Die Hoffnung stirbt zuletzt – also kurz nach uns

Endlich wieder Klimaerwärmungsdebatten. Denken wir doch mal zurück: Wann war die Klimaerwärmung denn schon mal so oft in den Schlagzeilen vertreten wie in den letzten Wochen?

Eben.

Da ist es doch nur legitim, dass in der abendlichen Tagesschau inzwischen jedes zweite Wort “globale Erderwärmung” lautet. Denn die Tagesschau bringt uns das ins Haus, was wichtige Menschen sagen, oder aber Menschen, die sich für wichtig halten und das derart gut verkörpern, dass die Redakteurinnen und Redakteure der Tagesschau auf sie hereinfallen. Und in diesen Wochen reden wichtige Menschen viel über die Klimaerwärmung! Warum eigentlich? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie der emsige Mojib Latif, der nun natürlich prompt zum gefragten “Klimaexperten” aufgestiegen ist, predigen schon seit Jahrinnen und Jahren oder gar Jahrzehntinnen und Jahrzehnten, dass wir unsere Luft hier bald tatsächlich mit der Messerin oder dem Messer schneiden könnten, wenn wir denn dann noch fähig wären, ein solches in der Hand zu halten! Wer hat denn auf einmal die Politikerinnen und Politiker dazu gebracht, sich gar plötzlich um dieses Thema zu kümmern?

Das Problem ist, dass Dinge im Allgemeinen nicht dadurch besser werden, dass sich Poltikerinnen und Politiker um sie kümmern. Denn das Verb kümmern ist, wenn man es im politischen Sinne gebraucht, lediglich ein Synonym für diskutieren. Oder auch erörtern. Oder gewisse Schritte und Maßnahmen einer gründlichen Prüufung unterziehen.

Um jetzt mal den Bogen zum aktuellen Geschehen zu schlagen: Was bringt es uns, wenn in dieser Woche acht schwerreiche Regierungschefinnen und Regierungschefs in einem kleinen, unscheinbaren, mittlerweile unzugänglichen, weil hermetisch abgeriegelten Ort wie Heiligendamm zusammenkommen, um sich um einige ausgewählte Probleme dieser Welt zu kümmern?

Ich glaube, wir müssen die Politikerinnen und Politiker einfach mal so akzeptieren, wie sie sind: ein wenig langsam manchmal, etwas ängstlich meistens, auch mal emsig (Diätenerhöhungen…), sehr streitbar, selten gutaussehend… Aber immerhin, sie kümmern sich! Und wenn wir ganz viel Glück haben, kommt am Ende sogar eine gemeinsame Erklärung dabei heraus. Das ist ein diplomatischer Begriff und heißt soviel wie: “Wir konnten uns gerade noch soweit beherrschen, dass wir uns nicht den Krieg erklärt haben”. Was letztendlich in dieser gemeinsamen Erklärung steht, ist komplett egal, denn das steht auch schon irgendwo anders, meistens in der UNO-Charta oder im NATO-Vertrag oder im Grundgesetz oder auf der Speisekarte von McDonald’s oder so… Es geht eben nur darum, dass man sich um Probleme kümmert.

Hoffen wir also, dass sich die acht Regierungschefinnen und Regierungschefs nicht von der pöbelnden geistigen Elite dieses Dichter-, Denker- und Steinewerferlandes beunruhigen lassen uns der globalen Erwärmung mit einer engagierten gemeinsamen Erklärung einen totalen, weil radikalen Riegel vorschieben.

Achten Sie drauf: Wenn der G8-Gipfel mit einer gemeinsamen Erklärung endet, dann ist die Welt gerettet! Wenn nicht, müssen wir mit dem Retten der Welt noch bis zum nächsten G8-Gipfel warten. Oder bis nach den Wahlen in den USA. Oder bis zum nächsten Putsch in Russland. Oder bis die Steinewerfer an der Regierung sind, denn die können das bestimmt sowieso alles besser.

Unwort des Tages: gemeinsame Erklärung.

Geschrieben am 4. Juni 2007 in Unparteiisch

0 Kommentare zu „ Die Hoffnung stirbt zuletzt – also kurz nach uns

  1. Brillant! Nicht nur eine Beschreibung des momentanen Sachverhaltes, sondern vielmehr eine Abhandlung über das generelle Wesen der populistischen Politik. Kernaussage ist das Gleichstellen von “kümmern” und “endlos drüber labern” bzw. “dem Wähler kurz vor der Wahl das sagen, was er hören will”.

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