Es ist kaum zu fassen, mit welch bahnbrechender Erkenntnis die Kollegen von der Onlineredaktion der Deutschen Welle uns heute wieder überraschen. Da wird pompös getitelt: “Deutsche Muslime nicht radikaler als Nichtmuslime“. Herzlichen Glückwunsch, kann ich da nur sagen. Was für ein Wunder. Da muss wohl einer sämtliche Früchte des Baumes der Erkenntnis zunächst geerntet und dann geraucht haben.
Warum, frage ich mich, sollten denn auch Muslime radikaler sein als Deutsche, die einer lustigeren Religion frönen? Will mir hier einer erzählen, das Christentum sei friedlich, oder was?
Die unglaubliche Überschrift der Deutschen Welle verdanken wir einer Studie zur Gewaltbereitschaft deutscher Muslime. Das ist ja schon mal eine äußerst gefährliche Studie, weil sie entweder das Bild zerstören könnte, das erschreckend viele Deutsche von Muslimen zu haben scheinen (nämlich das der langbärtigen, turbanbehaupteten, dunkelhäutigen, gewalttätig dreinblickenden, hageren Gestalten, die eine Kalaschnikow geschultert haben und in ihren Mägen Bomben produzieren, die sie auf Kommando ausscheiden können) oder eben jenes Bild bestätigen und die arme Bevölkerung und besonders Herrn Rolle-Rolle-Schäuble in Panik versetzen könnte.
Ich rate Ihnen, lieber Leser: Pfeifen Sie alle Studien in den Wind. Zu deutsch: Scheißen sie darauf. Mit Wucht.
“Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.” Und dass das auch für Zitate gilt, zeigt die Tatsache, dass dieses Zitat wohl nicht, wie landläufig behauptet, von Winston Churchill stammt. Leider hat wer auch immer diesen Spruch einst absonderte damit Recht. Überlegen Sie mal, wie viele Statistiken oder Studien es gibt. Man ist versucht, ihnen zu glauben, weil es ja Zahlen sind. Es ist Mathematik, also ist es logisch, da kann man ja nichts falsch machen.
Stimmt leider nicht. Gerade neulich wieder, irgendwo in Ostdeutschland (war es Sachsen? Oder Sachsen-Anhalt? Ich verwechsele die beiden immer… ist ja sowieso dasselbe) – jährliche Statistik über Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund. Gar plötzlich war die Zahl dieser Straftaten in diesem Jahr um 99,5 Prozent oder so gesunken. Haha, möchte man meinen, die Sachsen haben’s endlich begriffen. Aber nein – man hat nur die Kriterien verändert, was nun eine rechtsextreme Straftat ist und was nicht. Wie aussagekräftig ist also diese Studie?
Genau. Man kann damit eine wunderbare Bücherbrennung veranstalten. Das kommt in Sachsen immer besonders gut an.
Die Statistik über die Gewaltbereitschaft der Muslime hat ebenfalls die Aussagekraft eines Dieter-Bohlen-Liedtextes, nämlich keine. Wir erfahren (der Deutschen Welle zufolge), dass deutsche Muslime nicht gewaltbereiter sind als der deutsche Rest. Das hätte ich Ihnen auch sagen können (gratis). Wir erfahren, sogar, “dass sich Muslime in Deutschland gar nicht so sehr von der nichtsmuslimischen Bevölkerung unterscheiden.” Noch so eine bahnbrechende Erkenntnis.
Nun wird’s aber eigenartig: Die taz titelt mit “Abschied von einer Idylle” und schreibt: “Eine neue Studie kommt zu dem erschreckenden Ergebnis, dass junge Muslime auffällig gewaltbereit sind. ”
Ich habe zehn Mal nachgeschaut, beide Quellen beziehen sich tatsächlich auf ein und dieselbe Studie.
Wenn Sie also das nächste Mal in den Nachrichten hören, was für Zahlen gestiegen oder gesunken sind, wer oder was gerade stagniert oder wo es wieder eine neue Statistik zum Thema “Wurstsalatproduktion im Todenfelder Land” gibt, dann seien Sie bitte vorsichtig und führen Sie sich vor Augen, dass das keine gottgegebenen Gesetze sind (so wie die zehn Gebote oder die Verfassung der Vereinigten Staaten), sondern dass da ein paar Leute in einem Kabuff sitzen und gegen Honorar etwas Intelligentes aufzuschreiben versuchen.
Quellenkritik nennt man das im historischen Fachjargon. Dürfen Sie aber auch getrost weglassen.
Und was den Umgang mit Muslimen angeht: Schauen Sie doch einfach mal, ob der Muslim Ihnen sympathisch ist, mit dem Sie sich gerade unterhalten. Das ist aussagekräftiger als jede Statistik.
Unwort des Tages: Studie des Bundesinnenministers.

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Humoriger Text zu leider ernsten Thema! Der DW-Bericht, den du hier nennst ist der einzige, der überhaupt versucht, nicht völlig negativ über die Studie zu berichten. Jeder andere Bericht, der mir untergekommen ist, hat schon bei der Überschrift in etwa so reißerisch geklungen wie die taz.
Zum Statistik-Zitat: meine Quelle(!) besagt, dass das von den Nazis als Propaganda gestreut wurde.
Gut auf den Punkt gebracht. Hättest Du hier nicht eh schon so eine Art Beschwerdeblog, würde ich Dich glatt aufs craplog einladen :-)
@Julia Es scheint tatsächlich allgemein eher panikmachende Texte über die Studie zu geben. Das will der Professor, der die verzapft hat, eigentlich ausdrücklich vermeiden, aber es muss ihm klar sein, dass das die Medianmeute nicht interessiert. Die Medien sind immer ein Spiegel der Gesellschaft, und dort tummeln sich ja allerlei Vorurteile.
@Sebastian Huch, wusste gar nicht, dass es dieses Blog gibt. Danke, fühle mich geschmeichelt… Würde aber wahrscheinlich aufgrund latenter Unzuverlässigkeit so enden wie euer geheimnisvoller Thomas… :-)
We found out: water is wet! – even at midnight (Hagen Rether)
Meine Güte, wozu doch Propaganda alles fähig ist. – Warum sollten Muslime oder sonstwie gläubige gefährlicher als andere Menschen sein ?
Ok, zu böse der Einstieg in dieses Kommentar wahrscheinlich, aber langsam gehen wir diese ganzen Diskussionen im Wahlkampf und in den Medien ganz schön auf die Nerven.
Ich arbeite in einer Firma mit vielen Moslems, es sind auch einige bekennende NPD Wähler dabei, aber alle nicht gefährlich geworden bisher und alle machen bisher ihre Arbeit einigermaßen vernünftig bis gut.
Sogar damals im bösen Gelsenkirchen,wo ich mal meine Ausbildung machte, waren in den bösen Ausländerhochburgen nicht die Ausländer die schlimmen sondern die Rechten Glatzen,die haben als einzige rumgepöpelt.
Bisher hatte ich mit Ausländer noch keine Probleme aber leichte manchmal mit Rechten,soll ich darüber eine Statistik anfertigen und veröffentlichen ?
Das ganze Problem in diesen Debatten wird gerne am meisten übersehen und das ist die Dummheit,aber genau diese fällt immer auf solche Statistiken gerne herein.
Was diese eine Zeitung schreibt muß wahr sein ,denn sonst würde man es nicht auf Papier drucken.
Leider kann man nicht so laut schreien wie andere ihre Lügen verbreiten.
Es mangelt in diesem Lande und in vielen anderen einfach nur an Bildung, bei Moslems,bei Christen,bei allen.
Ich finde dass, das angesprochene Thema für muslime und nichtmuslime in Deutschland eine sehr wichtige rolle spielen müsste. Im endeffekt sind wir doch alle Menschen die vom selbem, einzigen Gott erschaffen wurden !?
Es wäre schön wenn unsere Gesellschaft in Frieden mit der selben Meinung leben könnte, oder ? …
Was sagt ihr dazu ?
Wie steht ihr ( ihr/wir alle; “Völkergruppen” in Deutschland) zum Angesprochenen Thema?
dieses thema hier ist sehr wichtig.
trotzdem gefällt mir dein artikel nicht.ich meine:
durch diese studie hätten wir einen anhaltspunkt gehabt.eine quelle für kommunikation.sie hätte eine tür zwischen muslimen und nichtmuslimen geöffnet.genau das ist es doch was wir brauchen!kommunikation,austausch.aber wir schaffen es nicht!
es wäre ein anlauf gewesen.wir hätten endlich 1 volk sein können.du aber machst diese chance nieder.
Ich finde nicht, dass wir eine Studie brauchen, um herauszufinden, dass Muslime nicht gefährlicher sind als andere Menschen. Ich finde auch nicht, dass diese Studie eine Tür zwischen den Religionen öffnet. Allein schon die Frage “Sind Muslime aggressiver als andere?” führt doch schon in die Irre. Warum sollten sie denn bitteschön aggressiver sein?
Wenn man Kommunikation und Austausch wirklich will, braucht man dafür keine Studie, die beweist, wie friedlich das Gegenüber ist. Finde ich.
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