Das Unwort

Unseriöse, unerhört unpolitische Ungereimtheiten

 
 
 
 

Die Geschichte von Karl, der sich zuerst mit Zwentibold und dann mit Giselbert anlegte und schließlich Herrscher von ganz Lothringen wurde

Es sind Geschichten, wie sie nur das Mittelalter schreibt. Und, darauf basierend, heutige Daily Soaps wie GZSZ beziehungsweise Telenovelas wie “Frieda im Glück”/”Laura mit Rock im Wald sich freut”/”Julias Weg zum Ruhm”/”Anjas neuer Matratzenladen” etc.

Die Geschichte geht so:

Da ist einer, der heißt Karl, der Sohn von Ludwig, der wiederum Sohn von Karl war. Ludwig starb, kurz bevor seine schöne Frau Adelheid (Tochter von Adalhard) seinen Sohn Karl gebären konnte. Weil sich aber Ludwig von seiner Frau Ansgard getrennt hat und noch zu ihren Lebzeiten seine zweite Frau Adelheid schwängerte, ist Karl ein Bastard.

Karl sollte eigentlich König werden, wie sein Vater (Ludwig) und dessen Vater (Karl). König wird aber erstmal ein Mann mit dem klangvollen Namen Odo, anerkannt durch Arnulf, der auch König ist. Fulko der Erzbischof und Heribert der Graf wollen aber Karl zum König machen, was auch Arnulf nach leichter Überredung einsieht. Arnulf aber wendet sich dann wieder gegen Karl und entscheidet sich für Odo, was Fulko und Heribert nicht toll finden. Nur Arnulfs Sohn Zwentibold bleibt bei Karl. Allerdings wenden sich nun auch Fulko und Herbiert gegen Karl, so dass er in die schönen lothringischen Lande fliehen muss. Aus Frust heiratet er die quirlige Frederun.

Weil Odo nun jedoch abnippelt, wird Karl doch König, was ihn sehr freut. Fulko wird sein Erzkanzler und Herivaeus, den auch Odo schon kannte und mochte, wird Notar.

Nun könnte alles gut sein, wäre da nicht der böse Robert, seines Zeichens Odos Sohn. Der wird gar plötzlich ganz mächtig und für Karl zu einer Gefarl, ähh, Gefahr. Zwischendrin segnet Frederun erst Ihren Mann und dann das Zeitliche.

Karl will aber auch Lothringen haben und wird dabei von Reginar unterstützt, muss sich dabei aber mit dem dort herrschenden Zwentibold anlegen. Das schafft Karl leider nicht so ganz, kann sich dafür aber mit Rollo, dem rolligen Wikingerkönig, einigen. Außerdem heiratet er die englische Schönheit Eadgifu Ogiva, deren Namen er nicht aussprechen kann, und schreiben auch nicht, aber das stört Eadgifu nicht, weil sie seine Sprache ohnehin nicht versteht.

Zwentibolds Herrschaft in Lothringen ist nun aber vorbei, und es fällt an Ludwig (einen anderen, nicht Karls Vater) beziehungsweise Ludwigs Herzog Gebhard, der mit Konrad verwandt ist. Der Herzog aber fällt im Kampf gegen die Ungarn, und Reginar, der ja auch in Lothringen ist, mag Ludwig und Konrad auf einmal nicht mehr. Als dann Ludwig den Löffel abgibt und Konrad zum König gewählt wird, lässt sich Reginar wieder von Karl helfen, der ja auch Lothringen will. Diesmal hat Karl Glück und darf in Lothringen weiterspielen.

Konrad ärgert sich gar sehr, während sich Karl und Reginar freuen. Ratbod allerdings, der Erzbischof von Beruf ist und der Reginar gar nicht abkann, wird auch von Karl eingestellt. Das Problem dieser Rivalität erledigt sich, als Reginar und auch Ratbod in seltener Eintracht kurz hintereinander über den Jordan gehen. Dem Ratbod folgt Ruotger nach und Reginars Sohn heißt Giselbert. Die sind gemeinschaftlich empört über den Aufstieg des Emporkömmlings Hagano, der vielleicht mit Frederun verwandt ist, vielleicht aber auch nicht.

Giselbert und seine Kumpanen finden Konrad doof, der ja König auf der anderen Seite ist. Der haucht allerdings nun sein Leben aus und ihm folgt nach ein Sachse namens Heinrich. Heinrich und Giselbert können sich besser leiden, was für Karl ungute Folgen hat. Denn Karl mag Hagano, aber alle anderen, also Giselbert und auch Heinrich, die mögen Hagano nicht. Doch die Wogen glätten sich noch einmal, weil Herivaeus, der immer noch lebt, gut reden kann.

Zwischendurch möchte auch Johann, der eine Papstmütze auf hat, noch etwas dazu sagen, und schreibt einen laaaaaaangen Brief, der eigentlich keinen interessiert, weil es da um so grundsätzliche Dinge geht wie “Wer darf denn eigentlich ein Bistum vergeben?”. Der Brief ist adressiert an Hermann, der Bischof ist und Heinrich mag. Heinrich hat also in Karls Gebiet eingegriffen, worüber sich Karl gar fürchterbar aufregt. Heinrich und Karl schließen mitten auf dem Rhein aber einen kleinen Vertrag und mögen sich wieder, was Karl aber nichts mehr nützt, weil er nämlich dann gestürzt wird, weil er Hagano, den er wirklich mag, ein Kloster schenken will, das aber seiner (also Karls) Tante Rothild gehört, der Tochter von Karl (also Karls Opa). Hugo, Roberts Sohn und Rothilds Schwiegersohn, zettelt einen Aufstand gegen Karl an, an dem sich auch Giselbert beteiligt. Robert wird jetzt König und keiner mag Karl mehr; Robert nippelt jetzt aber ab, als er gegen Karls Heer verliert, was Karl freut, ihm aber nichts bringt, weil er so blöd ist, sich von Heribert (einem anderen!) gefangennehmen zu lassen. Er wird ins Verlies geworfen und seine Frau Eadgifu Ogiva flieht mit einem Sohn, den sie noch schnell vorher geboren hat, nach England zu ihrem Vater Edward, der aber ein Jahr später vor Schreck stirbt (er hat eine hohe Latenzzeit). Jetzt wird Rudolf König, der Sohn von Richard und Schwiegersohn von Robert, der ja in der Schlacht gegen Karl abgenippelt war.

Wenn dies nicht der derzeitige Stand der Forschungen zum westfränkischen König Karl III. wäre, könnte man meinen, das sei dem wirren Hirn eines unterbezahlten Drehbuchautors entsprungen. Das Mittelalter war, wie Sie sehen, nicht unbedingt nur düster, sondern auch Schauplatz etlicher Familientragödien und Intrigen. Verurteilen Sie unsere mittelalterlichen Vorfahren aber nicht zu schnell! Denn wer weiß, was Sie aushecken würden, wenn Sie Giselbert hießen…

Unwort des Tages: Karl.

3 Kommentare zu “Die Geschichte von Karl, der sich zuerst mit Zwentibold und dann mit Giselbert anlegte und schließlich Herrscher von ganz Lothringen wurde”

  1. 1
    julial49:

    Oha, da hat aber jemand gelitten! Doch wenn Karl III. geprüft wird, bist du ja immerhin gewappnet. Und wenn es dich auf obskuren Umwegen mal in die Soapschreiberei verschlagen sollte, musst du einfach nur die Namen ändern (und vielleicht Lothringen als Person umdeuten).
    In diesem Sinne: bin sehr froh, dass Bio und Mathe nicht ganz so wirre Vorgänge beeinhalten…

  2. 2
    Basti:

    Ich habe diesen Artikel gerade noch einmal gelesen. Ich möchte Ihnen allen da draußen Folgendes mitteilen: Es ist komplett normal, den Inhalt der Geschichte nicht zu verstehen. Ich steige da inzwischen auch nicht mehr durch…

  3. 3
    buchstaeblich:

    Basti, das ist doch die beste Voraussetzung für das Schreiben von erfolgreichen Soaps: Je unschlüssig, desto Quote!

Kommentieren