kleidung über. Irgendwer hantiert wohl an den Warmwasserleitungen, schlussfolgere ich gewitzt und schlurfe in die Küche. Nach einem kümmerlichen Versuch gibt auch der dortige Wasserhahn auf und scheint schulterzuckend zu sagen: “Tja. Warmwasser is heut’ nich, nä?” Denn es ist ein norddeutscher Wasserhahn.

Ohne Dusche geht heute auch kein Frühstück, also schnalle ich mich dem Klischee der Jugend folgend vor den PC. Kann aber so gut wie nichts sehen und brummele nur Unverständliches vor mich hin. Sowas wie: “Scheiße. Wann das wohl wieder funktioniert… wer das wohl ist… Scheiße…” Für eine erhöhte Varianz bei Schimpfwörtern bin ich zu müde.

Ich sitze eine Weile vor dem Computer und tue effektvoll einfach mal nichts, schließlich bin ich noch nicht wach. Aber ich bin kein Morgenmuffel!

Da behauptet auf einmal der norddeutsche Wasserhahn in der Küche: “Hey jo, dat Wasser läuft wieder, nä?”

In Gedanken fühle ich schon Gurgulas wohlige Wärme über meinem Astralkörper – ich reiße mir die Klamotten vom Leib, steige in die Wanne und drehe den Hahn auf. Es kommt Wasser!

Für etwa zehn Sekunden – nicht mal für ein “Oaaah…” hat es gereicht. Frustrierend, sowas! Da will mich jemand veräppeln, ich spüre es ganz deutlich.

Nun bin ich aber langsam doch wach. Ziehe mich zum zweiten Mal an. Mein Spiegelbild guckt mich schon ganz verwundert an, als ob es fragen wollte: “Was willst du denn schon wieder hier?”

Jetzt frühstücke ich doch. Verbringe drei Stunden am PC. Und dann geht auch das Wasser wieder. Wer da wohl auf der Leitung steht…

Geschrieben am 7. Januar 2009 in Unseriös

16 Kommentare zu „ Wenn Gurgula mal nicht mehr kann

  1. Hikari :

    Lach! Haha… aber lass mal. Wir haben derzeit auch nur lauwarmes Wasser. Das Duschen macht grad richtig Spaß ~.~ Ich kann deinen Ärger also verstehen. ;)

  2. Macht einen normalerweise nicht gerade das kalte Wasser wach? Warmes ist sicher sanfter, aber wenn’s plötzlich kalt auf mich runterprasselt, krieg ich den Wasserhahn schneller zugedreht als jeder Weltmeister!

  3. jakob :

    Ich möchte damit nicht sagen, dass ich ein Morgenmuffel bin, oh nein. Ich bin die Vitalität selbst! Nur muss man die eben erst einmal wachbekommen.

    Ich kann mich voll und ganz identifizieren! :mrgreen:

  4. lexxa :

    Ui, das kommt mir sowas von bekannt vor. Schrecklich war das. Du hast mein tiefstes Mitgefühl, ehrlich!
    Und danke für diesen Beitrag. Lachen tut sooo gut, vor allem wenn einem draußen das Gesicht einfriert.

  5. lexxa :

    ..noch was – würdest du so lieb sein und meinen Link auf “Lexxa” oder “Xhoch3″ umschreiben? Danke! :-)

  6. Mathias :

    Dein armer Wecker. Hast dus schon mal mit einer anderen Methode versucht wach zu werden? Es gibt da so tolle Lichter. Die stellt man hin und sie ersetzen den Sonnenaufgang da wird man dann ganz sanft geweckt und nicht derart aus dem Schlaf gerissen. Das hilft vielen Menschen, vielleicht auch dir?

    Und was das Wasser betrifft. Kalt duschen bringt den Kreislauf in Schwung und macht Müde Knochen wieder fit. Man wird wach davon ;-) Also ist das gar nicht so übel.

  7. Herzlichen Glückwunsch zum Bloggeramt.de “Blog der Woche”.

  8. Basti :

    Wau! Danke. Habe ich jetzt erst gemerkt…

  9. Carmen :

    Also irgendwie kommt mir diese Schilderung des Morgens doch sehr bekannt vor. Dass aber dann nicht mal das warme Wasser geht, grausig, da ist ja der ganze Tag im Eimer. Auch wenn alle sagen, kaltes Wasser macht wach, es ist nur kalt, sonst nichts, abartig kalt und geht mal gar nicht, wenn man aus dem warmen Bett kommt.

    Und Mathias, was den Wecker angeht, ich weiß nicht, durch das Licht würde ich mich nicht stören lassen. Da würde ich gar nicht erst wach werden…

  10. Basti :

    Carmen, wirst du für’s Kommentieren bezahlt…?

  11. Ich hab mal in Hamburg-Billstedt eine günstige Wohnung besessen, d.h. gemietet. Günstig war sie definitiv und eigentlich neben zentral gelegen, auch noch ganz schick geschnitten. Das Problem war nur der Vermieter, der nämlich nach und nach das Gebäude hat sanieren lassen. Ich bin auch kein Morgenmuffel, aber so stand ich dann eines morgens mit zerrupfter Frisur, völlig verpennt und verlaufener Schminke im Flur und ein Handwerker sagte: Morgen Lady! Das war der Tag, an dem ich am liebsten einen Mord begangen hätte. Mein Lebensgefährte hatte die Handwerker reingelassen und mich nicht mal gewarnt. Ich stand also tapfer da wie ein Freak in Dessous und ließ mich gefühlte 200 Jahre von Handwerkern begaffen. Ich hab mich umgedreht, bin zurück ins Bett und hab die Decke über den Kopf geschlagen.

  12. Pingback: Zitate aus der Blogosphäre II

  13. Falk :

    Stylz4Life oh mein Gott kann ich da nur sagen. Ich glaube, wenn ich an ihrer Stelle gewesen wäre ich hätte meinen Lebensgefährten getötet. Wie kann man so was nur machen. Das ist wirklich nicht sehr nett. Es mag für die Handwerker sicherlich ein sehr schöner Anblick gewesen sein aber für Sie wirklich sehr peinlich. Allerdings für mich, wenn ich es so lese doch recht lustig. Haben Sie ihren Lebensgefährten dann wenigstens richtig dafür „bezahlen“ lassen? Das wäre doch das Mindeste nach so einer Aktion.

  14. Uschi :

    Ich finde die Geschichte recht amüsant. Ich muss da an meinen Lebensgefährten denken. Ich glaube der hätte sich auch erstmal in die Küche gesetzt eine geraucht und sich gemütlich was zu Essen gemacht und dabei hätte er ganz sicher vergessen, dass er mir so was Wichtiges sagt. Leider sind halt Männer so. Aber ich würde ihn dafür nicht töten, denn ich wusste ja vorher auf was ich mich einlasse.

    @Rui… Frauen können so was verkraften, denn sie kennen ihre Männer und wissen wirklich was sie zu erwarten haben.

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