Das Unwort

Unseriöse, unerhört unpolitische Ungereimtheiten

 
 
 
 

Klappern bis der Arzt kommt – Management von Anfängern für Anfänger

RTL und ProSiebenSat1 drohen mit der Schließung ihrer Nachrichtenkanäle. Zumindest im Falle von ProSiebenSat1 ist das aber ein Windei.

ARD und ZDF wollen aus irgend einem Grunde neue digitale Nachrichtenprogramme starten. So soll beispielsweise der digitale ARD-Ableger EinsExtra zu einem Nachrichtensender ausgebaut werden. So weit, so gut. Das ging am Mittwoch durch die Presse. Nichts Neues also, mag der werte Leser denken.

Und er hat Recht.

Neu ist ebenfalls nicht, dass nach dieser Ankündigung RTL und ProSiebenSat1, die mit n-tv und N24 ebenfalls Nachrichtenkanäle betreiben, reflexartig mit der beliebten Arbeitgeber-Drohung kontern (ähnlich wie Seegurken, die Angreifern reflexartig ihre Gedärme entgegenspucken): Das führe zum Verlust von Arbeitsplätzen.

Das sagt man natürlich nicht so. RTL sagt: Solcherlei Maßnahmen hätten “dramatische Auswirkungen”, und zwar “bis zur Existenzfrage für die Nachrichtenkanäle und die damit verbundenen Arbeitsplätze”. ProSiebenSat1 sagt, dass dann “die Refinanzierbarkeit der privaten Spartenprogramme gefährdet ist”. ¹ Heißen tut es aber dasselbe: “Wenn ihr das tut, dann müssen wir unsere Nachrichtenkanäle leider dichtmachen und ihr habt dann ganz ganz viele arme Journalisten in eurer Arbeitslosenstatistik, nänänänänä!”

Zumindest was N24 angeht, ist diese mehr oder minder diplomatisch formulierte Drohung ein Windei. Oder, um es mal deutlich zu sagen: Eine Lüge. Naja, sagen wir, eine Verschweigung (habe extra ein neues Wort erfunden!).

Denn über die Pläne der ProSiebenSat1 Media AG, die gerade für ein wenig mehr als 3 Milliarden Euro den Medienriesen SBS gekauft hat, schweigt man sich natürlich aus. Die sehen nämlich so aus:

Ein Stellenabbau bei ProSiebenSat1 ist schon lange geplant – die Rendite soll gesteigert werden. Dass der Konzernüberschuss von 40 Millionen Euro im Jahr 2003 auf 240 Millionen im Jahr 2006 gestiegen ist, reicht wohl nicht. Und so müssen dieses Jahr wohl 20% der 750 Mitarbeiter am Standort Berlin gehen. Und das hat nichts mit der ARD zu tun.

Der Nachrichtensender N24 scheint nach Meinung des Konzerns auch nicht wirklich in seiner Existenz bedroht zu sein: N24 soll zum “modernsten Nachrichtensender” ausgebaut werden. Investitionen von insgesamt 10 Millionen Euro sollen getätigt werden: Ein neues Gebäude muss her. In Berlin. Inbetriebnahme: 2009.

So verhält sich aber kein Nachrichtensender, bei dem die Arbeitsplätze gerade mal akut bedroht sind…

Klappern gehört zum Geschäft. ProSiebenSat1 klappert aber ein wenig laut. Ganz unabhängig von der Frage, ob wir noch mehr Nachrichtensender von Gebührengeldern brauchen.

GEZ-Gebühren, übrigens.

GEZ-Gebühren, GEZ-Gebühren, GEZ-Gebühren. Aber das ist ein anderes Thema.

Unwort des Tages: We love to entertain you.

¹ bis hierhin alles zitiert nach stern.de

Keine Kommentare zu “Klappern bis der Arzt kommt – Management von Anfängern für Anfänger”

  1. 1
    romanmoeller:

    Ich kann nur nochmal aus meinem Beitrag zu dem Thema zitieren:

    “Vorsichtig ausgedrückt: ich halte das für eine Frechheit. Aus kapitalistischen Beweggründen versuchen die Privaten öffentlich-rechtliche Konkurrenz im Keim zu ersticken, inden die Polittik mit den Arbeitsplätzen erpresst wird, die angeblich auf dem Spiel stehen. Das ist sehr arm – und eine Geschmacklosigkeit gegenüber den Mitarbeitern!”

  2. 2
    RTL-Gruppe und Pro7SiebenSat1 drohen mit Schließung ihrer Nachrichtenkanäle! « http://www.romanmoeller.de.vu:

    [...] (Stern.De) => Raff: Weiterentwicklung von EinsExtra rechtmäßig (Intern.Ard.De) => Klappern, bis der Arzt kommt [...]

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