Ich habe mich ja schon mal irgendwo an dieser Stelle über den Wind im Allgemeinen und den norddeutschen Wind im Speziellen beschwert. Weil ich aber gerade in der rechten Stimmung dazu bin, muss ich das hier noch mal ein wenig ausformulieren.
Die meisten von Ihnen wohnen ja sowieso nicht in Norddeutschland, haben also von Wind ohnehin keine Ahnung.
Wind, liebe Freunde südlich der Elbe, ist eine ungewöhnlich starke Luftbewegung, die für unsereins völlig beliebig und planlos, zweifellos aber einem großen Weltenplan folgend über unsere Erde hinwegfegt.
Wenn Sie nun also im Biergarten sitzen, Lobeshymnen auf die CSU singen und dabei zufällig bemerken, wie sich in der Ferne die Wipfel der urdeutschen Eichen leicht hin- und herwiegen, dann schlucken Sie gefälligst Ihre Bemerkung (“Ja mei, is des wieder windig heut’!”) hinunter, denn das ist kein Wind.
Als Wind bezeichnen wir Fischköppe diejenige Luftbewegung, die einen kurz in der Bewegung innehalten lässt, weil man weiß, dass man momentan sowieso nicht vorwärtskommt. Wind ist das, was gelegentlich mal als rechte Hand des Todes fungiert und harmlose Passanten mit Dachziegeln erschlägt (deswegen haben Norddeutsche auch härtere Schädel, die Evolution passt sich dem -Darwin sei Dank!- mit der Zeit an). Das, was durch 150 000 Windkraftanlagen 0,00000000000005% unseres täglichen Strombedarfs deckt. Das, was mit eben diesen Windkraftanlagen jedes Jahr die Hälfte des schleswig-holsteinischen Kuhbestandes erschlägt (die Dinger knicken nämlich gerne mal um). Das ist Wind.
Am Donnerstagmorgen, lieber Leser, war alles noch gut. Es war zwar verdammt früh und ich sah aus wie der Tod auf Latschen, das ist aber donnerstagmorgens immer so (schöner Satz zum Üben von Groß- und Kleinschreibung, by the way). Das Wetter war grau und langweilig wie immer; es war zwar arschkalt, aber das kommt im Winter gelegentlich vor.
Die folgenden vier Stunden verbrachte ich schnarchend in den Mauern der Universität. Als ich dann mit irgend einem Mensafraß im Magen wieder nach Hause fahren wollte, da kam er mir auf einmal entgegen, der Wind. Der war morgens noch nicht da gewesen. Aber gut, sowas kommt vor. Wetter halt, nech?
Nun ist es ja so: Der Wind, liebe Leser, der dreht ja gelegentlich. Er scheint aber eine gottgleiche Erscheinung zu sein, denn er weiß augenscheinlich immer, wohin und woher er wehen muss, um den Menschen das Leben so schwer wie möglich zu machen. Der Wind kommt nämlich, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, grundsätzlich von vorne. Und dabei ist es komplett egal, wie oft man im Laufe der Tortur des Nachhauseweges die Richtung wechselt. Außerdem nimmt die Kraft des Windes immer dann zu, wenn es bergauf geht.
Probieren Sie es ruhig mal aus. Schnappen Sie sich ein Fahrrad, egal welches, und tun Sie so, als ob sie fahren würden. Sie werden sehen, es wird ihnen jemand ins Gesicht blasen, und weil dieser Text jugendfrei ist, kann es nur der Wind sein!
Damit war der Spaß am Donnerstag ja noch nicht zuende. Ich war auf dem Nachhauseweg und wollte noch Medikamente kaufen. Prompt wurde ich Opfer des Apothekenfluchs.
Nun stellen Sie sich das Mal vor: Mensafraß im Magen (glücklicherweise weiß ich nicht mehr, was), Wind von vorn, Regen von oben und keine Apotheke in Sicht. Ich habe selten so geflucht wie auf diesem Fahrradweg, und das will schon was heißen. Ich kann eigentlich froh sein, dass mein Fahrrad nicht entrüstet ohne mich weitergefahren ist (natürlich aus purem Eigennutz, es wäre nämlich wahrscheinlich weggeweht…).
Damit war der Spuk noch nicht aus, denn später am Tage musste ich noch mal zurück zur Universität. Versteht sich, dass der Wind nun auch von vorne kam. Interessanterweise hat es, als ich auf dem Fahrrad saß und lauthals den Wind beschimpfte, angefangen zu schneien.
Romantisch, werden jetzt einige von Ihnen sagen und verklärte Blicke zum Lebenspartner werfen.
Ich versichere Ihnen: Ich war mutterseelenallein auf meinem Fahrrad (auf dem Fahrrad ist man immer allein!! Auf dem Fahrrad ist sich jeder selbst der Nächste!!), es war bitterkalt, es war verdammt windig und es schneite. Und zwar derart, dass der Wind, das himmlische Kind (wo ist die Supernanny, wenn man sie braucht??? Ab auf die stille Treppe mit dem Kind!), mir die gigantischen Schneeflocken ins Gesicht wehte, auf dass sich ihre Abdrücke in meine Haut frieren.
Es war also ganz und gar nicht romantisch.
Mein Donnerstag war nicht schön. Überhaupt nicht schön.
Manchmal frage ich mich wirklich, warum ich hier oben in Kiel wohne und nicht irgendwo, wo es keinen Wind gibt… aber ist Fahrradfahren in den Bergen wirklich angenehmer?
Unwort des Tages: “Böiger Wind aus West bis Nordwest”. Als ob man die Windrichtung jemals vorhersagen könnte. Haha!

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Ja, wir habens schon gut hier, finde ich. Einzigartiges Klima in Deutschland. Du musst das Positive dran sehen. ;)
Das ist tatsächlich so mit den Windrichtungen. Ich nenn das ja (aus lokalpatriotischen Gründen) das Greifswalder Naturgesetz.
Och na ja, der Wind. Wir hier in Meck-Pomm haben gelegentlich auch so unseren Spaß daran. Aber im Großen und Ganzen bin ich doch recht froh, das wir von schlimmeren “Naturkatastrophen” wie Tsunamis, Erdbeben oder Hochwasser verschont bleiben. Wenn man das mal mit beachtet, ist einem der Wind ziemlich egal…
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