Das Unwort

Unseriöse, unerhört unpolitische Ungereimtheiten

 
 
 
 

Urlaub bei den Irren – Ein Reisebericht. Teil 2

Teil 1 des Reiseberichts finden Sie hier.

Unser Hotel, erfahre ich im Vorfeld der Reise, ist erschreckend günstig, jedoch trotzdem sehr zentral gelegen. Ich frage mich deswegen, ob wir wohl in einem Kerker werden wohnen müssen…

Unsere Residenz entpuppt sich dann jedoch als eine kleine Absteige, die aber immerhin mitten im Dubliner Regierungsviertel liegt. Flure und Zimmer sind sämtlich in Brauntönen ausgekleidet, ein 70er-Jahre-brauner Flauschteppich versucht, rustikale Gemütlichkeit zu vermitteln, erreicht aber das Gegenteil. Immerhin bieten die Zimmer den üblichen Komfort und als Dreingabe eben erwähnten Bodenbelag, der Welt erstes absolut steckdosenloses Badezimmer und als Ausgleich dafür einen formidablen Flachbildfernseher, der neben dem Teppich wie ein Anachronismus wirkt.

Zum “kontinentalen Frühstück” muss man über eine kleine, gut versteckte (und durch den unvermeidlichen Flauschteppich schallisolierte) Treppe in eine Art Untergeschoss hinabsteigen. Jeden Morgen kommt, nachdem man sich am rustikal-kontinentalen Buffet bedient hat, eine schwarzhaarige Irin Marke “Kräuterhexe” zu uns an den Tisch, fragt nach der Zimmernummer und bietet ein “Irrrrish Brrrreakfast” an. Und täglich grüßt das Murmeltier. Ich habe jetzt noch Schwierigkeiten, in den Tag zu kommen, weil mich jetzt niemand mehr mit rollendem R nach irischem Frühstück fragt…

Der irische Straßenverkehr ist rätselhaft. Er scheint irgendwie ohne nennenswerte Opfer zu funktionieren, aber ich weiß nicht, wie. Zwar steht für orientierungslose Touristen auf dem Boden meist ein “Look right” (was man ja auch mit “Sehen Sie bloß gut aus!” übersetzen könnte…), jedoch erschließt sich mir das System, falls vorhanden, nicht vollständig. Manchmal kommt der Verkehr von links, manchmal von rechts. Manchmal kommen alle von links, aber von rechts Busse. Oder andersrum. Jedenfalls muss man als unbedarfter Tourist verdammt aufpassen, nicht unter die Räder eines Dubliner Kleinwagens zu geraten. Oder – noch wahrscheinlicher – als übergewichtige Fliege auf der Windschutzscheibe eines Doppeldeckerbusses zu enden. DIe fahren nämlich recht, sagen wir, selbstbewusst (manchmal kommt es eben doch auf die Größe an) und nehmen nur rudimentär Rücksicht auf Fußgänger…

Die, muss man natürlich auch zugeben, laufen am liebsten bei Rot, denn da ist es am schönsten. Typisch Großstadt. Die Pariser, also die Einwohner der Stadt Paris, die können das auch. Seit ich einmal in Paris war, gehe ich erstens öfter über eine rote Ampel und denke zweitens dabei immer sowas wie: “Und jetzt die Pariser-Methode”.  Wobei Dublin natürlich nicht einmal so viele Einwohner hat wie in den Eiffelturm Touristen hineinpassen. Aber das ist den Dublinern egal, die laufen grundsätzlich immer über die Straße. Es dauerte nicht lange und wir haben es genau so gemacht…

In Irland spricht man Englisch, möchte man meinen. Das stimmt nicht ganz: Einige wenige Menschen sind auch noch des Gälischen mächtig (das man aber im Land überall findet, unter anderem im Fernsehen…) und die, die tatsächlich Englisch sprechen, können eben jene Tatsache verdammt gut verbergen. Der irische Dialekt ist mörderisch, hat jedoch einen gewissen Charme, auch wenn er dazu führt, dass ich mir fast jeden Satz wiederholen lassen muss. Das kann aber ebenso an mir liegen, denn auch die angeheiterte Amerikanerin aus “Baurstouuuun” (Boston?) in “Massssschusssseds”, die ich in einem Pub treffe, verstehe ich nur schwer.

Die Dubliner Tourist Information ist gut getarnt in den Seitenschiffen einer Kirche untergebracht. Sie ist von oben bis unten voll mit Nippes und Flyern aller möglicher Sehenswürdig- und unwürdigkeiten. Um dem Personal eine Frage zu stellen, muss man eine Nummer ziehen.

Die Frau, die ich in meiner Meinung nach exzellentem Englisch nach Stadtführungen und Busverbindungen ausfrage, behandelt mich wie einen Außerirdischen. Sie spricht sehr langsam und deutlich. Bei besonders wichtigen Passagen hebt sie noch die Stimme und wird noch deutlicher. Ich beginne, an meinen Sprachkenntnissen zu zweifeln.

Unwort des Tages: Irrrrish Brrreakfast.

4 Kommentare zu “Urlaub bei den Irren – Ein Reisebericht. Teil 2”

  1. 1
    jakob:

    Hmmm, Irish Breakfast. Es ist einfach geil, morgens um 10 Uhr mit Würstchen, Ei und Bacon den Tag zu beginnen. Leider die Ausnahme, genauso wie meine Mutter selten (eigentlich nie) Sauerkraut und Haxe zum Mittagessen kocht. Das traditionelle irische Frühstück war bei meinem Austausch das genaue Gegenteil vom Irish Breakfast: eklig. Es gab eine große Packung mit steinharten Haferbrocken, von denen sich jeder nach Belieben Stücke abbrechen konnte und mit Milch weichmachen musste, weil man das Zeug sonst nicht essen konnte. Geschmack war faktisch nicht vorhanden, für Kalorienzufuhr wurde individuell durch Zuckerberge gesorgt, die einfach mit der Pampe verrührt wurden.
    Noch ganz flau im Magen raste meine Austauschmutter dann mit Lichtgeschwindigkeit über brüchige irische Landstraßen und hupend durch Kurven gen Stadt, die aus 50 zerfallenen Industriehäuschen, einer kameraüberwachten Schule und drei Kneipen bestand. Aber wenigstens ist die Landschaft schön…;)

  2. 2
    Basti:

    Ah, das idyllische Irland. Da sind sie also hin, unsere EU-Milchseen und Zuckerberge… hatte mich schon gewundert…

    ;-)

  3. 3
    jakob:

    Das Zeug heißt btw Weetabix… Wer sich mal ‘was Schlechtes tun will, sollte zugreifen.

  4. 4
    eric mozanowski:

    ja, aufjedenfall NICHT weiterzuempfehlen :D

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