Die grüne Insel – der feuchte Traum vieler an Fernweh leidender Deutscher. Irland, so denkt man, ist eine friedvolle Insel, wo das Land flach ist und es eigentlich nur eine Handvoll Menschen gibt, die ihr Leben in Pubs verbringen und dabei tanzen.
Es wäre gelogen, zu sagen, dass das alles nicht stimmt. Doch dazu später.
In Begleitung meines Vaters flog ich in der letzten Woche für drei Tage nach Dublin. Auf dem Flug trafen wir eine namenlose bebrillte Frau, die ich erst für eine Irin hielt, die aber wie sich später herausstellte ursprünglich aus Deutschland kommt, jedoch seit einigen Jahren in Dublin lebt. Diese kleine hektische Frau nahm uns – zusammen mit ihrem Freund Chris, einem Engländer – in ihrem winzigen Auto in die Stadt mit. Das ersparte uns schon mal das Zurechtfinden am Dubliner Flughafen – großes Plus.
Autofahren in Dublin muss eine Katastrophe sein; jedenfalls fahren die Iren tatsächlich wie die Irren. Sie fahren nicht nur auf der falschen Seite, sondern heizen wirklich erbarmungslos durch die Straßen. Selbiges gilt für die Dubliner Busse – Rücksicht ist in der irischen StVO anscheinend nicht vorgeschrieben. Oder, und das scheint mir wahrscheinlicher, es interessiert sich schlicht niemand dafür.
Heute, sagt Chris in gebrochenem Deutsch, sei ein wichtiges Fußballspiel. Ich frage die namenlose Hektische, wer denn spielt – “Ja keine Ahnung”, sagt sie.
Die Stadt ist tatsächlich überfüllt von Fans, von denen einige in blau und einige in Gelb gekleidet sind. Die scheinen sich jedoch nicht wirklich feindlich gesonnen zu sein, denn sie stürmen gemeinsam die Pubs… Später soll sich herausstellen, dass es sich keineswegs um Fußball, sondern vielmehr um Hurling handelt, eine speziell irische Sportart… dazu später mehr. Jedenfalls sei hiermit bekanntgegeben, dass Kilkenny gegen Ich-weiß-nicht-mehr-wen gewonnen hat. Und zwar haushoch, deswegen waren sie auch alle so friedlich.
Chris parkt sein Auto in einer gut versteckten Tiefgarage mitten in der Stadt. Vor der Einfahrt holt er seine Jacke heraus, zieht sie an und schmiegt sich dann liebevoll an die Garagenwand. Daraufhin öffnet sich unter ohrenbetäubendem Pfeifen majestätisch langsam das Tor zur nahezu komplett leeren Garage. Auch beim Herausgehen piept das Tor hingebungsvoll.
Und sowieso piept in Dublin fast alles. Die Straßenreinigung zum Beispiel – und die ist allgegenwärtig. Die Iren haben einen ausgeprägten Sauberkeitsfimmel, zumindest, was das Erscheinungsbild ihrer Städte angeht.
Die Müllabfuhr piept ebenfalls. Und auch nachts fängt es von irgendwoher auf einmal an zu piepen – könnte eine Alarmanlage gewesen sein. Oder ein Garagentor…
Selbst die Ampelanlagen machen einen Höllenlärm. Wenn rot ist, geben sie ein leichtes, rhyhmisches Pochen von sich. Sobald sie auf Grün springen, ertönt ein Geräusch wie beim Abfeuern eines Laserstrahls in den Star-Wars-Filmen, gefolgt von hektischem Gepiepse und Getute. Auf dem Rückweg zur Rotphase gibt es in Dublin dann noch eine Gelbphase für Fußgänger (die ist sogar ziemlich lang), die wohl bedeuten soll: “Ob Sie gehen oder nicht – Ihre Entscheidung! Aber ich bin nicht Schuld, wenn Sie umgenietet werden!”
Hurling, liebe Leser, habe ich in unserem Hotel am ersten Abend konsumiert. Da wiederholte der gälische Sender TV4 (oder so) das Spiel von Kilkenny gegen Ich-weiß-nicht-mehr-wen. Unser Fernseher bekam das Hurling-Signal über eine Antenne. Eine moderne zwar, jedoch sah sie eher aus die eine mutierte Grillgabel… war vielleicht ein amerikanisches Fabrikat.
Hurling kennt man hierzulande überhaupt nicht. Ich will versuchen, diese eigenartige Sportart zu beschreiben:
Viele nur rudimentär geschützte Spieler laufen über ein Feld mit den gefühlten Ausmaßen von Nordrhein-Westfalen. Sie halten dabei eigenartig geformte Schläger in der Hand, die aussehen wie eine Kreuzung aus Hockeyschläger und Schneeschaufel. Den winzigen Lederball dürfen sie auch in die Hand nehmen, aber nur manchmal und auch nicht lange. Jedenfalls wechselt der Ball ständig zwischen Schläger und Hand hin und her. Die Tore bestehen aus zwei Pfosten, die 6,5 Meter voneinander entfernt stehen und gefühlte 150 Meter hoch sind. In 2,5 Metern Höhe werden sie durch eine Querlatte verbunden. Wenn der Ball über die Querlatte hinüber befördert wird, gibt es einen Punkt, geht er untendurch, drei.
Die Regeln dieses Spiels sind ansonsten vollkommen unverständlich. Dabei hilft auch der Kommentator nicht, der seinem Publikum auf Gälisch die Feinheiten des Spiels zu erläutern versucht. Das klingt für mich etwa so, als ob der das Telefonbuch von Dublin rückwärts vorlesen würde. Gälisch scheint eine eigentümliche Mischung aus Englisch, Plattdeutsch und Klingonisch zu sein. Jedenfalls verstehe ich kein einziges Wort.
In dem Spiel scheint es jedenfalls außer um das Erzielen von Toren auch darum zu gehen, den Gegner möglichst krankenhausreif zu schlagen, denn es laufen in schöner Regelmäßigkeit geschäftige Sanitäter aufs Spielfeld, um die Gefallenen abzutransportieren…
Haiiothoeeodh aienradhltoiid maghcheadsied obraveasioichnedhfaeloch. (to be continued)
Unwort des Tages: Iománaíocht (Hurling).

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Faszinierend bei meinem Irlandaustausch war für mich die totale Ignoranz jeglicher Sauberkeit im Auto. Autos wurden als Gebrauchsgegenstände angesehen und verschmierte McD-Papierchen waren da noch das kleinere Übel. Schlimmer fand ich die aufgeklebten HubbaBubba mit Erbeergeschmack auf der Mittelkonsole. Fremde Welten…
Oh. Das widerlegt ja meine Sauberkeitsfimmel-Theorie. Aber es ist wirklich nicht übertrieben: Alle naslang I ran into a Straßensäuberungsmensch in Dublin! Die sprühten immer die Straßen sauber… nachts wie tags. Sehr strange…
hihi ich hab mich ja mal wieder königlich amüsiert^^
Ich freue mich sehr auf die Fortsetzung und muss sagen, dass sich das bis auf die Geräuschkulisse immer noch wie ein perfektes Reiseziel für alle Choaten (also Leute wie mich) anhört ^^ und Gälisch ist wundervoll, solange man nicht versucht etwas gelesenes auszusprechen. Wobei du auch sicher das noch höchst amüsant hinbekommen würdest… vielleicht hat Shandor ja noch einen Kollegen in Dublin?
ich meinte eigentlich was geschriebenes… ach fu** du weißt schon… spät und so und Jenni und überhaupt *seufts*