V wie Valentin
Nun haben wir ihn Gott sei Dank hinter uns, den Valentinstag. Und wie jedes Jahr stellt man sich die gotteslästerliche Frage: Was soll das eigentlich alles?
Liebe Leserinnen, wenden Sie sich jetzt bitte nicht ab, greifen Sie nicht empört zur Nagelfeile und bezeichnen Sie mich jetzt nicht (emsig feilend) als unromantisch, machomäßig und sowieso komplett unterbelichtet. Ich mag es nur, gewisse Dinge kritisch zu hinterfragen, wie wir von der Universität immer so schön sagen. Die Hintergründe beleuchten. Sich Einblick verschaffen. Neugierig sein.
Das, liebe Leserinnen, sind Eigenschaften, die man auf dem heutigen Arbeitsmarkt einfach haben muss! Aber ich wollte nicht politisieren, dies ist ein romantischer Eintrag. Also legen Sie die Nagelfeile weg und lesen Sie.
Der Valentinstag ist einer dieser lustigen Tage, die wir – oder zumindest recht viele von uns – jährlich begehen, ohne überhaupt zu wissen, wieso. Das ist sowas wie Mariä Enthauptung oder Entjungferung oder wie die ganzen Feiertage in katholischen Landen so heißen (je dümmer der Name, desto rauschender das Fest – den Feiertag Mariä Beschneidung hat man auf dem Konzil von Nicäa im dritten Jahrhundert übrigens abgeschafft… zu gewalttätig).
Da weiß jedenfalls auch keiner, worum es geht (außer natürlich um die naheliegenden Vorgänge Enthauptung, Entjungferung und Beschneidung). Und genau so ist es auch beim Valentinstag.
Da laufen die Leute völlig kopflos herum und versuchen, noch ganz schnell irgendwoher Rosen zu bekommen (rote, möglichst). Die Rosenpreise steigen übrigens jedes Jahr Mitte Februar rapide an…
Die Kaufwütigen sind meistens gestandene Männer, die allerdings fürchten, dass sie eine Bratpfanne vor den Kopf kriegen, wenn sie ohne Gewächs zuhause auftraben. Oder dass sie zumindest nichts zu Essen bekommen. Und das ist tragisch (immerhin sind laut Welthungerhilfe in westlichen Industriestaaten allein im letzten Jahr 21.534 Männer in ihrer eigenen Küche verhungert – meist, nachdem sie zwei Wochen lang vergeblich versucht hatten, eine Raviolidose zu öffnen).
Und wofür diese Rennerei? Wofür der ganze Krach, der Streit, der dann entbrennt (“Aber Schatz, die Blumen sind zu teuer/rot/gelb/grün/groß/klein/nass/stinkig/erdrückend/…!”). Nur, damit die geplagten Floristen unter uns zufrieden sind?!
Denn die haben den Valentinstag logischerweise erfunden. Die sind ja nicht blöd, nur weil sie Floristen sind, oh nein! Was meinen Sie, was für eine Umsatzsteigerung so ein Valentinstag dem fast insolventen Floristen um die Ecke bringt! Fragen Sie doch einfach mal nach. Der wird Ihnen ganz flugs einen Rosenkranz flechten, darauf können Sie aber Gift nehmen!
Natüüüüüürlich gibt’s auch bei Wikipedia Geschichten über verliebte Engländer im 15. Jahrhundert, die sich Briefchen schreiben und was weiß ich noch alles. Das mag vielleicht stimmen, aber, seien wir ehrlich, liebe Floristen, eigentlich geht’s doch um’s Geschäft.
Was, zugegeben, nicht verwerflich ist, schließlich ist das bei Weihnachten, Ostern und allen sonstigen größeren christlichen Feiertagen auch so (außer bei Mariä Beschneidung) und wir haben uns inzwischen daran gewöhnt. Das Problem am Valentinstag ist nur: Man macht es als Mann auf jeden Fall verkehrt. Kauft man nichts, heißt es: “(beleidigter Gesichtsausdruck) Ohhh du hast mir gar nichts mitgebracht…”. Kauft man doch was, heißt es: “(schnippischer Gesichtsausdruck) Aaaach du fällst also auf die ganze Werbung herein, hmm? Du hast wohl gar keine eigene Meinung, oder was?”
Weil ich so ein optimistischer Mensch bin, kratze ich am Ende dieses Lästertextes noch an der Kurve zum Guten: Nennen Sie es, wie Sie wollen. Aber wenn es einen Tag im Jahr gibt, wo man sich gegenseitig etwas schenkt und sich möglichst viele Leute darüber freuen, dann ist das gut so. Muss ja nicht immer so eine Geschenkeorgie sein wie Weihnachten oder Geburtstage. Denn das ist der Vorteil am Valentinstag: Niemand erwartet mehr als gammelige Gewächse, und wenn dann doch was kommt, ist die Freude um so größer.
In diesem Sinne, bis nächstes Jahr.
Das mit Nicäa und der Beschneidung war übrigens gelogen.
Unwort des Tages: Rote Rosen.
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16. Februar 2008 um 11:24 Uhr
Bist du sicher, dass das Schenken nur auf Gewächse beschränkt ist?!? In diesem Fall sollte man dem Männchen wirklich Einfallslosigkeit vorwerfen!
16. Februar 2008 um 14:52 Uhr
Quod erat demonstrandum ;-).
16. Februar 2008 um 20:04 Uhr
Ich halte den Valentinstag im Grunde für überflüssig! Warum sollte man seine Liebe nur an diesem Tag demonstrieren? Man kann sich doch auch selber Tage schaffen, die man besonders feiert … das ist doch viel persönlicher. Außerdem ist es billiger, weil der Rosenkurs unter Umständen weiter unten ist… ;-)