Bizarre Grüße aus der Heraldik
Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Überhaupt entwickelt jede Berufsgruppe, die etwas auf sich hält, seien es Maurer oder Buchhalter, mit der Zeit eine eigene Sprache, die mit möglichst vielen unverständlichen Fachbegriffen durchtränkt wird, damit auch ja niemand Fremdes etwas versteht.
Heute am sehr frühen Morgen wurde ich in der Universität mit dem Phänomen der Heraldik konfrontiert. Heraldik, für die 99%, die es nicht wissen: Das ist die Wissenschaft, die sich mit Wappen beschäftigt. Wohlgemerkt mit Wappen und nicht mit Fahnen oder gar Flaggen.
Die Heraldik ist genauso pervers und verkehrt herum wie die Mathematik. Ich erinnere mich noch an den Matheunterricht, in dem eigentlich immer gegen den Uhrzeigersinn gezählt und nummeriert wurde, weil das ja mathematisch so üblich sei (man möge mir widersprechen, falls nötig – die Mathematik ist nicht mein bevorzugter Lebensraum).
Genauso tun’s die Heraldiker: Wenn man einen Wappenschild betrachtet, so ist nicht etwa links links und rechts rechts, oh nein! Hier ist links rechts und rechts links. Dies hat nichts mit dem Geschlecht oder der Intelligenz der Heraldiker zu tun, sondern vielmehr mit der Tatsache, dass man den Schild aus der Perspektive des Trägers betrachte. Sagen die Heraldiker.
Es gibt ja Milliarden von verschiedenen Dingen, die man sich im wahrsten Sinne des Wortes auf den Schild schreiben kann. Jungfrauen, Hirschgeweihe, den Christus, Türmchen, Herzchen, Hasen, Eichhörnchen – es gibt nichts, was es nicht gibt. Auf dem offiziellen Wappen der Demokratischen Volksrepublik Korea prangt denn auch nebst anderen hochtrabenden technischen Errungenschaften stolz ein Strommast.
Das ist ja aber auch alles nicht so einfach. Die Wissenschaft oder auch die Kunst, ein Wappen richtig zu beschreiben, nennt man – aus welchem Grund auch immer, und es hat zumindest im heraldischen Sinne nichts Anzügliches – die Blasonierung. Die bringt so lustige Formulierungen hervor wie “vorn in rot ein linksgewendeter goldener Löwe” oder “vorne geschacht in Grün und Weiß, hinten in Silber ein aufgerichteter roter Panther.” Heraldiker klingen also eigentlich immer ein bisschen so, als ob sie gerade auf LSD wären.
Wenn man nichts Anderes zu tun hat, möge man sich damit beschäftigen, habe ich mir heute Morgen gedacht. Es gibt ja Leute, die haben Freude daran. Bittesehr.
Was ich dann erfuhr, gab mir allerdings den Rest:
Heraldisch gesehen ist ein Löwe, der ja ziemlich oft auf Wappen auftaucht, ein Katzenvieh mit Mähne, das auf zwei Tatzen steht und zur Seite schaut. Also sowas wie der Löwe im Landeswappen von Thüringen:
Das ist heraldisch gesehen ein normaler Löwe.
Dann gibt es noch den Leoparden. Der unterscheidet sich vom Löwen nur dadurch, Biologen müssen jetzt ganz stark sein, dass er nicht steht, sondern geht und außerdem noch nach vorne schaut. Eine Mähne hat er trotzdem, der Leopard. Zum Beispiel diese Viecher hier:
Das ist das englische Wappen. Keine Ahnung, was die Engländer mit Leoparden zu tun haben, aber das ist ja ihre Sache.
Nun gibt es in der Heraldik noch zwei Dinge, die ich mir – versprochen! – nicht ausgedacht habe, nämlich den gelöwten Leoparden und den leopardierenden Löwen.
Der gelöwte Leopard ist ein Leopard, der zwar nach vorne schaut wie ein Leopard, jedoch steht wie in Löwe. Das gibt es zum Beispiel in der schönen thüringischen Stadt Remda. Genauer: Das gab es dort. Man hat das nicht etwa deshalb geändert, weil man herausfand, dass es weder in der Realität noch in gottverlassenen Käffern wie Remda gelöwte Leoparden gibt. Schuld am Tode dieses Wappens ist ein Anfall von Sparsamkeit. 1997 wurde Remda nämlich mit der Nachbargemeinde Teichel zusammengeschlossen. Und da gab’s dann natürlich auch ein neues Wappen, ist klar.
Hier also, in memoriam, nochmal der remdaische gelöwte Leopard:
Leopardierte Löwen dagegen sind Löwen, die zwar löwentypisch zur Seite schauen, jedoch leopardentypisch laufen. Die gibt es zum Beispiel in Dänemark:
Sie sehen, liebe Leser: Es gibt mehr Raubkatzen auf der Welt als sie denken. Einige schauen, andere stehen, und wieder andere haben ab- und eigenartige Farbkombinationen. Aber den Heraldiker stört das alles nicht. Hauptsache, man findet einen interessanten Namen dafür.
Unwort des Tages: Gelöwter Leopard.




Beitrags-Feed



5. Mai 2008 um 14:51 Uhr
Ich war echt tapfer, beim gelöwten Leoparden mußte ich jedoch aussteigen.
Der Rest des Beitrags wird für mich immer ungelesen bleiben. Doch der Inhalt war leider für ein normales Gehirn nicht zu ertragen, oder anders ausgedrückt: Was für eine gequirlte Kacke ist die Heraldik eigentlich?!? Man.
Wieviel Lebenszeit wird für solche unproduktiven Heraldikfachausdrücke verplempert? Unfassbar.
5. Mai 2008 um 20:50 Uhr
Immerhin haben Sie es bis zum gelöwten Leoparden geschafft…
Und nun stellen Sie sich mich mal vor, wie ich in der Uni sitze und keine Chance habe, mich zu wehren! Seien Sie bloß froh, dass Sie die Wahl haben…!
8. Mai 2008 um 22:11 Uhr
Was war denn nun mit der Heraldik?
Oder ist der Beitrag im Begriff als Unvollendete in die Blog-Historie einzugehen?
Dann sollte man dafür ein hübsches Wappen entwerfen.
8. Mai 2008 um 22:22 Uhr
Öh? Habe ich eine Frage offen gelassen und wenn ja, welche?
9. Mai 2008 um 14:25 Uhr
Na, ich hätte gern gewusst, warum Heraldik so schlimm ist. Dass sie schräg ist, wusste ich schon, aber ich hatte mir aufregend Schlimmes erhofft. Oder noch mehr krause Begriffe wie “gelöwte Leoparden” – kann man das nicht noch ein wenig auswalzen?
bittebittebitte….
9. Mai 2008 um 14:58 Uhr
Naja, Sie haben ja gesehen: Es gibt auch Leute, die schon beim gelöwten Leoparden aussteigen. Die goldene Mitte ist also erstrebenswert … Ich hätte auch gern noch mehr geschrieben natürlich. Die Praktiken der Blasonierung z.B. schreien auch geradezu danach, dass man sich über sie lustig macht. Da gibt es regelmäßig unglaubliche Formulierungen…
Das würde aber den Rahmen eines solchen Artikels sprengen, denke ich. Vielleicht begegne ich ja demnächst wieder einem heraldischen Phänomen und schreibe noch einmal was darüber :-).
Ansonsten: Möchten SIE nicht vielleicht einen Artikel über Heraldik schreiben? :-)
9. Mai 2008 um 17:00 Uhr
Och, ich hoffe lieber, dass die Heraldik-Interessierten Sie umstimmen zu mehr!
4. Oktober 2008 um 13:23 Uhr
Sehr schöner Artikel, leider bin ich erst heute darauf gestoßen und leider blieb der Artikel wohl unvollendet. Über die Heraldik gibt es noch viel mehr zu schreiben und auch darüber zu streiten. Gerade für den Neuling auf diesem Gebiet gibt es sehr viel unverständliches, dass sich erst mit der Zeit erschließt.
Aber Vorsicht! Wenn sie einen erstmal gepackt hat, dann lässt sie einen nicht wieder los. Die alte Wissenschaft der Heraldik kann solche humorvollen Denkanstöße durchaus vertragen und auch verkraften, also bitte, nicht gleich aufgeben, wenn man mal über einem unbegreiflichen Begriff nicht hinwegkommt.
Viel Spaß noch!!!
Alex
5. Oktober 2008 um 10:25 Uhr
Die Heraldik ist eine Jahrhunderte alte Tradition und wird auch solche Beiträge überstehen. :-)
Wer wirklich einmal Interesse besitzt Heraldik als Hilfswissenschaft der Geschichte besser zu verstehen sollte sich in einem Forum mit behandelnder Thematik anmelden und Fragen stellen.
Alex hat schon Recht. Wenn einen die Heraldik erst einmal gepackt hat kommt man so schnell nicht wieder davon los.
Einige Foren in denen ich selbst aktiv bin:
http://www.gemeinschaft-wappenfuehrender-familien.de/phpBB2//index.php
http://www.heraldik-und-kunst.de/forum/index.php
http://www.heraldik-wappen.de/
http://www.familie-greve.de/index.php
Eine kurze Einführung in die Heraldik ist z.B. bei Wikipedia nachzulesen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Heraldik
MfG
Th. B.
5. Oktober 2008 um 17:37 Uhr
Eine wirklich gut aufgemachte Satire-Seite !
HERALDIK mal anders betrachtet :)
Hier mein Beitrag:
http://www.wappen-billet.de/forum/Habit.jpg
5. Oktober 2008 um 18:32 Uhr
Der Eintrag scheint ja in der Heraldik-Szene gut rumzugehen ;-)
6. Oktober 2008 um 00:23 Uhr
Und da wird ja auch in Holland um gelacht!
Jan Willen van en tot H. (von und zu H.)
6. Oktober 2008 um 01:05 Uhr
Ich freue mich, dass auch geübte Heraldiker meinen amateurhaften Annäherungsversuchen (an die Materie!) etwas abgewinnen können.
6. Oktober 2008 um 08:03 Uhr
Mich freut’s, wenn’s den BASTI freut :)
Das Leben ist hart…und manchmal voller Missverständnis ;)
http://www.wappen-billet.de/forum/Brennen.jpg
8. Oktober 2008 um 12:03 Uhr
…und so ganz nebenbei :
Hat nicht JEDER seinen STAMMBAUM ?
http://www.wappen-billet.de/forum/Stammbaeume.jpg
:)
22. Dezember 2009 um 07:54 Uhr
Guten Tag, ich würde gerne eines dieser Wappen auf einem Formular verwenden, erteilen Sie mir dafür die Genehmigung.
Hochachtungsvoll
Gutowski Errol
22. Dezember 2009 um 16:32 Uhr
@Errol: Der Wikipedia zufolge sind Wappen de iure gemeinfrei – ich könnte Ihnen also auch gar nicht untersagen, das Bild zu verwenden, selbst, wenn ich wollte.
22. Dezember 2009 um 17:09 Uhr
Vorsicht !
nicht alle Wappen sind frei, hier irrt Wikipedia !
Lesen Sie hier :
http://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?t=16045
22. Dezember 2009 um 17:32 Uhr
@Claus: Danke für den Hinweis. In dem Gerichtsurteil, das Sie im Forum zitieren, geht es aber wohl darum, dass jemand das Wappen eines anderen verwendet hat, um daraus quasi sein eigenes Wappen zu machen, richtig? Dass das nicht geht, ist gut zu wissen – für diesen Artikel allerdings nicht relevant. Die Wappen hier sind ja nur zu Darstellungszwecken hier druff; ich bastele mir hier ja kein eigenes Wappen…
Was Errol mit den Wappen vorhat, steht auf einem anderen Blatt – also, Herr Errol, Vorsicht beim Wappen- (und Waffen-)gebrauch!
22. Dezember 2009 um 18:18 Uhr
naja, auch dieses Wappen hat irgendjemand, gemalt, entworfen… und er oder nach 80 Jahren seine Erben haben sehr wohl ein Recht daran.
Und es tummeln sich ja im Netz immer mehr der Abmahnanwälte…
23. Dezember 2009 um 14:19 Uhr
Bei den Berufsaussichten würde ich auch Abmahnanwalt werden, wenn ich Jura machen würde :D
25. Dezember 2009 um 09:30 Uhr
Um einen Musterbrief tausendfach auszudrucken und zu verschicken, braucht es Jura? -schockiert-
Vielleicht kann man ja, analog zum Heilpraktiker, “Rechtspraktiker” werden, dann sollte es reichen, Briefmarken anlecken zu können.
26. Dezember 2009 um 00:40 Uhr
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es nicht illegal ist, wenn man ein Wappen in einem Text verwendet, wenn es bei diesem Text um das Wappen geht bzw. das Wappen illustrativerweise verwendet wird. Wenn das nicht erlaubt wäre, dann wäre die ganze Heraldik, und nebenbei auch die Vexillologie, für die Katz. Und ja, Vexillologie gibt es.^^ Denn: Ich darf ja auch die deutsche Flagge hier draufstellen und dann erklären, wofür das Rot steht und das Gelb und das Grün etc…
Etwas anderes ist es, wenn ich mir das Wappen/die Flagge zu Eigen mache und es zum Beispiel auf meinen Briefkopf drucke. Da könnte ich mir auch vorstellen, dass das juristisch irgendwelche Problemchen verursachen könnte. Eine Darstellung wie auf diesen Seiten tut das definitiv nicht. Und wenn das doch der Fall ist, gehe ich gerne und mit Wonne durch die Instanzen.
31. Dezember 2009 um 11:04 Uhr
Mein letztes Schreiben…
in diesem Jahr !
http://www.wappen-billet.de/forum/Rakete2.jpg
4. Januar 2010 um 21:02 Uhr
@ Schmetter-Ling: Der Kommentar sei mir gestattet: Aber man muss die Briefmarken gekonnt anlecken :P
Aber naja, es gibt ja auch dann und wann immer wieder Hochstapler, die ihre angebliche adlige Abstammung mit einem Wappen Marke “Eigenklau” belegen…sonst käme es ja nicht immer wieder zu solchen Fällen wie diesem falschen Rockefeller da, auch wenn der nicht adlig ist :D