Preispolitik zum Davonlaufen

Der Witz des Tages ist der Brief, den ich heute von den Stadtwerken bekommen habe. Überschrieben ist der Wisch mit folgenden Worten:

Anpassung der Allgemeinen Preise für die Grundversorgung mit Strom

Wenn die Bedeutung der Worte nicht so erschreckend wäre, könnte man fragen, warum das unscheinbare Adjektiv “allgemein” denn nun auf einmal groß geschrieben wird. Aber es geht ja diesmal ausnahmsweise nur um den Inhalt.

Eine Anpassung der Preise ist natürlich eine Anpissung des Verbrauchers, also eine Preiserhöhung. Das steht aber in dem Brief nur an einer Stelle drin. Irgendwo in der Mitte des halbseitigen Textes.

Auffallend an dem Brief ist folgendes: Nach dem Standard-Anschreiben geht es ohne Umschweife los. Da steht dann also:

“Sehr geehrter Herr Kruse,

drei Faktoren sind im Wesentlichen für die Höhe des Strompreises verantwortlich. [blah]”

Die beginnen schon, sich zu rechtfertigen, bevor sie mir die Preiserhöhung überhaupt mitgeteilt haben! Da muss aber einer ein ganz schlechtes Gewissen haben…

In der Manier geht es weiter. Mir wird also nun mitgeteilt, dass es ganz viele böse Steuern auf den Strom gibt und dass ja 25% des Strompreises auf die Erzeugung entfallen. 25%!! Wo zum Geier bleibt der Rest? Dass das alles Steuern sind, kann man mir nicht erzählen.

Außerdem seien ja die Erzeugungs- und Beschaffungskosten “in den letzten Wochen stetig gestiegen. Daher erhöht die Stadtwerke Kiel AG zum 1. Oktober 2007 ihre (…) Preise.”

Die detaillierten Preise und auch die Wärmepumpenregelung solle ich doch bitte dem Beiblatt entnehmen. Was eine Wärmepumpe ist, weiß ich nicht, kann mir also unter dem Begriff Wärmepumpenregelung auch nichts vorstellen. Aber egal. Vielleicht steht das ja auf dem Beiblatt.

Da stehen nun eine Menge Preise drauf: Tarife für alle Bedarfsarten, Schwachlastregelung, Wärmepumpenregelung, Grundpreis, und das alles unterteilt in netto und brutto. Haken an der Geschichte: Das sind die neuen Preise. Wie hoch die alten Preise sind, die noch bis zum 1.10. gelten, steht da nicht. Es geht also aus dem Preiserhöhungsmitteilungsbrief nicht hervor, um wieviel der Preis erhöht wird. Als Kunde der Stadtwerke Kiel ist also eine Hellseher-Ausbildung unbedingt notwendig.

Nagut, dann rufen wir da eben mal an. Ein Blick auf die auf dem Brief angegebene Telefonnummer lässt mich erzittern: Da steht die Servicenummer der Stadtwerke in ihrer ganzen Pracht. Null-eins-acht-null…

Ich könnte an diesem Punkt wieder ausflippen, Gläser zerdeppern, Türen eintreten, Gitarren zerschmeißen, Wäsche waschen oder sonst irgend etwas Unerhörtes tun, aber ich werde es nicht tun. Ich bleibe ganz ruhig. Das ist gut für mich. Aber schlecht für die Stadtwerke Kiel. Denn: Der begabte Hobby-Journalist recherchiert mit Wucht, besonders dann, wenn er ruhig, aber innerlich aufgebracht ist.

Der Preis erhöht sich um 2,5ct pro Kilowattstunde, das sind bei dem durchschnittlichen Verbrauch eines Singlehaushaltes 25€ im Jahr mehr. Damit befinden sich die Stadtwerke Kiel auf einem Preisniveau mit dem lokalen Ökostrom-Anbieter. Und was ich nun tue, ist ja wohl klar, oder?

Ich gebe mich lieber der Illusion hin, friedlich flatternde Fögel mit einer Investition in Ökostrom zu retten als durch Untätigkeit irgendwelche Deppen von den Stadtwerken zu subventionieren, die zu blöd sind, a) vernünftige Preispolitik zu betreiben und b) ein informatives und ehrliches Preiserhöhungsschreiben zu verfassen.

Ich bin gespannt, ob sich diese Aktion für die Stadtwerke rechnet. Ich glaube nicht – der intelligente Kunde jedenfalls wechselt spätestens jetzt den Anbieter. Schlechter werden kann es jedenfalls nicht.

Unwort der Tages: Preisanpassung.

Geschrieben am 18. August 2007 in Unseriös

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