Was macht man als Student des Nachts um fünf?
Genau. Dasselbe wie Sie als normaler Mensch auch.
Nun stellen Sie sich mal vor: Ich, der chronisch überarbeitete Student, sollte heute eine Klausur schreiben.
Kommt halt vor.
Ich plante den heutigen Tag so, dass mir nach dem ausgiebigen Ausschlafen noch Zeit zum, ähem, Wiederholen des wichtigsten Stoffes bleiben würde. Dann würde ich mich gemütlich auf mein Fahrrad schwingen und zur Universität radeln, die Lösungen für die Klausur aus dem Handgelenk direkt in das Hirn des Dozenten schütteln und dann mit dem Fahrrad in die Stadt fahren, um mich hemmungslos zu besaufen. Soweit der Plan.
Der Plan wurde durchkreuzt. Auf kreative Art. Und zwar diesmal nicht von Zeugen, Tauben oder schlecht geschulten Werbeanruferinnen.
Die Heizung war’s, lieber Leser.
Ich wandelte gerade in finsteren Traumtälern und fürchtete dennoch kein Unglück, da fing es auf einmal an zu quieken. Ein monotones, sehr hohes Quieken. Mehr ein Piepen denn ein Quieken. Penetrant auf nahezu nur einem einzigen Ton.
Da war ich wach. Es war 5:02 Uhr.
Ich entstieg der wohligen Wonne des Bettes. Ich gebe zu, ich war ein wenig entnervt. Wie das halt so ist, wenn man mitten in der Nacht aus dem Bett geholt wird und sich noch dazu eigentlich gerade in der mentalen Vorbereitungsphase für eine gar wichtige Klausur befindet.
Das Fiepquiekpiepen kam, o Wunder, aus dem Badezimmer. Und zwar entsprang es irgendwo in der Decke über der Heizung, so dachte ich.
Heizungsfachmann, der ich bin, wusste ich natürlich trotz zugenebelten Hirns, aufsteigender Wut, kompletter Übermüdung und grässlichen Mundgeruchs: Überdruck in der Leitung. Geistesgegenwärtig öffnete ich sofort alle Wasserhähne, betätigte drei Mal die Klospülung und klopfte aggressiv gegen die Heizungsrohre.
…
Nichts geschah, außer dass mein Wasserverbrauch sprunghaft anstieg und meine Fingerkuppen schmerzten. Das Fiepquieken war immer noch da.
Ich gestand meine Unfähigkeit ein, dieses Problems Herr zu werden. Das war meine letzte bewusste Entscheidung. Die nächsten Minuten brachte ich nämlich damit zu, wutentbrannt kreuz und quer durch meine Wohnung zu laufen, mich zunächst ins Bett zu werfen, dann aber zu erkennen, dass ich ob des Fiepens nicht mehr würde schlafen können und dann laut keifend und die Fäuste gen Heizung ballend meine Gardinen aufzumachen. Tristes graues Wetter grinste mir hämisch entgegen. 5:22 Uhr.
Ich rastete noch ein wenig aus und drehte dann die Wasserhähne wieder zu.
Das muss wirklich ein sehr komisches Bild gewesen sein… ein zerzaustes Wesen in Puschen und einem zu weiten rot-weiß-quergestreiften, mit Wasser bespritzten Nachthemd, das laut schreiend und die Fäuste ballend durch eine nur rudimentär erhellte Wohnung rennt, die von einem geheimnisvollen Piepton beschallt wird. Das ist der Stoff, aus dem Alpträume sind.
Mir wäre jeder Alptaum lieber gewesen als dieses böse Erwachen…
Diese erbarmungslose Heizung (übrigens das einzige polnische Wort – abgesehen von “Schlampe” – das ich kann: [Oggschäwannja]) piepte noch bis 6:20 Uhr weiter. Dann hörte sie auf.
Jetzt, wo ich wieder normal denken kann – zumindest so weit, wie ich es einst konnte – komme ich zu dem Ergebnis, dass da irgend ein Ventil (oder so) kaputt sein muss. Was uns wieder zur englischen Sprache führt, übrigens. Entlüftungsventil heißt nämlich bleeder. Dass mit diesen Dingern etwas nicht stimmen kann, zeigt schon die Tatsache, dass bleeder im medizinischen Gebrauch dem deutschen Bluter entspricht. Und, schlimmer noch, dass es im handelsüblichen Straßenenglisch soviel heißt wie Scheißteil. Dem kann ich nichts hinzufügen…
Das Rätsel um das Warum löst sich jedoch bei einem Blick auf Wikipedia: Ein “selbsttätiges Entlüftungsventil mit Kugelschwimmer” wird in informierten Klempner-Fachkreisen auch Schnüffelstück genannt. Wenn eine Berufsgruppe schon solche Begriffe erfindet, dann ist da irgendwas gewaltig faul. Das kann ja gar nicht funktionieren.
Wenn es morgen wieder anfängt zu piepen, dann wird zurückgeschnüffelt, aber sowas von!
Unwort des Tages: Oggschäwannja.

Beitrags-Feed
Student in rot-weiß-gestreiftem Nachthemd, hach, das ist was für ältere Damen!
;-)
Aber nur dann, wenn du einen eigenartigen Geschmack hast. ;-)
He, Freundchen, sag’ noch mal “ältere Dame” zu mir!
;-)
Ach so, ähh, also, ups, ähm. War’s falsch? :P
Junger Mann,
nur, weil du theoretisch locker “Mutti” zu mir sagen könntest, berechtigt dich das nicht, in jede x-beliebige Falle zu tappen, die ich dir aufstelle, ohne hinterher meinen Spott ertragen zu müssen. :-D
“Student in rot-weiß-gestreiftem Nachthemd, hach, das ist was für ältere Damen!”:
Ja, über sowas grinst die Dame über 40, zeigt es doch, dass die Jugend von heute nicht pausenlos so “stylish” ist, wie wir es früher auch nicht waren!
Und weißt heißt jetzt Heizung auf polnisch?
@Nermi: Steht doch da: [Oggschäwannja]!