Ich bin geborener Norddeutscher. Das, so sagen mir südländische Bekannte, merkt man mir und meiner Aussprache auch an.
Das erklärt vielleicht, warum ich von unsinnigem Kostümgehoppel nicht viel halte. Sowas gibt’s hier bei uns nämlich nicht. Zumindest nicht für Erwachsene. Hier im Norden findet der Karneval eben dort statt, wo er eigentlich hingehört: Im Kindergarten. Und in der Grundschule (meine rauschendste Faschingsfeier war demzufolge in der vierten Klasse – der Alkohol floss in Strömen; zur abschließenden Polonese konnte ich nicht mehr stehen. Das war aber egal, ich war als Geist verkleidet und Geister schweben ja bekanntlich).
Velleicht findet sich ja jemand, der mir erklären kann, was am Karneval so lustig ist. Ich kann mir wahrhaft Komischeres vorstellen als bei klirrender Kälte in einem depperten Kostüm auf der Straße zu stehen und mir übergroße Pappwagen anzuschauen (die immer mal wieder die Besucher zerquetschen), von denen Menschen herunterwinken, deren Mundwinkel an den Ohren festgetackert sind (denn das gehört zum Kostüm).
Und dann gibt es ja noch irgendwelche Versammlungen, für die man sich auch wiederum gar neckisch verkleidet, an überlangen Tischen platznimmt und eifrig klatschend einer komplett unlustigen Show beiwohnt, die man nur beklatscht, weil ja Karneval ist. Hach, was ist das wieder unterhaltsam dieses Jahr.
Im Ernst: Für das, was in der Bütt oder sonstwo als brüllend komisch und beißend präsentiert wird, würde ein Standup-Comedian gesteinigt werden. Und danach würde man ihn ausbuhen.
Aber was passiert bei den etlichen Karnevalssitzungen, mit denen uns ALLE unsere öffentlich-rechtlichen Anfang Februar zubetonieren? Die Leute klatschen, als ob sie unter Drogen stünden. Und dazu tuscht die Kapelle ein munteres, wenn auch schräges “Tätääää, Tätääää, Tätäääääääää!”. Feiern für Gehirnamputierte.
Natürlich trägt der Alkohol zur allgemeinen Heiterkeit bei. Sowieso scheint das Saufen mal wieder der einzige wirkliche Anlass zum Feiern zu sein. Warum, liebe südländischen Frohnaturen, warum kippt ihr euch das Zeug nicht einfach zuhause in gemütlicher Runde hinter die Binde? Ohne den Müll? Die schlechten Shows? Die erbärmlichen Witzchen? Die aufgesetzte Heiterkeit?
So ist das jedenfalls bei uns. Wenn man sich besaufen will, dann besäuft man sich eben und Punkt. Dazu muss man nicht extra noch irgendwas von einer “fünften Jahreszeit” faseln (die dauert gefühlsmäßig etwa zehn Mal so lange wie alle anderen Jahreszeiten…) und alkoholgetränkt chronisch gute Laune verbreiten. Krawatten beschneiden. Rathäuser stürmen.
Wenn sie es denn wenigstens richtig täten, das Feiern. Und nicht so deutschtümelnd gebremst. So bieder. So beschämt, wenn sich denn dann doch mal echte Fröhlichkeit ausbreitet. Aber nein, der Karneval muss ja so bleiben, wie es schon immer war.
Na dann, Kölle Alaaf. Und Helau. Und sowieso.
Ich gebe mich diesem Brauch erst dann hin, wenn die Leute wirklich fröhlich sind. Und nicht nur so tun, als ob.
Unwort des Tages: Tätäääää.

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Ein wahres Wort! Wie gut, dass nun Aschermittwoch und damit der Spuk (as Gott will) zuende ist. Ich hasse es!
Rechtfertigen werde ich mich nicht ;) ich wollte nur anmerken das ich die Fastnacht liebe!
Einfach mal in Dieburg mitfeiern – die Vorurteile außen vorlassen – versteht sich :)
Wir haben schon die größten Fastnachtsmuffel bekehrt *g*
Bei uns schreit man übrigens ÄLA :D
Dieburg? Sorry, Antje, aber das hab ich ja noch nie gehört – eine Kreuzung aus Diebels und Duisburg…?
Aber, ich verspreche: Sollte mich das Leben einmal dorthin verschlagen, ich werde Karneval mitfeiern. Fast ohne Vorurteile… ^^
Ach, jeder nach seiner Fasson :-) Ich habe das zum Glück ganz gut hinbekommen, dass ich meine Kindheit in den Hochburgen verlebt habe und jetzt, wo ich den Sinn nicht mehr sehe und meine Ruhe haben will, wohne ich in einer Ecke, wo man mit dem Wort Kamellen eher Unverständnis hervorruft :-)
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Es ist ja soooo einfach, über Karneval, zu meckern, aber…. nee, kein aber, es ist einfach. Warum? Weil’s wirklich schrecklich ist :-)
Ich bin auch ein Nordlicht. Habe aber, jetzt wo ich im Süden wohne, eigentlich wenig Probleme mit den Bräuchen hier. So ein Zelebrieren, wie es zur Fasnet-Zeit passiert, ist doch toll. Es zeigt, daß Menschen leben und Spaß haben. Gefallen muß das natürlich nicht jedem.
Und andere Bräuche, wie das Christbaum-Loben, gibt’s ja auch noch ;-)