Das Unwort

Unseriöse, unerhört unpolitische Ungereimtheiten

 
 
 
 

Über die Logik der seelenlosen Binärmaschinen

Ich bilde mir ein, ein wenig von Computern und diesem ganzen seelenlosen Kram zu verstehen. Aber manchmal plagen mich wirkliche Selbstzweifel.

Ich habe gestern voller Elan eine neue Folge vom Unwort Videocast aufgenommen, die ich auch online gestellt habe. Da stand sie dann.

Peinlicherweise musste ich vom Stammleser Konna E. darauf hingewiesen werden, dass Bild und Ton überhaupt nicht übereinstimmten – womit bewiesen wäre, dass ich mir die Sendungen nach der Aufzeichnung nicht nochmal ansehe (weil ich sie sonst wahrscheinlich gar nicht online stellen würde). Das muss ich vielleicht doch mal ändern.

Jedenfalls habe ich dann versucht, Bild und Ton manuell zu synchronisieren (Gesundheit!). Das hat, o Wunder, nicht geklappt, weil die Differenz zwischen Bild und Ton mit zunehmender Zeit immer größer wird. Ich konnte also keinen gemeinsamen Nenner finden, der sowohl für den Anfang des Videos als auch für das Ende stimmte.

Da hab ich mir gedacht, nagut, Kruse, nimmste den Schmarrn eben noch mal auf. Habe mich fröhlich vor meine Kamera geschnallt und nach einem halbstündigen Tontest versucht, eine synchrone Version des Videocast aufzunehmen. Fertig aufgenommen, angeschaut – asynchron.

Da war ich frustriert, können Sie das verstehen?

Die zentrale Frage ist nun: Warum zum Geier hat es bei den letzten sieben Sendungen funktioniert und nun nicht mehr? Ich habe doch in meinem Programm keine der zahlreichen Einstellungen auch nur schief angeguckt, geschweige denn geändert!

Das sind Fragen, die einem in der Computerwelt, und auch nur da, begegnen. Man denkt gemeinhin, dass Computer und mit ihnen zusammenhängende Gerätschaften die logischsten Dinge sind, die es auf dieser schönen Welt gibt. Weil sie ja im Grunde genommen nur in Nullen und Einsen denken.

Tatsächlich ist die Natur aber viel logischer als ein Computer. Stellen Sie sich eine Situation mit folgenden Komponenten vor: Eine leicht bekleidete Frau läuft alleine durch die Savanne. Sie trägt keinerlei Parfum. Sie begegnet einer Löwin, die seit zwei Wochen nichts mehr gegessen hat und die gleichzeitig noch ein Rudel aus vier faulen Kolleginnen, einem noch fauleren Oberlöwen und vielen kleinen Kindern versorgen muss.

Es passiert nun folgendes: Die Frau ist leicht bekleidet, sie sieht also aus wie ein nacktes, hilfloses Säugetier. Was sie ja auch ist. Sie trägt kein Parfum, riecht also nach Mensch. Was sie appetitlich macht. Die Löwin hat Hunger und steht unter Stress, wird das hilflose Fräulein also in einer 30-sekündigen, äußerst gewaltbehafteten Aktion zunächst über den weit entfernten Jordan und danach in die hungrigen Mäuler ihrer Artgenossen befördern.

Wir ändern nun eine Komponente in der Ausgangssituation. Zum Beispiel das Parfum. Die Frau trägt also ein beliebiges Parfum im Wert von 1865 Euro. Dieses Parfum verbreitet einen derartigen Gestank, dass die Löwin in der näheren Umgebung ein ganzes Rudel Menschen, eine Müllhalde, eine Wiederaufbereitungsanlage für atomare Brennstäbe, eine Kläranlage und eine Parfumfabrik vermutet und schleunigst das Weite sucht.

Sie sehen, es ist logisch. Eine Ausgangssituation, verschiedene Komponenten. Ändere ich eine Komponente, ändert sich das Resultat.

Man möchte meinen, dass es bei Computern genauso ist. Ist es aber nicht! Das kennen Sie doch bestimmt auch. Zum Beispiel: Internetverbindung. Ich sitze vor meinem PC und will mich ins Netz einwählen. Alice, die Internet-Schlampe, öffnet sich mit lustvollem Stöhnen und will mich Informationsbedürftigen ins Internet befördern. Doch nach dem Eingeben des Passworts bleibt ihr das Stöhnen im Halse stecken: “Ihr Passwort ist nicht korrekt. Fehler sonstwas.”

Das wäre eine logische, zu erwartende Reaktion – wenn das Passwort tatsächlich falsch wäre. Ist es aber nicht. Und gebe ich nun dasselbe Passwort erneut ein, komme ich problemlos ins Internet. Wo ist denn da bitteschön die Logik? Das ist ja so, als ob das Fräulein in der Savanne (das ohne Parfum) kurz vor dem finalen Todesbiss zu der Löwin sagen würde: “Du wart’ mal, ich komm einfach noch mal angelaufen und wir schauen dann, was passiert, okay?” und die Löwin würde zustimmend nicken, das Fräulein würde noch einmal daherkommen und die Löwin würde am Leckerbissen ignorant vorbeilaufen und sich der Morgengymnastik widmen, ohne den wehrlosen Fleischhaufen Frau auch nur eines weiteren Blickes zu würdigen.

Das passiert in der Natur einfach nicht!

Ergo: Computer sind widernatürlich. Gegen sämtliche evolutionären Gesetze. Weil sie nämlich so unlogisch sind.

Damit wäre erklärt, warum ich das Video nicht richtig aufnehmen konnte. Nur helfen tut mir diese Erkenntnis nicht.

Da sehen Sie mal, wohin einen eine akademische Ausbildung führt – zu Erkenntnissen zwar, die in ihrem Wesen von einer atemberaubenden Brillanz sind, die jedoch keinen praktischen Wert besitzen.

Unwort des Tages: They say: “Never change a running system.” But how the fuck can I make my system run properly????

12 Kommentare zu “Über die Logik der seelenlosen Binärmaschinen”

  1. 1
    Jenni:

    Hach wie wahr wie wahr… Das ist, in einer sehr Treffenden Beschreibung, eine Erklärung dafür, warum ich mit Computern und der Welt nicht zurecht komme. Das eine behauptet logisch zu sein und ist es dann doch nicht und das andere ist logisch, also sowieso mit mir inkompatibel… wenn man sich dessen erstmal bewusst ist, ist es gar nicht mehr so schlimm :)

  2. 2
    konna:

    Klasse geschrieben! Eine Situaton, die jeder kennt und irgendwie niemand versteht. Hach, ich fühle mich gerade sehr verstanden von dir. :D

  3. 3
    romanmoeller:

    Das kennen wir alle, wa?

    Das Problem bei Alice war hier aber die Tatsache, das Alice mitunter nicht in der Lage ist, sich korrekt zu artikulieren. Nehmen wir dochmal rein theoretisch an, das Alice keine Serververbindung aufbauen konnte, um das Passwort abzufragen. Dann wird sie nicht sagen: “Sorry Basti – ich konnte keine Internetverbindung aufbauen. um das Passwort zu prüfen.” Ich überdimensionaler Betriebsblindheit wird sie auch hier sagen: “Sorry Basti – das Passwort ist falsch!”

  4. 4
    Basti:

    Das ist doch ein Problem, das bei gutaussehenden Frauen überdurchschnittlich häufig auftritt: Sie können sich einfach nicht artikulieren!!

    … Jetzt kriege ich wahrscheinlich die Saure Gurke…

  5. 5
    romanmoeller:

    Ein Teil der Schuld triftt mich, da ich dir einen Steilpass geliefert habe an dessen Verwertung du auch bei objektiver und vorurteilsfreier Antwort nicht vorbeigekommen wärst! ;-)

  6. 6
    Basti:

    Das stimmt. Ich danke dir noch mal ganz herzlich für die Vorlage :-).

  7. 7
    romanmoeller:

    Stets zu Diensten – und dann beim nächsten Mal auch wieder ohne Rechtschreibfehler (die mir grade eben beim erneuten Durchlesen meines Beitrages überhaupt erst aufgefallen sind – ist ja grausam) … ;-)

  8. 8
    Basti:

    Die schleichen sich so manchmal einfach ein, ich kenne das. Habe gestern gerade wieder zwei im Zeugen-Jehovas-Beitrag gefunden… ich glaube, die Dinger wachsen nach!! Also die Rechtschreibfehler, meine ich.

  9. 9
    Jenni:

    Das ist noch viel schlimmer, die vermehren sich mit einer noch höheren Vervielfältigungsrate als Karnickel. Sobald zwei Fehler sich finden, gibt es innerhalb von Minuten viele süße kleine Kommafehler, die bald schon zu wahren grammatikalischen Verfehlungen auswachsen, die dann wieder Fehlerchen gebären. Da kommt man einfach nicht gegen an.

  10. 10
    buchstaeblich:

    Gut aussehende Frauen müssen doch auch gar nicht artikulieren können. Wenn Männer etwas zu begucken haben, können sie doch ohnehin nicht mehr zuhören, weil sie mit Sabbern beschäftigt sind. :-)

  11. 11
    lexxa:

    Also Jungs – ich bitte euch. Gut aussehende Frauen ALLE Artikuationsunfähig? Und ihr Männer nur triebgesteuert und am Sabbern?
    Super.
    Pessimisten braucht das Land..
    ;-)

  12. 12
    Basti:

    Nun müsste buchstaeblich aber kommen und ihren Satz sagen, den sie mir an anderer Stelle schon sagte. Ich habe ihn vergessen, aber er hatte damit zu tun, dass sie weiblich sei… ;-)

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