Lachen vor dem Brotregal

Ich war gestern seit langer Zeit mal wieder einkaufen. Es war bitter nötig, meine Essensvorräte neigten sich bedrohlich dem Ende.

Also bahnte ich mir, nachdem ich vier Stunden in der Universität verbracht hatte und über verschiedenste Dinge informiert wurde, die mich nicht interessieren, einen Weg durch den hell erleuchteten REWE-Konsumtempel.

Nach vier Stunden Uni, Sie kennen es vielleicht, befindet man sich gemeinhin in einem bemerkenswerten Zustand zwischen Schlafen und Wachen, der aber eher Ersterem ähnelt als Letzterem.

Trotzdem wurde ich, als ich vor dem überquellenden Brotregal stand, schlagartig wach.

Das handelsübliche Einzelhandesbrotregal quillt ja förmlich über vor neuen und alten Kreationen. Da liegen aufzubackende Brötchen, bereits aufgebackene Brötchen, schwarzes Brot, weißes Brot, Körnerbrot, Brot, das Musik macht, wenn man es aufbäckt, Brot, das lesen kann, Brot, das schreiben kann, Brot, das Bernd heißt… die Produktdesigner lassen sich ja durchschnittlich alle 48 Stunden etwas Neues einfallen.

Und neben diesem hochmodernen Regal, das vor lauter sorgfältig designten und aufwändig verpackten Produkten schon fast zusammenbrach, stand ein kleiner, unauffälliger Karton, in dem sich folgendes Gebäck befand:

Dr. Karg. Exquisiter Brotgenuss.

Dr. Kargs exquisiter Brotgenuss. Ein Knäckebrot, wie es im Buche steht. Knochentrocken, sesambehaftet, langweilig. Aber: Teuer. Und von Dr. Karg. Selten hat ein Name so gut zu einem Produkt gepasst wie “Dr. Karg” zu diesem einmaligen Gebäck.

Unwort des Tages: Produktdesign.

Geschrieben am 18. Januar 2008 in Unseriös

5 Kommentare zu „ Lachen vor dem Brotregal

  1. Nu ma Butter bei de Fisch: hast du das karge Brot gekauft?!?! Oder wie bist du sonst an das Foto gekommen?

    Aber Brot ist nun wirklich heilig in diesen deutschen Landen. Und man vermisst es dann auch schmerzlich, wenn es nicht allgegenwärtig an jeder Ecke (ob nun Bäcker oder Supermarkt) verfügbar ist. Glaub mir, ich weiß wovon ich rede. Mein Auslandsjahr in Schottland, dem kulinarischsten aller europäischen Länder war in dieser Hinsicht ein Graus!

  2. Basti :

    Ja, ich habe das karge Brot gekauft, auch wenn es wirklich äußerst teuer war und ich es wahrscheinlich nicht mal essen werde. Aber nach meinem Lachanfall vor dem Brotregal (das war sogar mir unangenehm) musste ich es einfach kaufen…

  3. Kannst Du mir bei der Gelegenheit mal erklären, was “pikant” eigentlich genau bedeutet?

  4. Sehr aufmerksam beobachtet. Durch ähnliche Aufassungsgabe bin ich zu dieser Beobachtung gekommen. War aber nicht ganz so teuer – und lecker. ;-)

  5. Basti :

    Pikant heißt in diesem Falle: “Wir haben zwar nur Knäckebrot, packen da aber noch mal Sesam und, lecker-lecker, Leinsamen druff, damit es interessant aussieht. Das nennen wir ‘pikant’”.

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