Das Unwort

Unseriöse, unerhört unpolitische Ungereimtheiten

 
 
 
 

Alle Jahre wieder kommt das Mehdornkind auf die Kunden nieder…

… und zieht ihnen das Geld mit Wucht aus der Tasche: Endlich wird das Bahnfahren wieder teurer. Mir war schon ganz langweilig – schließlich gab es seit einem dreiviertel Jahr keine Erhöhung der Fahrpreise mehr.

Um durchschnittlich 2,9 Prozent sollen die Preise im Nah- und Fernverkehr nun steigen, heißt es heute. Auch Bahncards und Sitzplatzreservierungen sollen teurer werden.

Eigentlich lohnt es sich nicht wirklich, sich darüber aufzuregen, denn dann würde man seine Gesundheit ernsthaft gefährden – schließlich hat die Bahn in den letzten Jahren JEDES Jahr die Preise erhöht.

Natürlich seien die Energie- und Personalkosten wieder gestiegen. Das mag ja auch sein. Nur sollten die Bahnpreismacher, wer immer sie auch sein mögen, sich einmal vor Augen halten, wie teuer Bahnfahren jetzt schon ist. Und es ist, im Vergleich mit dem europäischen Ausland, exorbitant teuer. Da hilft auch ein Labyrinth von Spartarifen nichts, das erwiesenermaßen nicht mal Bahnangestellte jemals verstanden haben.

Seien wir realistisch: Die Bahn kommt zwar meistens pünktlich, gelegentlich aber auch mal überhaupt nicht. Das Personal ist in der Regel gleichgültig bis unfreundlich, die Züge laut, stinkig, schmutzig und heruntergekommen. Und trotzdem ist Bahnfahren unglaublich teuer und in den meisten Fällen im direkten Vergleich zum Auto oder gar dem Flugzeug nicht im geringsten konkurrenzfähig.

Ich stand neulich vor der Entscheidung, wie ich nach Stuttgart reise. Ich habe mich über die Bahntarife informiert und bin fast vom Stuhl gefallen: Eine achteinhalbstündige Bahnfahrt nach Stuttgart hätte mich 119 Euro gekostet. One way.

Mein einstündiger Flug, den ich dann gebucht habe, kostet 100 Euro. Hin und zurück.

Noch Fragen, Herr Mehdorn?

Und jetzt kommen Sie mir nicht mit der Umwelt. Ich würde ja auch liebend gern Bahn fahren und meinetwegen auch die paar Stunden zusätzliche Reisezeit in Kauf nehmen, aber for heaven’s sake nicht dann, wenn ich dafür auch noch doppelt so viel bezahlen muss. Und das vor der diesjährigen Preiserhöhung. Tut mir ja leid für die Umwelt, aber ich bin kein Krösus.

Alle reden sie davon, den Verkehr auf die Schiene verlagern zu wollen. Und gleichzeitig geht es um die Privatisierung der Bahn, was das Streben nach geilen Bilanzen und damit Preiserhöhungen zur Folge hat. Das ist genauso schwachsinnig wie Studiengebühren einzuführen, um damit mehr Menschen zum Studieren bewegen zu wollen.

Logik scheint nicht die Stärke der Entscheider in dieser Bundesrepublik zu sein. Schade eigentlich.

Unwort des Tages: Die Bahn.

7 Kommentare zu “Alle Jahre wieder kommt das Mehdornkind auf die Kunden nieder…”

  1. 1
    MuGo:

    Tja, aber die Bilanzen müssen nunmal rosig sein für die Börse…

    Aber da sie ja hoffentlich bald an der Börse sind, musst du dich nicht mehr lange grämen: Lange kann es die Bahn nicht mehr geben! Bei dem jetzt schon vorhandenem Investitionsstau und den noch zu erwartenden Einsparungen als AG (unter zweistelliger Renditesteigerung im Quartal geht ja heutzutage nichts mehr), ist die Bahn in ein paar Jahren nicht mehr in der Lage, einen regelmäßigen Betrieb zu gewährleisten. Und wie schlimm es um die Strecken steht, durfte ich ja während meines Praktikums selbst erleben!

    Drum gilt für mich auch: Nach dem Studium nach Möglichkeit ins Ausland – zur Bahn aber nur, wenn die mir ein Angebot machen, dass mich alle Moral vergessen lässt!

  2. 2
    MuGo:

    Hm, naja, so schlimm vielleicht doch nicht – aber auf jeden Fall ist es kein Traumjob, jetzt als junger Ingenieur bei der Bahn zu beginnen…

  3. 3
    romanmoeller:

    Heftig! Bei uns beim Nachverkehr in Schwerin ist die Tour sprichwörtlich die Selbe … die haben zwar Jahre lang die Preise nicht erhöht – das nehmen die jetzt allerdings als Vorwand jedes Jahr die Preise zu erhöhen. In zwei oder drei Jahren ist der Preis der Monatskarte von 25€ auf 38€ gestiegen. Pervers!

    Was die Bahn angeht: ich durfte 2002 für mehrere Wochen im Zuge (geniales Wortspiel!) eines Praktikums täglich Zug fahren. 5 Minuten Verspätung war eigentlich immer drin …

  4. 4
    Basti:

    Naja, fünf Minuten zählen wir doch mal großzügigerweise nicht als Verspätung… das soll doch nur die Freude auf das herannahende Bahnfahrerlebnis steigern!!

  5. 5
    MuGo:

    Naja, fünf Minuten sind ja nun nicht so schlimm.

    Außerdem kommen diese Verspätungen meistens durch Unachtsamkeiten vom Fahrdienstleiter zustande und sind nicht wirklich ein Fehler im System sondern, äh, menschliches Versagen. Aber da die Fahrdienstleiter über kurz oder lang eh abgeschafft werden, dürfte sich zumindest dieses Problem bald erübrigt haben!

  6. 6
    Dominique Omakowski:

    Wie soll denn auch Wettbewerb entstehen, wenn das Schienennetz zur Bahn gehoert?

  7. 7
    MuGo:

    Das fragen sich alle – nur Herr Tiefensee nicht…

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Unsinner

Bastian Kruse hat am gleichen Tag Geburtstag wie Martin Walser, Steve McQueen, Roland Koch und Nena. Geboren ist er im Gegensatz zu Vorigen im Jahre 1986 in den unendlich flachen Weiten Schleswig-Holsteins. Diese Weiten hat er bisher auch noch niemals für längere Zeit verlassen, und so wird er beim Anblick eines Berges jedes Mal von der Panik erfüllt, der Himmel könnte ihm auf den Kopf fallen.
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